Noomi Rapace

Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten

Kann Schwester Agnieszka (Sylvia Hoeks, rechts) eine mögliche Nachfolgerin für Teresa (Noomi Rapace) als Oberin beim Orden der “Schwestern von Loreto“ sein? Foto: Vuelta Germany
(Kino-Start: 4.12.) Per aspera ad astra: Mit Armenpflege in Kalkutta wurde Mutter Teresa zur berühmtesten katholischen Ordensschwester der Welt. An der Heiligenlegende strickt Regisseurin Teona Strugar Mitevska zwar nicht mit; ihr Biopic klammert aber Kritik an der Wohltätigkeits-Praxis aus.

Die einen sehen in ihr eine Heilige, andere eine korrupte Demagogin: Mutter Teresa, die 1910 im heutigen Skopje in Nordmazedonien geboren wurde, war bis zu ihrem Tod 1997 eine umstrittene Persönlichkeit. Doch eine umfassende, bestenfalls kritische Filmbiographie über sie gab es bislang nicht. Jetzt beleuchtet Teona Strugar Mitevska zumindest einen Teil ihrer Vita – mit zwiespältigem Ergebnis.

 

Info

 

Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten

 

Regie: Teona Strugar Mitevska,

103 Min., Mazedonien/ Belgien 2025;

mit: Noomi Rapace, Sylvia Hoeks, Nikola Ristanovski 

 

Weitere Informationen zum Film

 

Die Regisseurin, die auch das Drehbuch schrieb, stammt ebenfalls aus der nordmazedonischen Hauptstadt. Daher sei Mutter Teresa Teil ihrer kulturellen Identität, sagt sie. Obgleich die wohl berühmteste katholische Ordensschwester ihre Heimat bereits mit 18 Jahren verließ: In Irland schloss sie sich dem Orden der Loreto-Schwestern an, anschließend ging sie als Novizin nach Indien.

 

Papst soll Ordensgründung erlauben

 

Die Filmhandlung beschränkt sich auf nur eine Woche im Leben der ungewöhnlichen Missionarin. 1948 wartet die Oberin eines Klosters in Kalkutta, inzwischen indische Staatsbürgerin, unruhig auf einen Brief aus dem Vatikan. Sie hat Papst Pius XII. um Erlaubnis gebeten, den Konvent zu verlassen, um ihren eigenen Orden zu gründen – jeden Moment könnte die Antwort eintreffen.

Offizieller Filmtrailer


 

Potenzielle Nachfolgerin ist schwanger

 

Noch trägt sie ihre Nonnentracht und erfüllt ihre Pflichten im Kloster. Doch sie fühlt sich von seinen Mauern nicht nur räumlich eingeengt. „Ich bin eine Frau in einem von Männern geführten System“, beklagt sie sich beim mitfühlenden Pater Friedrich (Nikola Ristanovski), ihrem engsten Vertrauten.

 

Nachts zieht Teresa durch die Slums von Kalkutta und kümmert sich selbstlos um Arme, Kranke und Sterbende. Tagsüber führt sie die ihr unterstehende Schwesternschaft mit mütterlicher Strenge und religiöser Anleitung – bis ihre potenzielle Nachfolgerin Schwester Agnieszka (Sylvia Hoeks) ihr gesteht, dass sie schwanger ist, und damit Teresas Glauben auf die Probe stellt.

 

Bräute Christi tanzen zu Heavy Metal

 

Dieses Ereignis betrachtet Mitevska als Wendepunkt in Mutter Teresas Leben und ihrer persönlichen Einstellung zu Gott. Aus Interviews, die sie für eine TV-Dokumentation mit Zeitzeuginnen führte, hat sie Passagen für Dialoge im Film übernommen, erklärt die Regisseurin. Das mag der Grund sein, dass einzelne Sätze darin etwas seltsam klingen. So etwa, wenn Teresa sich über das Verhalten von Schwester Agnieszka empört: „Ich würde nie meine Mission für irdische Vergnügen gefährden“, mahnt sie übertrieben pathetisch.

 

Noomi Rapace überspielt solche Drehbuch-Schwächen mit kraftvoller, charismatischer Präsenz. Die Hauptdarstellerin bezeichnet den Film als „Punkrock“-Neuinterpretation der Heiligen. In Bezug auf die Filmmusik übertreibt sie damit nicht: Den Soundtrack prägen dröhnende Gitarrenriffs oder Elektroklänge. Das gipfelt in einer surrealen Traumsequenz, in der die Bräute Christi nachts zu hartem Heavy Metal auf einem Treppenabsatz im Kloster tanzen.

 

Taufe war wichtiger als Hilfe

 

Lauten Hardrock aufjaulen zu lassen, trägt jedoch nicht zur differenzierten Betrachtung einer so widersprüchlichen Persönlichkeit wie Mutter Teresa bei. Während Regisseurin Mitevska sich auf ihre innere Zerissenheit und Frustration durch das in der Kirche herrschende Patriarchat konzentriert, bleibt die Kritik außen vor, die vielfach an ihrer vermeintlich altruistischen Motivation geäußert worden ist.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Gott existiert, ihr Name ist Petrunya" – originelle feministische Klerikal-Tragikomödie von Teona Strugar Mitevska

 

und hier eine Besprechung des Films "Die Gesandte des Papstes" – solides Biopic über eine italienische Ordensschwester, die um 1900 in den USA etliche Sozialeinrichtungen gründete, von Alejandro Monteverde

 

und hier einen Beitrag über den Film "Ida"  – brilliantes Drama über eine jüdische Nonne in Polen von Pawel Pawlikowski

 

und hier einen Bericht über den Film "Die Nonne"Klerikal-Historiendrama von Guillaume Nicloux nach dem Romanklassiker von Denis Diderot.

 

Aber sie drängt sich auf: Gerade in Indien hält sich bei aller Wertschätzung bis heute hartnäckig der Verdacht, dass die Vorzeige-Katholikin Kalkuttas Bedürftige vor allem zum christlichen Glauben bekehren wollte. In ihren Ordenshäusern hätten teils miserable Unterbringung und Versorgung geherrscht, heißt es. Zudem wird im Westen oft Skepsis über den Umgang mit Spendengeldern laut, die weiterhin auf die Konten des Ordens „Missionarinnen der Nächstenliebe“ fließen, den Mutter Teresa 1950 gegründet hat.

 

Abtreibung gefährdet Gründungsplan

 

Mitevska geht solchen Vorwürfen kaum nach. Stattdessen beschäftigt sich ihr Film allein mit dem Frauen- bzw. Mutterbild der Missionarin am Beispiel des Konflikts zwischen Agnieszka und Teresa: Für letztere ist die Schwangerschaft ihrer Mitschwester nicht nur eine schwere Sünde, sondern auch eine bittere Enttäuschung.

 

Sie rät der Betroffenen zunächst, den Konvent zu verlassen. Dass Agnieszka lieber bleiben und abtreiben will, empört die Vorgesetzte nur noch mehr. Gleichzeitig sieht Teresa in dem Zwischenfall eine potenzielle Gefahr für ihr geplantes Vorhaben einer eigenen Ordensgründung. Eines Nachts nimmt die verzweifelte Agnieszka ihr Schicksal selbst in die Hand.

 

Heilig seit 2016

 

Dagegen zeigt sich Mutter Teresa weniger standfest. Während der siebentägige Countdown heruntergezählt wird, weicht sie im Zweifel über die richtige Lösung immer wieder vom Pfad der Tugend ab, nur um sich anschließend erneut ihrer Pflicht gegenüber Gott zu besinnen. Dazu passt, dass Mitevskas Protagonistin im Film stellenweise eitel, stolz und durchaus unsympathisch erscheint. Und doch: 2016 wurde sie heilig gesprochen.