
Das East Village im New York City der späten 1990er-Jahre: Auf engstem Raum prallen Kulturen und Lebensstile aufeinander, die Straßen und Bars sind bei Tag und Nacht gefüllt, und aus der Ferne grüßt das World Trade Center. Hier schlägt sich Hank (Austin Butler) als Barkeeper durch. Früher galt er als Baseball-Wunderkind, heute bleiben ihm nur der Alkohol, der Punkrock von einst und sein immer noch jugendliches Aussehen. Sein Dasein gleicht einer endlosen Party.
Info
Caught Stealing
Regie: Darren Aronofsky,
109 Min., USA 2025;
mit: Austin Butler, Regina King, Zoë Kravitz, Matt Smith
Weitere Informationen zum Film
Kleiner Gefallen mit Folgen
Doch dann gerät er durch einen kleinen Gefallen in einen blutigen Konflikt unter Gangstern. Eigentlich soll er nur für einige Tage die Katze seines Nachbarn Russ (Matt Smith mit Nietenjacke und Irokesenschnitt) hüten. Bevor Hank weiß, wo ihm der Kopf steht, ist dieser gezeichnet von Blessuren – Resultate aus Begegnungen mit plötzlich aus allen Ecken auftauchenden Vertretern des organisierten Verbrechens, darunter Russen, Puerto-Ricanern und orthodoxen Juden.
Offizieller Filmtrailer
Guter Rat zum Überlebenskampf
Egal welcher Herkunft: Seine Gegner erweisen sich schnell als „echte Monster“, wie sie die Polizistin Elise Roman (Regina King) nennt. Um zu bekommen, was sie wollen, gehen sie über Leichen, foltern mit Hingabe und sind bereit, Hank alles zu nehmen, was ihm etwas bedeutet. Dass der keinen Schimmer hat, um was es eigentlich geht, hilft ihm ebenso wenig wie die Staatsgewalt. Detective Roman ist ihm jedenfalls nicht gerade freundlich gesinnt.
„Wenn du vor dem wegläufst, was dir Angst macht, dann beherrscht es dich“, hat Yvonne ihrem Hank noch erklärt, bevor sein Kampf ums Überleben wirklich losgeht. Und während Regisseur Darren Aronofsky zum stampfenden Soundtrack der britischen Postpunk-Band „Idles“ Action und Geschwindigkeit immer weiter steigert, muss sein Protagonist auf die harte Tour lernen, wie Recht sie damit hat.
Aronofskys zugänglichster Film
Vom Regisseur war zuletzt das zäh menschelnde Drama „The Whale“ (2022) zu sehen. Zuvor erwarb er mit Filmen wie „Noah – Das Ende ist erst der Anfang“ (2014) oder „mother!“ (2017) einen Ruf als Spezialist für experimentierfreudige Psycho-Schocker mit Hang zu religiösen Themen. „Caught Stealing“ ist wegen der expliziten Gewalt einerseits schmerzhaft anzusehen, doch zugleich Aronofskys bislang zugänglichstes und unterhaltsamstes Werk.
Er kehrt damit auch zurück zu den eigenen Anfängen. „Caught Stealing“ spielt in der Zeit und an dem Ort, an dem er selbst einst seinen Erstling „Pi“ (1998) über einen paranoiden Mathematiker gedreht hatte. Neben der visuellen und musikalischen Rekonstruktion dieser Zeit greift Aronofsky nun auch erstmals deren prägendsten Kino-Erzählstil auf: Neo-Noir-Thriller mit einer Mischung aus zelebrierter Grausamkeit und Ironie.
Weder neu noch originell
Glücklicherweise rutscht er dabei nicht in episodenhaften Klamauk ab wie Ethan Coen in „Drive-Away Dolls“ (2024). „Caught Stealing“ ist düsterer und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Charlie Huston, der auch das Drehbuch zum Film verfasst hat. Unter den Schichten des allgegenwärtigen Hedonismus kurz vor dem Jahrtausendwechsel gräbt er nach den Kräften, die das Leben von einem Moment zum anderen in die Hölle auf Erden verwandeln können.
Hintergrund
Lesen Sie hier eine Rezension des Films "The Whale" – sensibles Porträt eines 300-Kilo-Mannes von Darren Aronofsky
und hier eine Besprechung des Films "mother!" – alptraumhafter Horrortrip einer Schwangeren von Darren Aronofsky
und hier einen Bericht über den Film "Noah – Das Ende ist erst der Anfang" – eigenwillige Bibel-Verfilmung mit Russell Crowe von Darren Aronofsky
und hier einen Beitrag über den Film "Bikeriders" von Jeff Nichols - Rocker-Drama mit Austin Butler
und hier eine Kritik des Films "Elvis" – Biopic von Baz Luhrmann und Austin Butlers Durchbruch im Kino als "King of Rock'n'Roll".
Trotzdem unterhaltsam
Dennoch erfüllt „Caught Stealing“ Aronofskys eigene Zielvorgaben bestens: Im Interview gibt der Regisseur an, ihn habe beim Machen des Films der Wunsch angetrieben, das Publikum zu unterhalten und zu bannen. Wenigstens für zwei Stunden möchte er so vom Verdruss an der Welt außerhalb des Kinosaals ablenken; er werde heute deutlicher empfunden werde als zur Zeit der Filmhandlung, so Aronofsky.
Das gelingt durch präzise Action, stetig anziehendes Tempo und einem Humor, der tatsächlich aus der Anlage der Charaktere entwickelt wird. Zudem hat Aronofsky mit Austin Butler, Zoë Kravitz und Regina King ein Ensemble versammelt, das sich sehen lassen kann. Butler trat zuvor als Elvis in Baz Luhrmanns gleichnamigen Biopic (2022), als Rocker in „The Bikeriders“ (2023) und als Bösewicht in „Dune: Part Two“ (2024) in Erscheinung.
Veteranen in Nebenrollen
Als Protagonist wider Willen zeigt er immerhin abermals eine neue Facette von sich. Darüber hinaus setzt sich das großartige Casting bis in die Nebenrollen fort: so spielen mit Liev Schreiber und Vincent D’Onofrio zwei Veteranen des amerikanischen Independent-Kinos die jüdisch-orthodoxen Killer – als echte Monster.
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