Bradley Cooper

Is This Thing On?

Tess (Laura Dern) und Alex (Will Arnett) leben getrennt voneinander, verstehen sich aber gut. Foto: © 2025 Searchlight Pictures
(Kinostart: 19.3.) Stand-up als Paartherapie: In der Tragikomödie von Bradley Cooper spielt Will Arnett einen Ex-Gatten, der seine gescheiterte Ehe mit Auftritten in einem Comedy-Club verarbeitet. Die auf die Hauptfigur und ihr neues Hobby fixierte Inszenierung lädt jedoch nicht gerade zum Mitfühlen ein.

Über gescheiterte Ehen gibt es etliche Filme. Zu den Klassikern zählen Ingmar Bergmans „Szenen einer Ehe“ (1973), Robert Bentons „Kramer gegen Kramer“ (1979) und Danny DeVitos „Der Rosenkrieg“ (1989) – im letzten Jahr wurde darüber ein britisches Remake gedreht: „Die Rosenschlacht“ von „Borat“-Regisseur Jay Roach mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle. Auch im neuen Film des Schauspielers und Regisseurs Bradley Cooper geht es um das Ende einer siechen Ehe.

 

Info

 

Is This Thing On?

 

Regie: Bradley Cooper,

144 Min., USA 2025;

mit: Will Arnett, Laura Dern, Andra Day, Ciarán Hinds, Amy Sedaris

 

Weitere Informationen zum Film

 

Alex (Will Arnett) ist bereits ausgezogen und wohnt in einem nüchtern eingerichteten Apartment in der Stadt, während Gattin Tess (Laura Dern) mit den zehnjährigen Zwillingsjungen im gemütlichen Vorstadthaus bleibt. Als Paar treten sie nur noch bei feuchtfröhlichen Abenden mit Freunden auf, die ihre eigenen Probleme haben.

 

In Haschkeks-Laune auf die Comedy-Bühne

 

Nach einem dieser Feste will Alex noch nicht allein nach Hause gehen. Zufällig macht er Halt vor einem Comedy-Club, hat aber kein Geld für den Eintritt. Da er nach Genuss eines Haschkekses gelöster Stimmung ist, lässt er sich aus einer Laune heraus auf die Open-Stage-Liste setzen und steht kurze Zeit später auf der Bühne.

Offizieller Filmtrailer


 

Britischer Komiker als Inspiration

 

Nach kurzer Scheu berichtet er von seiner Trennung und seinen Gefühlen, und zu seinem eigenen Erstaunen hört ihm das Publikum aufmerksam zu; es reagiert sogar wohlwollend, wenn er in Gestammel verfällt. Nach diesem Abend findet Alex Gefallen an der Sache und breitet fortan sein depressives Seelenleben an etlichen Abenden vor Publikum aus. Tess und seinen Freunden erzählt er aber von seinem neuen Hobby als Stand-up-Comedian zunächst nichts.

 

Existentielle Erlebnisse mit Humor zu verarbeiten ist eine durchaus verbreitete Therapieform; hier ergibt sie sich quasi zufällig und ganz zwanglos. So ähnlich erging es dem britischen Comedian John Bishop, was Cooper zum Drehbuch inspirierte, das er gemeinsam mit Mark Chappel und Hauptdarsteller Will Arnett schrieb. Arnett ist seit mehr als zwei Jahrzehnten auf komische Charaktere in Kino und TV-Filmen abonniert; in „Is This Thing On?“ spielt er seine erste große ernsthafte Rolle.

 

Noch-Ehefrau mit wenigen Konturen

 

Zwar bewegt er sich als Feierabend-Comedian Alex immer noch auf vertrautem Terrain. Doch man nimmt ihn den nach seiner Scheidung orientierungslosen Finanzbranchen-Angestellten in der midlife crisis ab, wenn er auf der Bühne eine Facette seiner Persönlichkeit entdeckt, die ihm vorher nicht bewusst war.

 

Seine Noch-Ehefrau Tess zeigt weniger Kontur. In jungen Jahren war sie eine erfolgreiche Volleyballerin; nach der Familiengründung hat sie die Rolle einer traditionellen Nur-Hausfrau übergenommen. Dass sie damit nicht glücklich war, kommt erst jetzt zur Sprache. Selbstredend blüht sie in ihrer neu gewonnenen Freiheit auf; so fängt sie wieder an, als Volleyballtrainerin zu arbeiten.

 

Freundeskreis als Bühnenmaterial

 

Nach einem Geschäftsessen mit einem ehemaligen Kollegen geht sie mit ihm just in den Comedy-Club, in dem Alex gerade auftritt. Ihre Reaktion auf dessen offenherzige Schilderungen wirkt jedoch wenig plausibel. Ihr peinliches Erschrecken schlägt nämlich alsbald in sexuelle Erregung um, woraufhin die beiden Ex-Ehegatten miteinander im Bett landen. Immerhin ist nun Alex‘ neue Leidenschaft enthüllt – sowie, dass er beim Stoff für seine Bühnenauftritte aus seinem Familien- und Freundeskreis bedient.

 

Letzterer besteht aus nicht sonderlich liebenswerten Charakteren. Geradezu unangenehm selbstironisch spielt Bradley Cooper selbst Balls, den besten Freund von Alex. Balls ist ein egozentrischer, wenig erfolgreicher Schauspieler, der von seiner Frau Christine (Andra Day) durchgefüttert wird. Ihre Ehe dient quasi als seitenverkehrtes Spiegelbild zu der von Alex und Tess: Auch sie funktioniert nur noch auf Distanz, wenn Balls auswärts ein Engagement hat.

 

Manhattans Comedy-Clubs als Hauptdarsteller

 

Auf seine Beziehung zu Tess hat Alex‘ Hobby eine wiederbelebende Wirkung, ausgelöst durch seine Selbstreflexion auf der Bühne. Tess gewinnt durch ihre neue Aufgabe als Trainerin an Souveränität und wird dadurch für Alex wieder attraktiver, was Laura Dern glaubhaft spielt. Alex‘ ausführlich inszenierten Ausflügen in die teils glamourös, teils verrucht wirkenden Comedy-Clubs von Manhattan kann sie aber wenig Schillerndes entgegensetzen.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Nightmare Alley" – gelungener Neo-Noir-Thriller von Guillermo del Toro mit Bradley Cooper

 

und hier eine Besprechung des Films "Was uns hält (Lacci)" – italienisches Drama über ein langjähriges Ehepaar, die einander in herzlicher Abneigung verbunden bleiben von Daniele Luchetti

 

und hier einen Beitrag über den Film "Zu schön um wahr zu sein – Die JT LeRoy Story" – Drama über Täuschungsskandal im US-Literaturbetrieb von Justin Kelly mit Laura Stern.

 

Diese Clubs, ihre Betreiber und die dort auftretenden Comedians spielen praktisch die dritte Hauptrolle – allerdings bleibt es eher bei Kurzauftritten im Vergleich zu den ausgedehnten Gesprächen der Eheleute. Somit bleibt Bradley Cooper als Regisseur nach seinem Remake des Musikfilms „A Star is Born“ (2018) und dem Leonard-Bernstein-Porträt „Maestro“ (2023) thematisch im künstlerischen Milieu.

 

Blasse Figuren ohne tiefe Gefühle

 

Dabei ist von diesen drei Filmen „Is This Thing On?“ der bodenständigste: realitätsnah und auf  angenehme Art altmodisch inszeniert. Da ist kein Platz für große Gesten. Entweder haben die Figuren keine tiefen Gefühle, oder sie zeigen sie nicht: Alle waren stets die Contenance. Auch deswegen fällt es in diesem dialoglastigen Film schwer, sich als Zuschauer wirklich auf die Geschichte und ihre Protagonisten einzulassen. Sie wirken blass und etwas eindimensional.

 

So bleibt es bei beobachtender Distanz, die weder extreme Nahaufnahmen noch das hochkarätige Schauspieler-Ensemble überbrücken können. Und einem Paradox: Um die Geschichte als Ehe-Drama ernst nehmen zu können, wird zu viel gescherzt. Aber um wirklich witzig zu sein, ist die Handlung eigentlich zu ernst.