Fanny Ardant + John Malkovich

Monsieur Blake zu Diensten

Andrew Blake (John Malkovich) spielt das Spiel mit Nathalie Beauvillier (Fanny Ardant) mit. Foto: © Ricardo Vaz Palma- Bibibul Productions
(Kinostart: 21.12.) Flucht aus der Verantwortung: Ein verwitweter Unternehmer schöpft als Butler in der französischen Provinz neuen Lebensmut. In der gut gelaunten Verfilmung seines eigenen Romans kann sich Regisseur Gilles Legardinier auf seinen frankophilen Hauptdarsteller verlassen.

John Malkovich kann einfach alles: vom intriganten Adligen („Gefährliche Liebschaften“, 1988) über einen abgehalfterten Professor („Schande“, 2008) bis hin zu albernen Auftritten wie in „Zoolander 2“ (2016). Er spielte sogar selbstironisch sich selbst als Verkörperung eines „Überschauspielers“ in Spike Jonzes Film „Being John Malkovich“ (1999). Er ist sich nicht zu schade für Blockbuster, hat aber mehr Freude an kleineren Produktionen wie zuletzt Robert Schwentkes Satire über den griechischen Philosophen „Seneca“.

 

Info

 

Monsieur Blake zu Diensten

 

Regie: Gilles Legardinier,

110 Min., Frankreich/ Luxemburg 2023;

mit: John Malkovich, Fanny Ardant, Philippe Bas

 

Weitere Informationen zum Film

 

Eine weitere Fähigkeit kam in seiner langen Karriere bisher kaum zur Geltung: Malkovich spricht auch Französisch, weil er einige Zeit in Frankreich gelebt hat. Dies und seine Vorliebe für intime Ensemblefilme mögen ihn dazu veranlasst haben, eine weitere Facette von sich zu zeigen: „Monsieur Blake zu Diensten“ spielt in Frankreich, mit französischen Darstellern und vorwiegend in der Landessprache.

 

Flucht nach Frankreich

 

Unter der Regie von Gilles Legardinier, der hiermit seinen eigenen Roman verfilmt, schlüpft Malkovich in die Rolle von Andrew Blake. Der erfolgreiche Londoner Unternehmer gerät nach dem Tod seiner Frau in eine Sinnkrise. Als er bei einer Preisverleihung geehrt werden soll, setzt er sich in Richtung Frankreich ab. In der Domaine Beauvillier, einem alten Landhaus, will der Neuwitwer noch einmal in Erinnerungen schwelgen. Hier lernte er seine spätere Frau kennen und erlebte viele schöne Momente mit ihr.

Offizieller Filmtrailer


 

Im Dienste der Madame

 

Als er auf dem Anwesen eintrifft, ist der Empfang recht brüsk. Die resolute Haushälterin Odile (Émelie Dequenne) hält ihn irrtümlich für einen Bewerber um die ausgeschriebene Stelle als Butler. Sie nimmt ihn gleich in Beschlag und weist ihm eine ungemütliche Dachkammer zu. Erst am nächsten Tag gelingt es Monsieur Blake, das Missverständnis aufzuklären. Inzwischen gibt es aber keine Gästeversorgung mehr auf dem Anwesen.

 

Um dennoch bleiben zu können, bietet er kurz entschlossen seine Dienste auf Probe an. Gerührt von seiner Geschichte gibt Odile ihm eine Chance. Nun muss sich der an allerhand Luxus gewöhnte Millionär mit seinem einfachen Quartier unterm Dach und einer kaum funktionierenden Dusche anfreunden. Er muss auch Zeitungen für die Dame des Hauses Madame Beauvillier (Fanny Ardant) bügeln, damit sie sich beim Umblättern nicht die Finger schmutzig macht, überall ständig putzen – und dabei versuchen, sich mit dem eigentlichen Hausherrn gut zu stellen: dem Kater Mephisto.

 

Neuankömmling macht sich unentbehrlich

 

Weit entfernt von seinem alten, stressigen Leben und ohne Druck, schwerwiegende Entscheidungen treffen zu müssen, entwickelt Andrew langsam wieder Interesse an seiner Umgebung. Für seine Mitmenschen ist er nur ein freundlicher ausländischer Herr und kein mächtiger Industriemagnat. Dieses Image wird auch durch die miserable Mobilfunk-Netzabdeckung befördert: Telefonieren ist nur auf einem Holzstapel im Wald möglich. Mit zugewandter Freundlichkeit und praktischen Ratschlägen macht sich der unvoreingenommene Neuankömmling schnell unentbehrlich.

 

Hintergrund

 

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Zum Beispiel freundet er sich mit dem ungeschlachten Gärtner Philippe Magnier (Philippe Bas) an. Es gelingt ihm sogar, Philippe ins Blickfeld von Odile zu rücken, die dieser heimlich anbetet. Die verschwendet ihr Kochtalent nur an ihren wohlgenährten Kater, obwohl sie damit in Sterne-Restaurants brillieren könnte. Natürlich ist eine bittere Enttäuschung schuld daran. Auch die nach außen makellos erscheinende Hausherrin Madame Beauvillier trägt als Witwe und Verwalterin eines maroden Betriebs ein emotionales Päckchen mit sich herum.

 

Gute Unterhaltung unter trübem Himmel

 

Wäre dies eine Hollywood-Produktion, liefe nun rasch die bewährte Verwertungsmasche an, und überall flögen imaginäre Herzchen um neu verbandelte Paare in einer schönen Gegend. Legardinier spielt hingegen mit den üblichen Erwartungen an eine solche Geschichte und würzt sie mit einem freundlichen, aber trockenen Humor, der mitunter an britische Wohlfühlfilme erinnert. Er ist aber auch Slapstick oder absurden Situationen nicht abgeneigt; etwa beim Probe-Dinner mit Philippe, bei dem sich Andrew in Perücke und grell geschminkt als Ersatz für dessen Angebetete Odile kostümiert.

 

Man könnte dem Film vorhalten, dass alles viel zu nett und glatt vonstatten geht, am Ende eine Art Wunder passiert und derweil die französische Landschaft eher neblig und trübe wirkt – man kann das aber auch lassen. Denn im Übrigen bietet er eine behagliche, relativ unkitschige Story mit kantigen Charakteren, tollen Schauspielern und einem John Malkovich, der flüssig Französisch parliert, woran er sichtlich Spaß hat. Das ist einfach gut gemachte Unterhaltung, und mehr muss es manchmal nicht sein.