Jodie Foster + Daniel Auteuil

Paris Murder Mystery

Die Psychiaterin Lilian Steiner (Jodie Foster) im Gespräch mit ihrer Patientin Paula Cohen-Solal (Virginie Efira). Foto: Plaion Pictures
(Kinostart: 16.4.) Eine Amerikanerin in Paris: Jodie Foster glänzt in der Krimi-Komödie von Rebecca Zlotowski als Psychoanalytikerin auf Mörderjagd. Tatsächlich bewahren sie und ihr Ko-Star Daniel Auteuil den mit Motiven und Andeutungen überfrachteten Plot vor dem Absturz ins Bodenlose.

In Paris betreibt die Amerikanerin Dr. Lilian Steiner (Jodie Foster) in ihrer geräumigen Altbauwohnung eine private Praxis. Die Psychoanalytikerin ist geschieden und lebt allein. Ihr erwachsener Sohn Julien (Vincent Lacoste) hat längst seine eigene Familie. Dass sie sich seitdem immer seltener sehen, stört ihn mehr als seine Mutter. Vor allem, seit Lilian Oma geworden ist, hält sie Abstand. Ihr eigener Enkel scheint ihr suspekt zu sein.

 

Info

 

Paris Murder Mystery

 

Regie: Rebecca Zlotowski,

107 Min., Frankreich 2025;

mit: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira 

 

Weitere Informationen zum Film

 

Auch beruflich kommt bei Lilian gerade einiges zusammen: Erst droht ihr ein langjähriger Patient mit einer Klage wegen erfolgloser Therapie; dann nimmt sich Paula (Virginie Efira), die ebenfalls lange bei Lilian in Behandlung war, mit einer Überdosis Antidepressiva das Leben. Als Lilian zur Trauerfeier erscheint, gerät Paulas Mann Simon (Mathieu Amalric) in Rage und gibt ihr die Mitschuld an dem Suizid.

 

Mord oder Selbstmord?

 

Auch die hinterbliebene Tochter Valérie (Luàna Bajrami) kann sich die verzweifelte Tat ihrer Mutter nicht erklären, zumal es auch Hinweise auf ein Verbrechen gibt. Paula hatte vor kurzem geerbt; jetzt geht das Geld an Valérie und ihren Stiefvater über. Zudem entdeckt Lilian, dass ein Rezept, das sie Paula verschrieb, nachträglich manipuliert wurde. Nur so konnte es überhaupt zu der Tragödie kommen.

Offizieller Filmtrailer


 

Foster zwischen Selbstfindung und Detektivarbeit

 

Valérie scheint Lilian jedoch als Mörderin untauglich. Also vermutet die Psychoanalytikerin, es könne nur Simon gewesen sein. Der Krimi-Plot verdichtet sich, nachdem jemand in Lilians privates Büro einbricht, um an die Tonbandaufnahmen zu gelangen, die sie von den Sitzungen mit ihren Patienten erstellt. So begibt sie sich gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil) auf Spurensuche.

 

Bis hierhin spielt Jodie Foster ihre Rolle mit herrlich steifer Oberlippe und großem komödiantischen Geschick. Sie beherrscht das Wechselspiel ihrer Figur zwischen Selbstfindung und Detektivarbeit ebenso gut wie die Fremdsprache; ihr Französisch ist akzentfrei. Wirklich ins Schleudern gerät ihre Lilian erst, als die Stimmung in Rebecca Zlotowskis amüsant-absurden Psychothriller zusehends in Chaos und Paranoia kippt.

 

Seltsame Träume der Analytikerin

 

Denn die Regisseurin und Drehbuchautorin fügt dem Geschehen noch eine weitere, verwirrende Bedeutungsebene hinzu. Als Lilian eine Hypnotiseurin (Sophie Guillemin) aufsucht, um ein seltsames Tränenleiden in ihren Augen zu heilen, versetzt diese sie in einen Traumzustand. Darin erscheinen Paula und Lilian als musizierendes Liebespaar zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs – eine Anspielung auf Lilians jüdische Herkunft.

 

In der Umsetzung greifen diese Illusionen aus einem früheren Leben jedoch zu kurz, um unmittelbar einen tieferen Sinn zu ergeben. Später versucht Lillian es mit einer gewagten Selbstanalyse, was sich jedoch als unnötig an den Haaren herbeigezogen anfühlt. Wie so oft ist im Zweifelsfall auch hier die Familie schuld an allem.

 

Ex-Gatte als gutmütiger Gegenpol

 

Lilian agiert aus einer Mischung aus Sturheit und verletztem Stolz heraus. Den Ausgleich schafft Daniel Auteuil als ihr Ex-Mann, mit der grauhaarigen Eleganz eines Bankers und seinem bedingungslos gutmütigen Charme. Das harmonische Zusammenspiel zwischen ihm und Foster balanciert die wachsende Aufregung um Lilians geheime Ermittlungen und ihre fantastischen Visionen wieder aus.

 

Mehr noch: Die schauspielerische Leistung der beiden bewahrt „Paris Murder Mystery“ vor dem Fall ins Bodenlose. Denn solange Zlotowski den Möchtegern-Detektiven auf ihrer Suche nach Paulas Mörder folgt, kommt man kaum dazu, die bizarren Nazi-Orchester-Visionen aus Lilians Trance-Erfahrung zu hinterfragen. In ihnen tritt Lilians Sohn Julien nebenbei als SS-Offizier auf, und Simon schwingt am Dirigentenpult einen Taktstock, der sich unversehens in einen Revolver verwandelt.

 

Verloren in Details

 

Hintergrund

 

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Auch ein Treffen zwischen Lilian und einem befreundeten Analytiker (gespielt von dem unlängst verstorbenen Filmemacher Frederick Wiseman) wirkt unbefriedigend.  Anstatt Licht ins Dunkel von Lilians eigener verkorkster Psyche zu bringen, behandelt die Szene lediglich ihre vermeintlichen Schuldgefühle und zweifelhaften Arztpraktiken. Als ihr Gegenüber den Tod ihrer Mutter ins Gespräch bringt, verlässt Lilian verärgert das Restaurant.

 

So wie ihre Protagonistin verrennt sich auch Zlotowski immer wieder in Nebenhandlungen und Motive, die eigentlich dem Spannungsaufbau dienen sollen. Doch oftmals verfehlen sie den gewünschten Effekt. Insbesondere die Ereignisse um Simon im finalen Akt wirken allzu weit hergeholt. Stattdessen hat die Regisseurin mit Foster einen Trumpf im Ärmel: Die Schauspielerin versteht es bis heute, aus wenig viel zu machen.

 

Kluge Einblicke in die menschliche Seele

 

Ihre Lilian lässt Erinnerungen an ihre Rolle der Ermittlerin Clarice Starling in „Das Schweigen der Lämmer“ aufkommen. Dafür erhielt Foster 1991 ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin. Mit Jonathan Demmes Thriller kann „Paris Murder Mystery“ freilich nicht mithalten. Aber das versucht Zlotowski auch nicht. Sie will unterhalten und dabei leise mit dem Gedanken spielen, dass es um mehr gehen könnte. Dabei gelingen ihr zwischen Komödie und Krimi immerhin einige kluge Einblicke in die menschliche Seele.