Antoine Fuqua

Michael

Michael Jackson (Jaafar Jackson) bei einem Auftritt. Foto: © 2026 Lionsgate
(Kinostart: 22.4.) Von wegen „Bad“ und „Dangerous“: Im Biopic von Regisseur Antoine Fuqua steht Popstar Michael Jackson als makellose Heldenfigur da. Der einzige Bösewicht ist sein Vater Joseph, der seine Kinder mit Gewalt für die Bühne drillte. Ansonsten gibt es statt Problemen nur Konzert-Triumphe.

Invincible: In den 1980er Jahren war Michael Jackson der größte Popstar der Welt. Niemand verkaufte mehr Alben, keiner füllte größere Arenen. Seine präzise durchgetakteten Bühenshows setzten Standards, die bis heute gelten. Doch als in den 1990er Jahren die Erfolge allmählich ausblieben, erlebte er einen körperlichen, kreativen und geistigen Niedergang. Die Konkurrenz und Medien überschüttete ihn dafür mit Häme.

 

Info

 

Michael

 

Regie: Antoine Fuqua,

127 Min., USA/ Großbritannien  2026;

mit: Jaafar Jackson, Colman Domingo, Nia Long, Laura Harrier

 

Weitere Informationen zum Film

 

Ab 1993 wurden Anschuldigungen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger gegen Michael Jackson erhoben, doch viele seiner Fans hielten ihm die Treue – auch nach seinem Tod 2008 an einer Überdosis Schmerzmittel. So endete ein märchenhafter Aufstieg: Ein kleiner Junge aus einfachen Verhältnissen steigt in den Entertainment-Olymp auf, indem er sich von seinem Vater abnabelt, der ihn körperlich und seelisch misshandelt hat.

 

Niemals erwachsen werden

 

Um sich dafür zu entschädigen, dass er keine Kindheit hatte, flüchtet er in eine Traumwelt, die er „Neverland“ nennt, in Anlehnung an den Kinderbuch-Klassiker „Peter Pan“. Im Buch müssen Kinder niemals erwachsen werden – während er mutmaßlich selbst Kinder missbraucht. Was für ein Aufstieg und Fall, Licht und Schatten; genug Stoff für ein außergewöhnliches Biopic!

Offizieller Filmtrailer


 

Alles für den Handelsmarken-Wert

 

Doch Regisseur Antoine Fuqua hat einen anderen Auftrag. Er handelt im Namen der Jackson-Erbengemeinschaft, welche die für den Film unerlässlichen Musikrechte hält. Ihre Mitglieder werden im Abspann als „Executive Producer“ aufgelistet. Ihr Interesse ist vor allem, die erfolgreiche Handelsmarke ‚Michael Jackson‘ zu schützen und selbst dabei möglichst gut wegzukommen. Dass auf diese Weise keine guten Filme entstehen, bewiesen in jüngster Zeit ähnliche Film-Porträts über Bob Marley, Amy Winehouse und die Rockband Queen.

 

Auch „Michael“ hat etliche Schattenseiten. Angefangen beim Drehbuch: Die Dialoge klingen, als hätte Michael Jackson sie mithilfe seines Rechtsbeistands zu Lebzeiten selbst geschrieben. Der Film macht ehrlicherweise keinen Hehl daraus, dass er eine hemmungslos geschönte Sichtweise präsentiert. Denn er bewegt sich auf einem juristischen Minenfeld: Szenen, die sich auf die Missbrauchsvorwürfe gegen den Star beziehen, wurden wieder gestrichen; es gab Nachdrehs, und der behandelte Zeitraum wurde verkürzt.

 

Umarmung mit Motown-Chef

 

„Michael“ beginnt und endet nicht, wie anfangs geplant, mit dem Eintreffen der Polizei in „Neverland“ 1993, sondern mit einem Konzertauftritt zum Karriere-Höhepunkt von 1987, der Veröffentlichung des Albums „Bad“. Da war von einbrechenden Verkaufszahlen, Operations-Exzessen und Missbrauchsvorwürfen noch nichts zu ahnen. Zuvor beschränkt sich die Handlung brav auf den unaufhaltsamen Aufstieg des „King of Pop“.

 

Er beginnt Mitte der 1960er Jahre im Haus der Familie Jackson in Gary, Indiana. Hier drillt Patriarch Joseph (Colman Domingo) seine fünf Söhne für Bühnen-Auftritte. Die Gewalt, zu der er dabei greift, ist Michaels Ur-Trauma. Die Songs der „Jackson 5“ und die Ausstattung passen aber noch perfekt zusammen. Ein erster emotionale Höhepunkt ist erreicht, wenn Michael seinen Förderer Berry Gordy (Larenz Tate) umarmt, den Chef von „Motown Records“, und sein Vater eifersüchtig zusieht.

 

Mehr „Bubbles“ als La Toya Jackson

 

Hintergrund

 

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Doch bald wird Michael als Teenager zum Solo-Künstler, und der Zauber verpufft. Darsteller Jafaar Jackson gibt sein bestes, das Charisma seines Onkels heraufzubeschwören, doch trotz exzellenter Maske scheint er sich nie ganz wohl in seiner Haut zu fühlen. In der teils amüsanten Handlung gibt es zudem keine Konflikte außer dem endlosen Emanzipations-Prozess von Vater Joseph: Als einziger Bösewicht ist er zugleich die einzige Figur mit Profil. 1984 bricht Michael endgültig mit ihm; damit ist das dramatische Potential des Films erschöpft.

 

Viele Szenen dienen vor allem dazu, künftige Ereignisse und Enthüllungen zu erklären, zu relativieren oder zu rechtfertigen: Michaels Erstkontakt mit Opiaten als Folge eines Bühnenunfalls, Michaels Hauterkrankung als Grund für sein späteres, forciertes Bleicherwerden. Seine Fürsorge für Kranke, Tiere und Kinder soll als Beleg für seine reine Seele dienen; deshalb ist der animierte Schimpanse „Bubbles“ öfter zu sehen als Schwester La Toya.

 

Fortsetzung fraglich

 

Seine jüngere Schwester Janet wird ihre Gründe haben, gar nicht erst aufzutauchen. Andere Nebenfiguren haben unerklärlich viele Dialogzeilen; dabei dienen sie nur als Gleitmittel der Heldenreise und sind entsprechend schwach ausgearbeitet. Das gilt vor allem für die Jackson-Geschwister Tito, Jermaine, Marlon und Jackie, die ausschließlich singen und tanzen.

 

Am Ende geht der Dramaturgie derart die Luft aus, dass sie sich in eine Aneinanderreihung von Konzert-Auftritten flüchtet. Eine Texteinblendung deutet an, dass die problematische Phase des Idols in einer Fortsetzung behandelt werden soll. Wahrscheinlicher als ein sequel voller unangenehmer Fragen ist aber wohl, dass die Rechte-Erben es mit diesem Torso bewenden lassen.