
Lorenz „Larry“ Milton Heart (1895-1943) war einer der erfolgreichsten Musical-Texter der 1920/30er Jahre. Seine Glanzzeit liegt jedoch bereits hinter ihm, als das Broadway-Stück „Oklahoma!“ am 31. März 1943 seine Premiere feiert. Der Abend verlangt Hart einiges ab: Dieses Musical hat sein langjähriger Partner, der Komponist Richard Rodgers (Andrew Scott), gemeinsam mit einem neuen Liedtexter verfasst. Daher verlässt Hart die Premiere vorzeitig, um sich in der Bar, in der später die Premierenfeier stattfinden wird, schon mal einen Drink zu genehmigen.
Info
Blue Moon
Regie: Richard Linklater,
100 Min., USA/ Irland 2025;
mit: Ethan Hawke, Andrew Scott, Margaret Qualley, Bobby Cannavale
Weitere Informationen zum Film
Porträt einer Karriere im Niedergang
Von zwei Prolog-Szenen abgesehen, spielt der gesamte Film im Inneren der Bar. Anfangs mit Harts Monologen, später durch seine Gespräche mit anderen entfaltet Regisseur Richard Linklater das Porträt eines Mannes, dessen Karriere im Niedergang begriffen ist. Die quasi theaterhafte Inszenierung zeichnet den Abend in Echtzeit nach; zudem ist die Handlung in zwei Akte aufgeteilt.
Offizieller Filmtrailer
Briefwechsel als Quelle für Drehbuch
Zunächst gehört die Bühne ganz dem bekannten songwriter, der sein Zwei-Mann-Publikum aus Barkeeper und Pianist mit Bonmots, Anekdoten und Zoten unterhält – vor allem über seinen neuen Schwarm Elizabeth Weiland (Magaret Qualley). Die Studentin strebt ebenfalls eine Karriere im Musical-Business an. Hart korrespondiert mit ihr; dieser historische Briefwechsel war eine der Quellen für Drehbuch-Autor Robert Kaplow.
Als nach Ende der Aufführung die Premieren-Gesellschaft eintrifft und zum Séparée durchrauscht, umgarnt der schon angesäuselte Hart auch Richard Rodgers und will ihn zur erneuten Zusammenarbeit überreden. Kurz darauf entdeckt Hart dann Elizabeth; er will sie zu einer nächtlichen Privatparty überreden. In dieser Rolle läuft Ethan Hawke zu Hochform auf: Wie seinem Texter von der traurigen Gestalt im Laufe des Abends zusehends die Kontrolle über sein Auftreten entgleitet, ist faszinierend mit anzusehen.
Omnisexuell im Hotel Mama
Man kennt das: wenn ein eigentlich netter Gesprächspartner dazu neigt, unter Alkoholeinfluss etwas aufdringlich zu werden und das Gespür für die Situation zu verlieren. Das gelingt Ethan Hawke absolut treffsicher. Freilich muss das Publikum über seine angeschminkte, überkämmte Halbglatze und eine mit CGI simulierte Kleinwüchsigkeit hinwegsehen; damit ähnelt Hawke zwar körperlich der Physiognomie von Hart, aber solche Äußerlichkeiten lenken von der Tragik seines Werdegangs ab.
Wie Barkeeper Eddie in einem Nebensatz andeutet, war Lorenz Hart – zumindest latent – homosexuell, womit er zu kämpfen hatte: „Gleichgeschlechtliche Handlungen“ waren damals strafbar. Insofern ist sein Schwärmen für die Studentin Elizabeth schon eigenwillig. Nonchalant wischt Hart das mit der Bemerkung beiseite, er sei omnisexuell. Wohl im Geiste: Der Junggeselle lebte Zeit seines Lebens mit seiner verwitweten Mutter zusammen.
Langer Atem von Richard Linklater
Daher sind auch die beiden Prolog-Szenen bezeichnend für Harts Leben. Zu Filmbeginn ist zu sehen, wie Lorenz Hart in einer verregneten Gasse stürzt, während eine Radiostimme seinen Nachruf verliest. Dann springt die Handlung einige Monate zurück zum Premierenabend am 31. März; der Texter lässt seine Mutter in der Theaterloge zurück, um in die Bar zu gehen. Dort erschließt sich alles Weitere.
Hintergrund
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und hier einen Bericht über den Film "Born to be Blue" - grandioses Biopic über den Jazz-Trompeter Chet Baker von Robert Budreau mit Ethan Hawke
und hier einen Bericht über den Film "Before Midnight" über eine unendliche Liebesgeschichte von Richard Linklater mit Ethan Hawke.
Hawke war als Chet Baker sympatischer
Das Musical-Songwriter-Team Rodgers und Hart war übrigens so populär, dass ihr Wirken bereits kurz nach Harts Tod verfilmt wurde. In „Words and Music“ (1948 ) schlüpfte Mickey Rooney in die glattgebügelte Rolle des Texters im Rahmen einer starbesetzten Nummern-Revue. Dagegen kommt Ethan Hawke in „Blue Moon“ der widersprüchlichen Persönlichkeit des wortgewandten Liedtexters wesentlich näher.
Damit wirkt er nicht immer sympathisch – und keineswegs so anziehend wie seine kongeniale Verkörperung des Jazz-Trompeters Chet Baker in „Born to be Blue“ (2015). Seinerzeit war Hawke ähnlich alt wie Lorenz Hart in seinem Todesjahr, aber längst nicht so authentisch verlebt wie jener. Nun erscheint er reif genug für diese Rolle.
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