
Als „Der Teufel trägt Prada“ 2006 in die Kinos kam, traf der Film einen Nerv. Die Parodie auf ein fiktives Modemagazin hatte außer schönen Klamotten und ein paar albernen Intrigen nicht viel zu bieten, spielte aber das Zehnfache ihrer Produktionskosten ein. Das war vor allem Meryl Streep zu verdanken – und der Tatsache, dass ihre Figur der Miranda Priestly mit dem Spitznamen „Drachenlady“ kaum verhüllt an die reale „Vogue“-Chefredakteurin Anna Wintour angelehnt war.
Info
Der Teufel trägt Prada 2
Regie: David Frankel,
120 Min., USA 2026;
mit: Meryl Streep, Anne Hathaway, Emily Blunt, Stanley Tucci
Weitere Informationen zum Film
Was bisher geschah
Obwohl sie in Sachen Modebranche gänzlich unbeleckt ist, findet sich Andy relativ schnell in der Glamourwelt zurecht. Unterstützt wird sie vom künstlerischen Leiter des Magazins Nigel (Stanley Tucci), der sie mit den passenden Outfits versorgt. Nachdem sie Mirandas Anerkennung gewonnen hat und sie sogar nach Paris zur „Fashion Week“ begleiten darf, wirft Andy alles hin und verfolgt fortan ihre eigentlichen Ambitionen. 20 Jahre später gibt es, erneut unter Regie von David Frankel, ein Wiedersehen mit Andy, Miranda, Nigel und Andys Leidensgenossin Emily (Emily Blunt).
Offizieller Filmtrailer
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„Runway“ in der Krise
Andy hat im Grunde alles erreicht, was ihr zwei Jahrzehnte zuvor vorgeschwebt hatte. Sie ist investigative Journalistin, hat lange Zeit für ihren Job die Welt bereist und wurde nun für einen wichtigen Preis nominiert. Tatsächlich gewinnt sie ihn, erfährt aber gleichzeitig, dass die Zeitung, für die sie arbeitet, eingestellt werden soll. Die Dankesrede wird zu einem flammenden Bekenntnis zum altmodisch gut gemachten Journalismus und geht viral.
Derweil ist ihr alter Arbeitgeber „Runway“ in den sozialen Medien unter Beschuss geraten. Ursache ist eine schlampig recherchierte Story über die Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie. Daraufhin wird ein neues Reportage-Ressort geschaffen, und da Andy gerade auf Jobsuche ist, engagiert man sie als Textchefin. Die Absicht ist deutlich: Die Zeitschrift möchte sich in diesen schnellen, aufgeregten Zeiten ein seriöses journalistisches Mäntelchen umhängen.
Es muss gespart werden
Außer Nigel, der immer noch dieselbe Position bekleidet, kann sich niemand bei „Runway“ an Andy erinnern, auch Miranda (vorgeblich) nicht. Andys ehemalige Kollegin Emily arbeitet inzwischen bei Dior im Marketing und ist mit einem Tech-Milliardär liiert. Das einst so einflussreiche Magazin ist inzwischen zu einer content-Maschine im Internet verkommen, die sich ihre Print-Ausgabe nur noch aus Prestigegründen leistet, unterstützt vom alten Verleger Irv (Tibor Feldman).
Als Irv plötzlich stirbt, bricht die mühsam aufrecht erhaltene Fassade zusammen. Sein Erbe Jay (B.J. Novak) ist ein verwöhnter großer Junge in teurer Funktionskleidung mit einer Vorliebe für Sport-Metaphern. Er stellt die Relevanz von „Runway“ in Frage und kommt mithilfe eines Effizienzberaters zum erwartbaren Ergebnis: Es muss gespart werden. So findet sich Miranda, die früher stets Erste Klasse flog, auf dem Weg zur Mailänder „Fashion Week“ im normalen Fahrgastraum wieder.
Alpha-Dame im Wandel der Zeiten
Es ist nicht die einzige Demütigung, die sie hinnehmen muss. An ihrem dominanten Auftreten ändert das ebenso wenig wie der nette Ehemann (Kenneth Branagh), der zuhause auf sie wartet. Gleichgeblieben ist auch das Machtgefälle im Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Miranda und Andy. Verbissen kämpft die jüngere Frau, die inzwischen so viel erreicht hat, wieder um die Anerkennung der älteren, kühlen Alpha-Dame. Man wünscht sich von Beginn an mehr Rückgrat für Andy.
Hintergrund
Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Jean Paul Gaultier: Freak & Chic" – Dokumentation über Jean Paul Gautier von Yann L’Hénoret
und hier einen Bericht über den Film "Yves Saint Laurent" – einfühlsames Biopic über den berühmten Modeschöpfer von Jalil Lespert
und hier einen Beitrag über den Film "Der seidene Faden" – Psychothriller über exzentrischen Schneider im London der 1950er Jahre von Paul Thomas Anderson.
Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Mary Poppins‘ Rückkehr" – gelungene Fortsetzung des legendären Disney-Musicals von 1964 durch Rob Marshall mit Emily Blunt und Meryl Streep.
Mit Anna Wintours Segen
Während das Personal bei „Runway“ mittlerweile etwas entspannter ist als vor 20 Jahren, bekommt die neue, ignorante Geldelite ihr Fett weg. Viele Witze gehen auf Kosten des tumben Verlagserben Jay und des so gierigen wie idiotischen Tech-Milliardärs (Justin Theroux), den Emily sich eingefangen hat. Kulturelle Kompetenz, Geschmack und Stil kann man sich eben nicht kaufen.
Der Film hat davon selbstredend reichlich. Kostümbildnerin Molly Rogers konnte sich als Nachfolgerin von Patricia Field dieses Mal alle Modestücke frei aussuchen. Vor 20 Jahren traute sich wegen Wintours Allmacht in der Branche kaum ein Designer, etwas aus seiner Kollektion zur Film-Ausstattung beizusteuern. Diesmal war die langjährige „Vogue“-Chefin sogar direkt involviert.
Zwei Egos in einer Garderobe
So bildet eine Modeschau des Labels „Dolce & Gabbana“ in Mailand den krönenden Abschluss der soliden Fortsetzung. Vorher liefert sich Lady Gaga bei einem Gastauftritt mit Miranda in der Garderobe einen herrlich fiesen Schlagabtausch – das Aufeinanderprallen zweier supergroßer Egos. Andy hat sich mittlerweile ebenfalls eines erarbeitet und sitzt zum Schluss mit Miranda im Fond einer standesgemäßen Limousine – im Wissen, dass „Runway“ weiter erscheinen wird. Fragt sich nur, wie lange noch.
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