John Patton Ford

How to Make a Killing – Todsicheres Erbe

Beckets Großvater Whitelaw (Ed Harris) setzt alles daran, die Familienehre zu retten. Foto: © Ilze Kitshoff / STUDIOCANAL
(Kinostart: 9.4.) Geldadel verpflichtet: Ein netter junger Mann mordet sich durch den kompletten Stammbaum der Familie, die ihn einst verstieß. Der Film von US-Regisseur John Patton Ford basiert auf einem britischen Krimi-Klassiker, doch sein Remake gerät enttäuschend flach und herzlos.

Geld macht nicht glücklich? Becket Redfellow (Glen Powell ) hält diese alte Binsenweisheit für völlig falsch und überholt. Wenn es für ihn mit rechten Dingen zugegangen wäre, hätte er superreich und sorglos in einer Luxusvilla auf Long Island aufwachsen sollen. Aber das Schicksal wollte es anders. Jetzt sitzt er wegen mehrfachen Mordes im Gefängnis; vier Stunden bleiben ihm bis zur Hinrichtung.

 

Info

 

How to Make a Killing –
Todsicheres Erbe

 

Regie: John Patton Ford,

105 Min., Großbritannien/ Frankreich 2026;

mit: Glenn Powell, Margaret Qualley, Ed Harris 

 

Weitere Informationen zum Film

 

Statt beim letzten Besuch des Gefängnispriesters reuig um Vergebung zu bitten, holt der Serienmörder zur großen Geste aus: Wenn er schon sterben muss, wolle er zumindest die ganze Geschichte erzählen. Zwar ist sie eine Tragödie. Aber die Wahrheit, so beteuert er, sei um einiges beeindruckender, als das, was in seiner Polizeiakte steht.

 

Hohe Erwartungen ans Remake eines Juwels

 

Mit diesem Vorspiel schraubt der US-Regisseur John Patton Ford die Erwartungen an die folgenden 100 Minuten in doppelter Hinsicht gefährlich hoch. Das gilt für seine eigenen Fähigkeiten wie für den Vergleich mit dem Original: „How to Make a Killing“ basiert auf der schwarzen Krimi-Komödie: „Adel verpflichtet“ (im Original: „Kind Hearts and Coronets“) von 1949, einem Juwel aus den berühmten Londoner Ealing Studios.

Offizieller Filmtrailer


 

 

Handlung nach New York verlegt

 

In der Vorlage, die sich lose an einem Roman von 1907 orientiert, bahnt sich ein Aristokratensohn mit Intrigen und Morden seinen Weg durch den Stammbaum zum Herzogstitel. Dass die Erstverfilmung heute zu den Klassikern des britischen Kinos gehört, hat einen besonderen Grund: Schauspiel-Legende Alec Guinness verkörperte darin alle acht Opfer der betreffenden Adelsfamilie, Männer wie Frauen.

 

Regisseur Ford verzichtet bei seinem remake auf derartige technische Herausforderungen. Für seine aufpolierte Neufassung verlegt der Regisseur und Ko-Autor die Handlung vom edwardischen England Anfang des 20. Jahrhunderts ins heutige New York und setzt auf einen charismatischen Killer im Zentrum des Geschehens: Glen Powell, der jüngst in der SciFi-Dystopie „The Running Man“ von Edgar Wright einen soliden Action-Helden gab, scheint sich hier auf sicherem Eis zu bewegen.

 

Glen Powell zurück im Mörder-Fach

 

Bereits 2023 bewies er als Hauptdarsteller und Ko-Drehbuchautor in Richard Linklaters „A Killer Romance“ mörderischen Einfallsreichtum. Doch hier kann er als Becket Redfellow nicht wirklich überzeugen. Man nimmt ihm die Impertinenz und Skrupellosigkeit, mit der er einen Mord nach dem anderen begeht, kaum ab.

 

Immerhin: Beckets Motiv ist nicht nur Habgier. Es geht ihm auch um Vergeltung und Gerechtigkeit. Wie er dem Priester im Todestrakt berichtet, wurde seine Mutter mit 18 Jahren hartherzig aus dem Redfellow-Clan verstoßen, weil sie mit ihm selbst schwanger war – Becket kam als unehelicher Sohn zur Welt.

 

Aufstieg eines Ausgestoßenen

 

Dass Becket trotz des frühen Todes seiner Mutter und einer Kindheit im Waisenheim zu einem adretten jungen Mann heranwuchs, verdankte er ihrer guten Erziehung. Darauf legte sie wert, und zwar nicht ohne Grund: Denn trotz ihres Ausschlusses aus der Familie blieben Mutter und Sohn erbberechtigt.

 

Aus folgendem Grund: Beckets Großvater hatte zu seinen Lebzeiten einen Treuhand-Fonds eingerichtet, um hohe Steuerzahlungen zu umgehen. Teil der Nachlassverwaltung war allerdings auch, dass das gesamte Vermögen immer an den nächstältesten Erben weitergegeben werden würde.

 

Ein diabolischer Plan

 

Becket, der jüngste Redfellow, musste also nur alle anderen Erbfolger überleben und in der Zwischenzeit ein bescheidenes Leben führen. Dabei brachte er es sogar bis zum Verkäufer bei einem noblen Herrenausstatter in Manhattan. Sein Erfolgsrezept ist eine nette Ausstrahlung, stets mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

 

Doch dann bringt ihn ein unverhofftes Wiedersehen mit seiner Jugendliebe Julia (Margaret Qualley) auf einen diabolischen Gedanken: Was wäre, wenn es ihm gelingen würde, die Erbfolge zu beschleunigen? Als sein Chef ihn dann noch in ein Lager zu versetzen droht, nimmt sein Plan konkrete Formen an.

 

Auf der Überholspur zum Erbe

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "A Killer Romance"schwarze Krimi-Komödie von Richard Linklater mit Glenn Powell

 

und hier eine Besprechung des Films "The Gentlemen"skurrile Krimikomödie um Drogenbaron, der Cannabis-Plantagen verkaufen will, von Guy Ritchie

 

und hier einen Beitrag über den Film "Meine Cousine Rachel"  – düsteres Liebesdrama über Witwe, die Erben ihres toten Gatten verführt, von Roger Michell.

 

Der erste Mord scheint fast zu einfach sein; obendrein verschafft er Becket unverhofft einen Job im Familienunternehmen. Sein Onkel bittet ihn, die Lücke zu füllen, die sein just verschiedener Sohn hinterlassen hat und liefert damit Becket eine perfekte Tarnung für alle weiteren Verbrechen.

 

Dabei erweisen sich seine Cousins einer nach dem anderen als millionenschwere Trottel, von partygeilen Brokern bis hin zu sensiblen Künstlern und exzentrischen Selbstdarstellern. Kompliziert wird die Sache erst, als das FBI sich einmischt und Becket unter die Lupe nimmt. Gleichzeitig spielt Julia ein intrigantes Spiel mit ihm; sie hofft auf einen Teil des Gewinns.

 

Überflüssiger Krimi ohne satirischen Biss

 

Obwohl „How to Make a Killing“ alle Zutaten für einen überdrehten Krimi-Plot aufweist, fehlt dem Film der satirische Biss. Beckets rasantem Aufstieg vom Jedermann zum Serienmörder mangelt es an Witz und schlagfertigen Pointen. Ford verheddert sich in Genre-Klischees, anstatt das zeitlos komödiantische und gesellschaftskritische Potential der Vorlage herauszuarbeiten. Sein remake wirkt allzu flach, herzlos und überflüssig.