Kobi Libii

The American Society of Magical Negroes

Die resolute Dede (Nicole Byer) leitet den Geheimbund. Foto: © 2024 Focus Features, LLC.. Foto: © 2024 Focus Features, LLC.
(Kinostart: 25.4.) Nett ausgedacht, aber schlecht gemacht: Außer der Idee eines Geheimbundes von Schwarzen, die sich unablässig um das Wohl der Weißen kümmern, fiel Regisseur Kobi Libii nicht viel ein. Was als Rassismus-Satire angelegt ist, verpufft in langatmig didaktischen Dialogen von Klischee-Figuren.

Ein Nichtweißer, der in Actionfilmen immer als erstes Todesopfer herhalten muss, fungiert in manchen Genrekomödien als running gag. Doch der „magische Schwarze“ („Magical Negro“) ist eine außerhalb der USA eher weniger bekannte Gestalt, die Regisseur Spike Lee erstmals definiert hat. Sie verfügt über übernatürliche Kräfte und große Lebensweisheit; damit greift sie der weißen Hauptfigur unter die Arme.

 

Info

 

The American Society of Magical Negroes

 

Regie: Kobi Libii,

104 Min., USA 2024;

mit: An-Li Bogan, Justice Smith, Nicole Byer, Drew Tarver

 

Weitere Informationen zum Film

 

Es geht also um einen selbstlosen „Wilden“ ohne eigene Handlungskompetenz; dieses Klischee ist inzwischen mehr oder weniger obsolet, zumindest in der Filmindustrie. Was wäre aber, wenn es diese Funktion als echten Job gäbe? Dieser originelle Grundgedanke liegt dem Regiedebüt des Komikers Kobi Libii zugrunde, was einiges absurdes satirisches Potential verspricht.

 

Je glücklicher sie, desto sicherer wir

 

Ein ausschließlich aus Schwarzen bestehender Geheimbund sorgt für eine bessere Welt, indem er sich um die Ausmerzung des „weißen Unbehagens“ kümmert, der Quelle allen Übels für Schwarze. Sein Credo lautet: „Je glücklicher sie sind, desto sicherer sind wir“ – dafür sollen Schwarze ihre eigenen Interessen hintanstellen.

Offizieller Filmtrailer OV


 

Zum Facebook-lookalike abkommandiert

 

Allerdings ist der Geheimbund mittlerweile etwas überaltert. Daher wird der junge afroamerikanische Künstler Aren (Justice Smith) rekrutiert, der zwar talentiert, aber wenig marktschreierisch veranlagt ist; deshalb kann er mit seinen Kunstwerken – Skulpturen aus Wollfäden – bei weißen mittelalten Sammlern nicht reüssieren. Auf einer Vernissage wird er sogar für einen Kellner gehalten.

 

Diese Schmach und die Aussicht auf ein regelmäßiges Einkommen machen ihn empfänglich für das Angebot, Mitglied der besagten Gesellschaft zu werden, magische Fähigkeiten wie Teleportation inbegriffen. Sein erster Auftrag ist die Beglückung des jungen weißen Angestellten Jason (Drew Tarver). Der arbeitet im fiktiven globalen Tech-Konzern „Meetbox“, welcher der „Meta“-Holding von Facebook verdächtig ähnlich sieht, will unbedingt in der Hierarchie aufsteigen, hadert ansonsten mit seinem Leben, schwärmt aber für seine Vorgesetzte Lizzie (An-Li Bogan).

 

Software erkennt Schwarze nicht

 

Wie Aren nun Jason zufriedenstellen soll, wird nicht genau gesagt – Hauptsache, es geht ihm gut. Zunächst gelingt das auch, bis Aren und Lizzie sich unvorschriftsmäßig näherkommen und einige Dinge in der Firma schief laufen. Selbstredend besteht die Belegschaft vorwiegend aus Weißen, und der Konzernboss (Rupert Friend), dessen Auftreten dem von Mark Zuckerberg verdächtig ähnelt, zeigt sich als rechter Unsympath.

 

Das Problem ist: Die von „Meetbox“ entwickelte Software zur Gesichtserkennung funktioniert nicht bei Schwarzen. Nicht nur deswegen regt sich bei Aren zunehmend Unmut über seine altruistische Aufgabe; das lässt ihn über sich, sein Auftreten und seinen Platz in der Gesellschaft nachdenken – bis zum Bruch mit dem Geheimbund samt Knalleffekt.

 

Figuren gleichen Abziehbildern

 

Diese klassische Heldenreise mit Happy End inszeniert Libii zu Beginn wie geläufige Fantasy: Die Geheimgesellschaft versammelt sich konspirativ in viktorianischem Ambiente und wird von der herrischen Chefin Dede (Komikerin Nicole Byer) bei Bedarf kräftig zusammengestaucht. Natürlich hat Aren auch einen weisen Mentor namens Roger (David Alan Grier), gegen den er aufbegehrt, und mit Lizzie eine geheimnisvolle Angebetete.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Nope" - komplexer Genre-Mix aus Western und Science Fiction von Jordan Peele

 

und hier eine Besprechung des Films "Everything Everywhere All At Once" - überbordend inszenierte Multikulti-Science-Fiction-Komödie von Daniel Kwan + Daniel Scheinert, mit 7 Oscars prämiert

 

und hier einen Beitrag über den Film "BlacKkKlansman" - Porträt eines schwarzen Polizisten beim rassistischen Ku-Klux-Klan von Spike Lee.

 

Aus diesem Ansatz hätte man eine schöne Genre-Persiflage machen können. Doch Libii kommt sein sehr didaktisches Konzept in die Quere, das dem erzählerischen Fluss entgegensteht. Ständig wird viel und tiefschürfend geredet; durchaus über gesellschaftlich relevante Themen; etwa, inwieweit der Alltagsrassismus in den USA von Afroamerikanern internalisiert wird. Doch das passt kaum in eine Komödie. Zudem interessiert sich Regisseur Libii offenbar nicht wirklich für seine Figuren; sie gleichen Abziehbildern.

 

Dramaturgisch außer Atem

 

Aren schlurft linkisch durch die Szenerie, Jason ist ein typischer, verquasselter Informatiker-Nerd und Lizzie eine hübsche, für den ganzen Zirkus eigentlich viel zu intelligente junge Frau. Noch eindimensionaler kommen die Geheimbündler daher. Dass man Rassismus-Problematik durchaus mit Kino-Konventionen kreuzen kann, hat etwa Jordan Peele mit seinen Genre-Paraphrasen („Get Out“, 2017) bewiesen; zuletzt in „Nope“ (2022), einem gelungenen Mix aus SciFi- und Westernfilmen.

 

Bei Regisseur Kobi Libii wird aber überdeutlich, dass er eigentlich ein auf kurze Sketche abonnierter comedian ist: Auf Spielfilmlänge gerät er dramaturgisch außer Atem. So ist das Beste an diesem Film der originelle Titel; sein Bemühen um Analyse und Gesellschaftskritik verpufft.