James Cameron

Avatar: Fire and Ash (3D)

Jake Sully (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldaña). Foto: © 2025 20th Century Studios. All Rights Reserved.
(Kinostart: 17.12.) Rekordjagd, dritter Teil: Mit der Fortsetzung seiner Science-Fiction-Saga über blaue Katzenmenschen übertrifft Regisseur James Cameron abermals sich selbst. Die CGI-Grafik ist noch plastischer, es gibt nun auch indigene Bösewichte – nur die Ökotopie bleibt unverändert.

Ein Weltrekord seit 2009: Mit „Avatar – Aufbruch nach Pandora“, der mehr als 2,9 Milliarden US-Dollar einspielte, schuf James Cameron den bis heute finanziell erfolgreichsten Kinofilm aller Zeiten. Dabei war seine Handlung nicht unvertraut. Sie ähnelte der des Neo-Westerns „Der mit dem Wolf tanzt“ (1990) von Kevin Costner: Ein braver Soldat soll indigene Feinde ausspionieren, wechselt die Seiten und nimmt ihre Lebensweise an.

 

Info

 

Avatar: Fire and Ash (3D)

 

Regie: James Cameron,

195 Min., USA 2025;

mit: Sam Worthington, Zoe Saldaña, Sigourney Weaver, Kate Winslet

 

Weitere Informationen zum Film

 

Allerdings verschob Cameron die im US-amerikanischen Siedler-Mythos so wichtige Grenze auf einen fremden Planeten namens Pandora. Dessen paradiesische Natur entstand vollständig im Computer, ebenso wie die Filmfiguren der dort lebenden Spezies Na’vi: blauhäutige, katzenartige, aufrecht gehende Hünen, doppelt so groß wie die mit Raumschiffen angereisten Erdlinge. Eine Technologie erlaubte dem querschnittsgelähmten Marine-Infanteristen Jake Sully (Sam Worthington), in einen Na’vi-Körper zu schlüpfen und in diesem „Avatar“ zu bleiben.

 

Action-Hektik + braver Plot

 

Mit der Fortsetzung wartete Cameron ab, bis sich seine Vorstellungen technisch umsetzen ließen. „Avatar – The Way of Water“ kam 2022 mit 2,3 Milliarden Dollar Erlös immerhin auf den dritten Platz der Rekordliste. Allerdings wurde bemängelt, dass trotz zahlreicher hektischer 3D-Action-Szenen bis zur Überforderung des Publikums die Geschichte eher brav vor sich hinplätscherte. Auch der Plot von „Fire and Ash“ lässt sich leicht zusammenfassen: Der Kampf geht weiter.

Offizieller Filmtrailer


 

Na’vis sind realistischer als Menschen

 

Jake Sully und seine Patchwork-Familie werden abermals vom fiesen Colonel Quaritch (Stephen Lang) gejagt, der mittlerweile selbst in einem Na’vi-Körper unterwegs ist. Beide finden im Lauf des Films neue Verbündete. Dagegen beeindruckt abermals der visuelle Aufwand, mit dem Cameron das fantastische Ökosystem des Planeten ausbreitet: in Landschaften über und unter der Wasseroberfläche, mit phosphoreszierenden Pflanzen und allem, was auf Pandora kreucht und fleucht – bei gedrosseltem Erzähltempo.

 

Ein Augenschmaus für CGI-Connoisseure: In Nahaufnahmen erscheinen Texturen tiefer und die Welt plastischer. Die Na’vi haben mehr Falten, wirken individueller und ausdrucksstärker. Sie sehen fast realistischer aus als die menschlichen Invasoren mit ihren exzentrischen Mordmaschinen.

 

Pyromanische Luftpiraten als Novität

 

Um diesen Systemgegensatz dreht sich alles: Eine Natur, in der dank des neuronalen Eywa-Netzwerks alles verbunden und miteinander im Einklang ist, wird gestört durch die für dieses Wunder unempfänglichen Menschen, die ihren eigenen Planeten bereits gnadenlos ausgeschlachtet haben. Vermutlich wird es in den zwei bereits geplanten Fortsetzungen zur Entscheidungsschlacht kommen.

 

Wobei es „Fire and Ash“ nicht an Innovationen fehlt; etwa friedlichen Händlern, die in riesigen, aus Körben und Seilen geflochtenen Ballon-Gondeln durch die Luft reisen. Oder einer bösartigen Na’vi-Fraktion unter Führung ihrer Schamanin Varang (Oona Chaplin): Die pyromanischen Luftpiraten werden für ein paar Gewehre zu Gefolgsleuten des Colonel.

 

Planet als heimlicher Hauptdarsteller

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Avatar: The Way of Water" - Blockbuster-Fortsetzung aus 2009 von James Cameron

 

und hier eine Besprechung des Films "Alita - Battle Angel" - SciFi-Manga-Adaption von Robert Rodriguez, produziert von James Cameron

 

und hier einen Beitrag über den Film "Arrival" - faszinierend intelligenter SciFi-Psychothriller über Kommunikation mit Außerirdischen von Denis Villeneuve mit Amy Adams.

 

Dabei sieht die Diabolische blendend aus: Oona Chaplin nutzt tänzerisch und mimisch das performance-capture-Verfahren voll aus, das menschliche Bewegungen mit computergenerierten Bildern verkleidet. Dagegen ist Kate Winslet in ihrer digitalen Maske kaum wiederzuerkennen. Der eigentliche Held Jake Sully wird immer langweiliger; Stephen Lang als bärbeißiger Colonel könnte sich jedoch in kommenden Filmen vom Saulus zum Paulus mausern.

 

Der heimliche Hauptdarsteller aber ist und bleibt der Planet selbst. Auf Pandora hängt wie in einem riesigen Organismus alles mit allem zusammen – als Metapher für die gute alte Erde, die sich davon kaum unterscheidet. Das neuronale Eywa-Netzwerk ist teils an die Vorstellungen animistischer Religionen, teils an die Forschung zu Baumwurzel- und Pilzgeflechten angelehnt.

 

Idyllische Anti-Evolutionstheorie

 

Wobei manches sehr idyllisch gezeichnet wird: etwa das Ökosystem von Pandora als Antithese zu Darwins Evolutionstheorie – mit Betonung von Koexistenz und symbiotischen Verhältnissen anstelle von Konkurrenz und Verdrängung.