Ryan Gosling + Sandra Hüller

Der Astronaut – Project Hail Mary

Ryland Grace (Ryan Gosling) findet sich nach seinem künstlichen Koma in einem Raumschiff wieder. Foto © 2025 Amazon Content Services LLC.
(Kinostart: 19.3.) Weltuntergang einmal anders: Licht fressende Bakterien bedrohen die Sonne und damit die Erde. Das weiß Ryan Gosling zu verhindern – als einsamer Astronaut, der mit einem Alien aus Stein kooperiert. Eine optimistisch stimmende SciFi-Komödie der Regisseure Phil Lord und Christoper Miller.

Nicht Superman soll die Welt retten, sondern ein ganz normaler Mittelschullehrer – der allerdings eigentlich Molekularbiologe ist. Seine Mission wird zu Beginn des Films dadurch erschwert, dass er keine Erinnerung hat, als er nach zehn Jahren im künstlichen Koma irgendwo im Weltraum aufwacht. Erst allmählich stellt sich bei Ryland Grace (Ryan Gosling) und auch beim Publikum die Orientierung ein.

 

Info

 

Der Astronaut – Project Hail Mary

 

Regie: Phil Lord + Christopher Miller,

156 Min., USA 2026;

mit: Ryan Gosling, Sandra Hüller, Lionel Boyce, Ken Leung 

 

Weitere Informationen zum Film

 

Mit kaum einem Schauspieler würde das Publikum wohl lieber auf Weltrettungs-Exkursion gehen als mit Superstar Ryan Gosling. Was daran liegen dürfte, dass er wie ein netter Typ von nebenan wirkt und zugleich das glaubhafte Bemühen ausstrahlt, Lösungen für existentielle Probleme zu finden – überdies hat er auch noch Humor. Den braucht er auch, denn er ist fast 114 Lichtjahre von der Erde entfernt.

 

Nachfolger des „Marsianers“

 

Im Grunde variiert „Der Astronaut – Project Hail Mary“ die Erfolgsformel der Science-Fiction-Robinsonade „Der Marsianer – Rettet Mark Watney“, die Regisseur Ridley Scott 2015 drehte. Beide Filme beruhen auf Bestseller-Romanen von Andy Weir, beide Adaptionen sind vom selben Drehbuchschreiber. Während vor einer Dekade Matt Damon als Mark Watney mit Improvisation und Humor auf dem Mars überleben musste, soll nun Ryan Gosling mit einem Alien-Kumpel und ähnlichen Bordmitteln die Welt retten.

Offizieller Filmtrailer


 

Himmelfahrt zum resistenten Planeten

 

Denn es steht schlecht um die Menschheit. Die Sonne droht zu sterben, und mit ihr die Erde und deren Bewohner. Ursache dafür ist eine außerirdische Lebensform aus winzigen Bakterien; diese mysteriöse Substanz wird von Grace „Astrophagen“ genannt. Die Licht fressenden Zellen entpuppen sich allerdings auch als brauchbarer Weltraumtreibstoff.

 

Der wiederum ist nötig: In einem weit entfernten Sonnensystem haben Forscher nicht nur das gleiche Zerstörungswerk der Parasiten entdeckt, sondern auch einen Planeten, der gegen die Astrophagen offenbar resistent ist. Nur weiß niemand, warum. Also wird ein Himmelfahrts-Kommando dorthin geschickt, um jenen Planeten zu untersuchen und hoffentlich per Sonde eine Lösung zurückzusenden, wie die Erde überleben könnte. An Bord sind drei Raumfahrer, Ryland Grace ist der Wissenschaftler unter ihnen – und am Ziel der einzige Überlebende.

 

Augenlos, spinnenförmig + aus Stein

 

Nun versucht er, das fatale Phänomen zusammen mit einem Außerirdischen zu untersuchen. Dieser ist ein Ingenieur vom Planeten Eridan, was man ihm nicht sofort ansieht: Das Wesen ist augenlos, spinnenförmig und aus Stein. Das felsige Alien hat seinerseits als einziges eine andere Weltraum-Mission mit dem gleichen Zweck überlebt – die Welt zu retten, aus der es stammt. Dummerweise wird das Miteinander der beiden Einzelgänger dadurch erschwert, dass ihre Lebensbedingungen nicht kompatibel sind. Dennoch kommen sie gemeinsam voran und freunden sich auch miteinander an.

 

Dabei erzählt der Film effizient, aber auch handwerklich schablonenhaft auf zwei Zeitebenen von zwei Begegnungen, die das Leben des Lehrers prägen und miteinander kontrastieren: im All eine Zusammenarbeit, die zu Empathie und Freundschaft führt – dagegen auf Erden eine berufliche Beziehung, die von Nützlichkeits-Erwägungen geprägt ist.

 

Außerirdischer wird zum Maskottchen

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Aufbruch zum Mond" – mitreißendes Weltraum-Drama über die Apollo-11-Mission von Damien Chazelle mit Ryan Gosling

 

und hier eine Besprechung des Films "Mickey 17" – ausgefeilt turbulente SciFi-Parabel von Bong-Joon Ho mit Robert Pattinson als dauersterbendem Hilfs-Astronauten

 

und hier einen Bericht über den Film "Arrival" – fesselnder Sci-Fi-Psychothriller über intergalaktische Kommunikation von Denis Villeneuve

 

und hier einen Beitrag über den Film "Der Marsianer – Rettet Mark Watney" – monumentale Robinsonade auf dem Mars mit Matt Damon von Ridley Scott.

 

Grace wurde nämlich für seine Mission von Eva Stratt (Sandra Hüller) ausgewählt, der resoluten Leiterin der Task Force der Raumfahrtagentur. Sie bildet mit ihrem fast zynischen Pragmatismus einen klassischen Gegenpart zu Ryland Grace. Die Szenen, in denen beide aufeinander treffen, sorgen für einen rasanten Schlagabtausch.

 

An seinem Lichtjahre entfernten Einsatzort hat der Ex-Lehrer stattdessen einen echten Gefährten beim Versuch der Weltrettung. Die Freundschaft der beiden trägt den Film, gleitet aber bisweilen in Kitsch ab. Da gibt es immer wieder sehr anthropozentrische Momente, in denen der intelligente Außerirdische zum Maskottchen verkommt – andererseits aber auch ganz anrührende und amüsante Aspekte.

 

Keine Angst vor Bedrohung aus dem All

 

Wobei der gut gelaunte Erzählton von Anfang an die Hoffnung verbreitet, das Problem lasse sich bewältigen. Solch Optimismus mag beruhigen – auch und gerade, weil die Ursache des Planetensterbens nicht menschengemacht ist, sondern eine Bedrohung aus dem All. Zudem ist dieser Eskapismus durchaus unterhaltsam, vor allem durch bildgewaltige CGI-Schauwerte und eine omnipräsente Identifikationsfigur. Wie man aber auf richtige Weise Kontakt mit Außerirdischen aufnimmt – darüber erfährt man wenig.