
Clark (Chiwetel Ejiofor) wollte eigentlich Architekt werden. Nun lebt er von seiner Frau getrennt und betreibt erfolglos einen Möbelladen. Vom Leben enttäuscht, neigt er zum Trunk und zum Jähzorn, was ihm seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve) mit Rollenspielen bewusst machen will. Sie glaubt, dass jedes seelische Tief einen Ausweg bereithält, aber sie dringt damit nicht zum unglücklichen Möbelverkäufer durch.
Info
Backrooms
Regie: Kane Parsons,
110 Min., Kanada/ USA 2026;
mit: Chiwetel Ejiofor, Renate Reinsve, Mark Duplass
Weitere Informationen zum Film
Keine persönliche Erfindung
Die Backrooms sind keine Erfindung des erst 20-jährigen Regisseurs Kane Parsons bei seinem Kinodebüt; so wenig, wie die Brüder Grimm etwa Hänsel und Gretel erfunden haben. Wie jedes Märchen beruht es auf älteren Versionen; ebenso wurzelt Parsons grell ausgeleuchteter Gruselfilm auf einer zuvor existierenden, vergleichsweise jungen Modernen Sage, die 2016 im Internet entstanden ist.
Offizieller Filmtrailer
24 Videoclips bei Youtube
Auf einem message board kommentierte ein anonymer Benutzer das Foto eines leeren Verkaufsraums mit einer kurzen Gruselstory, die in etwa besagt: Wenn du nicht aufpasst, landest du in den Backrooms mit gelb tapezierten Wänden über Millionen Quadratmeilen samt alter Auslegware und Neonröhren. Zwei wichtige Details: Es keinen Ausgang, und: du bist nicht allein. Das entspricht der Raumerfahrung von Videospielen, gekreuzt mit Aspekten unmöglicher Architektur und des Films.
Andere user griffen die Idee eines endlosen Parallel-Universums auf und erweiterten sie: als Chiffre für totale Entfremdung in einem Raum, in dem man allein seinen Dämonen begegnet. Dann kam Regisseur Kane Parsons ins Spiel: Als damals 16-Jähriger veröffentlichte er 2022 ein Youtube-Video, das im amateurhaften found footage-Stil einen unfreiwilligen Sturz in einen dieser Backrooms „dokumentiert“. Die Resonanz war enorm. Also ließ Parsons dem Auftakt 24 weitere Clips folgen, in denen er einen narrativen Zusammenhang herstellte; wie eine Pseudo-Doku mit dem altmodischem look einer VHS-Videokamera.
Bedeutungs-Vielfalt wird eindeutig
Der Erfolg hielt an; deshalb darf Parsons nun auch in der Kinoversion Regie führen. Nach einem Anfang in VHS-Ästhetik werden in normalen Filmbildern die Personen eingeführt. Es sind nur wenige: Als Clark und seine Mitarbeiter von ihrer Expedition nicht zurückkehren, folgt ihm seine besorgte Therapeutin Mary in den Irrgarten der gelben Gänge. Diese halten in der Tat einigen Schrecken parat.
Eine der schwierigsten Herausforderungen hat sich der Regisseur selbst eingebrockt: Indem er die Herkunft und damit quasi das Wesen der Backrooms in seinen Youtube-Videoclips offengelegt hatte, hat er sie in gewisser Weise auch entzaubert. Zuvor taugten sie als Metapher für alles mögliche: Tod, Hölle, Depression, Paranoia, Burnout oder Wahnsinn. Bilder von wirtschaftlichem Niedergang und einer Arbeitswelt, die sich ausweglos ins Unendliche ausdehnt, können vielfältig interpretiert werden.
Surrealer Horror + deplatzierter Humor
Hintergrund
Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Heretic" – Mystery-Katz-und-Maus-Spiel von Scott Beck und Bryan Woods mit Hugh Grant
und hier eine Besprechung des Films "Baby To Go" – faszinierende SciFi-Satire von Sophie Barthes mit Chiwetel Ejiofor
und hier einen Beitrag über den Film "A Cure for Wellness" – glänzend grusliger Mystery-Thriller in abgelegenem Sanatorium von Gore Verbinski.
Die übrigen Kunststückchen sind mal besser, mal schlechter: Der erneute Einsatz einer Videokamera erweist sich als dramaturgischer Klotz am Bein. Und in den Kreaturen, die im Innern des Irrgartens leben, trifft sich surrealistischer Horror mit etwas deplatziertem Humor. Gelungen sind die Ausstattungsdetails und die Raumgestaltung in den Tiefen der Backrooms.
Fortsetzung könnte folgen
Da dürften wohl auch die Bilder des niederländischen Künstlers M.C. Escher (1898-1972) von unmöglichen Körpern und Räumen als Inspirationsquelle gedient haben. Das zutiefst beunruhigende Ende eröffnet Spielräume für Fortsetzungen, aber auch für Spekulationen über die Natur dieser Backrooms. Sie gründen in der Urangst, der Realität abhanden zu kommen.
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