
Als Schauspieler ist Joachim Meyerhoff auf den Bühnen großer Theater erfolgreich. Er führt aber auch selbst Regie, und vor allem schreibt er erfolgreich autobiografische Bücher. Sein Roman „Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war“ wurde bereits 2023 unter der Regie von Sonja Heiss verfilmt. Er erzählte die Kindheitsgeschichte von Joachim, der in einem Haus auf dem Gelände einer Psychiatrie aufwuchs, in der sein Vater als Psychiater arbeitete.
Info
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Regie: Simon Verhoeven,
137 Min., Deutschland 2025;
mit: Bruno Alexander, Senta Berger, Michael Wittenborn
Weitere Informationen zum Film
Zweifel am Talent des Enkels
Er zieht dafür bei seinen Großeltern in München ein, dem emeritierten Philosophie-Professor Hermann (Michael Wittenborn) und der einst erfolgreichen Schauspielerin Inge (Senta Berger). Beide haben Zweifel, ob der Enkel für den Beruf geeignet ist. Der ist selbst überrascht, als er von der renommierten Otto-Falckenberg-Schule angenommen wird. Damit beginnt für den 20-jährigen der mitunter skurril anmutende Ernst des Lebens, denn Joachim hat beständig mit unvorhergesehenen Herausforderungen zu kämpfen. Sein größter Feind scheint dabei er selbst zu sein.
Offizieller Filmtrailer
Vertraut mit dem Münchner Künstler-Milieu
Regisseur Simon Verhoeven ist seit seinem Film „Männerherzen“ (2009) auf Komödien spezialisiert. Als Sohn von Senta Berger und dem Regisseur, Autoren und Schauspieler Michael Verhoeven ist er zudem auch bestens mit dem Münchner Künstler-Milieu vertraut, das er sehr genau, aber auch mit dem nötigen objektiven Abstand abbildet: Die Kamera folgt Joachims amüsiertem Blick auf die morgendlichen Gurgelrituale im Haus der Großeltern und registriert ihren abendlichen Wein- und Schnapskonsum beim Klassikplattenhören.
Joachim ist befremdet, aber er macht sich nie darüber lustig. Er fühlt sich sicher in diesem Haus, das er seit Kindertagen kennt. Inge nennt ihn exzentrisch „Liebeling“ und hat immer noch eine divenhafte Attitüde. Es herrscht eine warme, herzliche Atmosphäre, ganz anders als in seinem nüchternen Elternhaus.
Innere Widerstände in der Schauspielschule
An der Schauspielschule fühlt sich Joachim derweil deplatziert. Die Aufnahmeprüfung hat er nur bestanden, weil er zufällig die zum vorgetragenen Text passende Emotion empfand und sie im richtigen Moment zeigte. Im folgenden Probejahr gelingt ihm das nicht noch einmal. Während seine Kommilitonen sich auf Befehl in Kreaturen verwandeln, mit Hingabe auf dem Boden herumrollen oder lauthals singen können, kann er sich nicht auf diese Methode einlassen.
Er widersetzt sich den meisten, ihm albern erscheinenden Übungen So lustvoll wie ironisch inszeniert, erinnern sie an den Film „Fame – Der Weg zum Ruhm“ (1980) über Studenten der New Yorker Schule für darstellende Künste. Auch den deutschen Darstellern ist der Spaß beim Spielen dieser Szenen anzusehen. Nur der blonde Joachim würde, obwohl er alle anderen überragt, am liebsten in der Menge verschwinden. Eine kleine Rolle in einem Film mit der Großmutter bringt ebenfalls nicht den erwarteten Erfolg.
Loslassen lernen
Hintergrund
Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Girl you know it's true" – Skandalchronik über das Discopop-Duo “Milli Vanilli” von Simon Verhoeven
und hier eine Besprechung des Films "Forever Young" – launige Jugenderinnerungen aus der Schauspielschule von Valeria Bruni Tedeschi
und hier einen Beitrag über den Film "Wunderschöner" – Fortsetzung des Beziehungskrisen-Kassenschlagers von und mit Karoline Herfurth.
Seine Entwicklung dorthin verfolgt der Film mit liebevoller Empathie und zeichnet dabei ein detailliertes Sittenbild eines speziellen Teils der bundesrepublikanischen Gesellschaft Ende der 1980er Jahre. Der Film bleibt allerdings konsequent bei der persönlichen Perspektive des jungen Mannes, begleitet vom rückblickenden Kommentar des echten Joachim Meyerhoff.
Lektionen mit Augenzwinkern
Erst das Anerkennen der anhaltenden Trauer um seinen toten Bruder befreit den jungen Protagonisten von seinen Ängsten und lässt ihn wieder Lebensfreude empfinden, ganz im Sinne der Großeltern und ihres Lieblingslieds: „Froh zu sein bedarf es wenig“. Das ist die universelle Erkenntnis dieser warmherzig und mit viel augenzwinkernden Humor erzählten Geschichte von der Suche nach dem eigenen Platz im Leben.
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