
In Paris betreibt die Amerikanerin Dr. Lilian Steiner (Jodie Foster) in ihrer geräumigen Altbauwohnung eine private Praxis. Die Psychoanalytikerin ist geschieden und lebt allein. Ihr erwachsener Sohn Julien (Vincent Lacoste) hat längst seine eigene Familie. Dass sie sich seitdem immer seltener sehen, stört ihn mehr als seine Mutter. Vor allem, seit Lilian Oma geworden ist, hält sie Abstand. Ihr eigener Enkel scheint ihr suspekt zu sein.
Info
Paris Murder Mystery
Regie: Rebecca Zlotowski,
107 Min., Frankreich 2025;
mit: Jodie Foster, Daniel Auteuil, Virginie Efira
Weitere Informationen zum Film
Mord oder Selbstmord?
Auch die hinterbliebene Tochter Valérie (Luàna Bajrami) kann sich die verzweifelte Tat ihrer Mutter nicht erklären, zumal es auch Hinweise auf ein Verbrechen gibt. Paula hatte vor kurzem geerbt; jetzt geht das Geld an Valérie und ihren Stiefvater über. Zudem entdeckt Lilian, dass ein Rezept, das sie Paula verschrieb, nachträglich manipuliert wurde. Nur so konnte es überhaupt zu der Tragödie kommen.
Offizieller Filmtrailer
Foster zwischen Selbstfindung und Detektivarbeit
Valérie scheint Lilian jedoch als Mörderin untauglich. Also vermutet die Psychoanalytikerin, es könne nur Simon gewesen sein. Der Krimi-Plot verdichtet sich, nachdem jemand in Lilians privates Büro einbricht, um an die Tonbandaufnahmen zu gelangen, die sie von den Sitzungen mit ihren Patienten erstellt. So begibt sie sich gemeinsam mit ihrem Ex-Mann Gabriel (Daniel Auteuil) auf Spurensuche.
Bis hierhin spielt Jodie Foster ihre Rolle mit herrlich steifer Oberlippe und großem komödiantischen Geschick. Sie beherrscht das Wechselspiel ihrer Figur zwischen Selbstfindung und Detektivarbeit ebenso gut wie die Fremdsprache; ihr Französisch ist akzentfrei. Wirklich ins Schleudern gerät ihre Lilian erst, als die Stimmung in Rebecca Zlotowskis amüsant-absurden Psychothriller zusehends in Chaos und Paranoia kippt.
Seltsame Träume der Analytikerin
Denn die Regisseurin und Drehbuchautorin fügt dem Geschehen noch eine weitere, verwirrende Bedeutungsebene hinzu. Als Lilian eine Hypnotiseurin (Sophie Guillemin) aufsucht, um ein seltsames Tränenleiden in ihren Augen zu heilen, versetzt diese sie in einen Traumzustand. Darin erscheinen Paula und Lilian als musizierendes Liebespaar zu Zeiten des Zweiten Weltkriegs – eine Anspielung auf Lilians jüdische Herkunft.
In der Umsetzung greifen diese Illusionen aus einem früheren Leben jedoch zu kurz, um unmittelbar einen tieferen Sinn zu ergeben. Später versucht Lillian es mit einer gewagten Selbstanalyse, was sich jedoch als unnötig an den Haaren herbeigezogen anfühlt. Wie so oft ist im Zweifelsfall auch hier die Familie schuld an allem.
Ex-Gatte als gutmütiger Gegenpol
Lilian agiert aus einer Mischung aus Sturheit und verletztem Stolz heraus. Den Ausgleich schafft Daniel Auteuil als ihr Ex-Mann, mit der grauhaarigen Eleganz eines Bankers und seinem bedingungslos gutmütigen Charme. Das harmonische Zusammenspiel zwischen ihm und Foster balanciert die wachsende Aufregung um Lilians geheime Ermittlungen und ihre fantastischen Visionen wieder aus.
Mehr noch: Die schauspielerische Leistung der beiden bewahrt „Paris Murder Mystery“ vor dem Fall ins Bodenlose. Denn solange Zlotowski den Möchtegern-Detektiven auf ihrer Suche nach Paulas Mörder folgt, kommt man kaum dazu, die bizarren Nazi-Orchester-Visionen aus Lilians Trance-Erfahrung zu hinterfragen. In ihnen tritt Lilians Sohn Julien nebenbei als SS-Offizier auf, und Simon schwingt am Dirigentenpult einen Taktstock, der sich unversehens in einen Revolver verwandelt.
Verloren in Details
Hintergrund
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und hier eine Besprechung des Films "Side Effects" – spannender Psychiatrie-Thriller mit Jude Law von Steven Soderbergh
und hier einen Beitrag über den Film "Money Monster" – sarkastischer Finanzmarkt-Thriller mit George Clooney von Jodie Foster.
So wie ihre Protagonistin verrennt sich auch Zlotowski immer wieder in Nebenhandlungen und Motive, die eigentlich dem Spannungsaufbau dienen sollen. Doch oftmals verfehlen sie den gewünschten Effekt. Insbesondere die Ereignisse um Simon im finalen Akt wirken allzu weit hergeholt. Stattdessen hat die Regisseurin mit Foster einen Trumpf im Ärmel: Die Schauspielerin versteht es bis heute, aus wenig viel zu machen.
Kluge Einblicke in die menschliche Seele
Ihre Lilian lässt Erinnerungen an ihre Rolle der Ermittlerin Clarice Starling in „Das Schweigen der Lämmer“ aufkommen. Dafür erhielt Foster 1991 ihren zweiten Oscar als beste Hauptdarstellerin. Mit Jonathan Demmes Thriller kann „Paris Murder Mystery“ freilich nicht mithalten. Aber das versucht Zlotowski auch nicht. Sie will unterhalten und dabei leise mit dem Gedanken spielen, dass es um mehr gehen könnte. Dabei gelingen ihr zwischen Komödie und Krimi immerhin einige kluge Einblicke in die menschliche Seele.
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