Margot Robbie

Wuthering Heights – Sturmhöhe

Heathcliff (Jakob Elordi) und Catherine Earnshaw (Margot Robbie) verbunden in einer verbotenen Liebe. Foto: Warner Bros. Picture
(Kinostart: 12.2.) Anti-Barbie trifft Anti-Ken: In ihrer Adaption des Romanklassikers von Emily Brontë sucht Regisseurin Emerald Fennell den Schrecken nicht im Übersinnlichen, sondern im Kern einer toxischen Beziehung. In schrillen Kulissen spukt ein stiller Kommentar zur Janusköpfigkeit der Liebe.

Emily Brontë, die jüngste der drei schreibenden Schwestern Brontë, veröffentlichte 1847 ihren einzigen Roman unter männlichem Pseudonym. „Wuthering Heights“ (auf Deutsch: „Sturmhöhe“) gilt heute als Klassiker der viktorianischen Literatur samt „Gothic-“, also Spuk- und Schauer-Elementen. Erzählt wird die so stürmische wie zerstörerische Liebesgeschichte zwischen Catherine Earnshaw, der Tochter eines verarmten Gutsbesitzers, und dem Findelkind Heathcliff.

 

Info

 

Wuthering Heights – Sturmhöhe

 

Regie: Emerald Fennell,

136 Min., Großbritannien/ USA 2026;

mit: Margot Robbie, Jacob Elordi, Hong Chau, Shazad Latif

 

Weitere Informationen zum Film

 

Sie sind einander seit ihrer Kindheit tief verbunden, bleiben aber zeitlebens getrennt durch Standesunterschiede und ihrer beider stürmisches Temperament. Knapp zwei Dutzend Mal wurde das Buch seit 1920 bereits für das Kino verfilmt. Die jüngste Adaption stammt von der britischen Regisseurin Emerald Fennell, die ihre Karriere als Schauspielerin begann und erfolgreich ins Regiefach wechselte. Mit „Promising Young Women“ (2020) und „Saltburn“ (2023, nur auf Amazon Prime) traf sie vor allem den Nerv eines jungen Publikums.

 

Die erste Romanhälfte ist genug

 

Wie die meisten Leinwand-Adaptionen des in drei Generationen spielenden Romans beschränkt sich auch ihre auf den ersten Teil und endet mit Catherines Tod. Heathcliffs folgender Rachfeldzug gegen ihre Familie und seine Heimsuchung durch ihren Geist wird ausgespart, ebenso wie Nebenfiguren wie Catherines Bruder Hindley, dem ein Großteil von Heathcliffs Rache gilt.

Offizieller Filmtrailer


 

Zwei vom selben Schlage

 

Außerdem wird die umständliche Erzählweise des Romans zugunsten einer linearen Geschichte begradigt. Im Mittelpunkt steht die Beziehung zwischen Catherine und Heathcliff seit ihrer Kindheit. Sie sind zweifellos vom gleichen Schlag, was an den Streichen zu erkennen ist, die sie einander spielen. Bis zum Ende wird es ihnen darum gehen, einander eins auszuwischen.

 

In diesen Machtspielen hat Catherine aufgrund ihrer Herkunft lange Zeit die Oberhand. Ihr trunksüchtiger, unfähiger, aber gutherziger Vater hat Heathcliff spontan adoptiert. Im Roman wird der Junge ethnisch ambivalent beschrieben: er hat dunkle Augen und Haare, ist aber auch als Erwachsener noch leichenblass. Die jahrzehntelange Spekulationen, ob das nun auf eine karibische oder indische Herkunft schließen lässt, wird mit der Besetzung durch Jacob Elordi souverän ignoriert.

 

Wenig Chemie zwischen Robbie + Elordi

 

Elordi, der bereits in „Saltburn“ unter Fennells Regie spielte, sieht aus, wie ein viktorianischer Leser sich Heathcliff wohl vorgestellt hätte – oder eine Leserin. Daran, dass im Yorkshire jener Tage nicht alle Menschen weiß waren, erinnert die Hausbedienstete Nelly (Hong Chau) von Catherine (Margot Robbie).

 

Auch in verschlankter Form braucht das Drama immer noch einige Zeit, um sich aufzutürmen wie Wolken über dem Moor. Es nimmt Fahrt auf, als Catherine den wohlhabenden Nachbarn Linton (Shazad Latif) heiratet und schwanger wird, verzichtet dabei aber auf billige Schocks. Und obwohl die behauptete Anziehungskraft zwischen Robbie und Elordi offenbar im Schnitt oder unter Kostümen verloren gegangen ist, tragen beide Hauptdarsteller den Film bis zum exklusiv abgründigen Finale.

 

Prägnant-penetranter Look

 

Ästhetisch erweist sich die Romanverfilmung dagegen als eine düstere und leicht übergeschnappte Gegenwelt zum blockbuster „Barbie“, an dem sowohl Fennell wie Hauptdarstellerin Margot Robbie mitgewirkt haben. Nicht nur weil Barbie und Ken sich in der Beziehung zwischen Cathy und Heathcliff düster spiegeln, sondern im prägnanten und mitunter penetranten Look des Films.

 

Wie gewohnt spielt die Geschichte in der Hügellandschaft von Yorkshire. Doch die schroffe Schönheit der Hochmoore und zerfurchten Felsen scheint eine vor Ideen berstende Ausstattungs-Abteilung nicht überzeugt zu haben. So verteilte man zusätzliche, obsidianfarbene Monolithen und expressionistisch gekrümmte Bauten in der Landschaft, die nun an die Hüllen von Progressive-Rock-Schallplatten aus den 1970er-Jahren erinnert. Das Gutshaus Wuthering Heights ist ein schwarz gekachelter Alptraum mit trostlosen Räumen, Lintons Anwesen Thrushcross Grange ein surrealistischer Tempel des Wohlstands.

 

Austattungs-Wahnsinn mit Methode

 

Seine Innenräume sind eine Massenkarambolage des schlechten Geschmacks, mit Stil-Anleihen bei Avantgardisten von Salvador Dalí über Walt Disney bis Donald Trump. Ein Saal mit blutrotem Fußboden sieht aus, als könnte Stanley Kubrick hier „Alice im Wunderland“ verfilmen, das Kaminzimmer erinnert an die Filme von Alejandro Jodorowsky. Ein dritter Raum könnte Schauplatz eines Videos der Musikerin Charli xcx sein, deren Songs für entsprechende Anachronismen auf der Tonspur sorgen. 

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Emily" – gelungenes Film-Portät der Dichterin Emily Brontë von Frances O'Connor

 

und hier einen Bericht über den Film "Promising Young Woman" – nuanciertes Rache-Drama gegen übergriffige Männer von Emerald Fennell mit Carey Mulligan

 

und hier eine Besprechung des Films "Jane Eyre"  – atmosphärisch dichte Verfilmung des Roman-Klassikers von Charlotte Brontë mit Judi Dench

 

und hier einen Beitrag über den Film "Barbie" – satirische Hommage an die berühmteste Puppe der Welt von Greta Gerwig mit Margot Robbie.

 

Das ist mitunter so schrill wie zwanghaft originell, bewusst ahistorisch und zutiefst inkohärent. Viele wahrhaft schöne Einstellungen gehen im Bildertaumel fast unter. Der klassische Anblick eines regennassen Heathcliff vor unverstellter Landschaft bleibt ein rares Vergnügen. Weniger wäre hier durchaus mehr gewesen, aber es entspricht den abgründigen Themen des Romans: eine schwelgerisch-symbiotische Beziehung, Sadomasochismus, Abhängigkeit, Wahnsinn, Selbstzerstörung. Regisseurin Fennell geht keinem davon aus dem Weg.

 

Toxischer Tango

 

Im Gegenteil: Was jahrzehntelang aus Sittlichkeitsgründen angedeutet blieb, bricht sich hier mit voller Wucht Bahn, auch wenn es auf Kosten historischer Genauigkeit geht. Dass der damalige Landadel sich BDSM-Spiele von der Dienerschaft abgeguckt hat, ist jedenfalls eine steile These. Doch was den Roman von Beginn an so beunruhigend machte, tritt nun endgültig hervor.

 

Es ist nicht Catherines 20 Jahre ums Haus spukender Geist, sondern der Umstand, dass es keine sympathischen Charaktere gibt – zudem sind die Liebenden durch eine Leidenschaft miteinander verbunden sind, an der ihr gesamtes Umfeld zugrunde geht. Alles, was sie tun, ist vom Wunsch getrieben, dem anderen seinen Platz zuzuweisen. Toxischer geht’s nicht; zu so einem Höllentango gehören eben zwei.