Hugh Jackman

The Death of Robin Hood

Robin Hood (Hugh Jackman). Foto: Aidan Monaghan
(Kinostart: 18.6.) Abschied vom Mythos: Den vermeintlichen Freund der Armen im Sherwood Forest entzaubert Regisseur Michael Sarnoski als ruchlosen Räuber und Plünderer. Doch eine Nonne rettet im Kloster sein Leben und verhilft ihm zur Läuterung – was Hugh Jackman eindrucksvoll verkörpert.

Per aspera ad astra: Dieser Film macht es seinem Publikum nicht leicht. Denn es muss erst etliche Darstellungen krasser Gewalt mit ansehen, bevor es mit der vermeintlichen Sagengestalt Robin Hood nach Seelenfrieden sucht. Der legendäre Protagonist gelangt zur Selbsterkenntnis auf sehr raue Weise. Sein Weg ist von mittelalterlicher Kargheit und natürlicher Urgewalt geprägt; das macht sein Streben nach Erlösung umso notwendiger.

 

Info

 

The Death of Robin Hood

 

Regie: Michael Sarnoski,

123 Min., USA 2026;

mit: Hugh Jackman, Jodie Comee, Bill Skarsgård, Murray Bartlett, Noah Jupe

 

Weitere Informationen zum Film

 

Die Balladen über Robin Hood zählen zu den großen Sagen-Zyklen der angelsächsischen Folklore. Mit zahlreichen Abenteuern und Episoden ausgeschmückt, sind sie zu einem der populärsten Sujets in der westlichen Welt geworden, auch im Kino. Dabei ist keine reale historische Gestalt dieses Namens belegt. Das heute vorherrschende Bild eines Vorkämpfers für soziale Gerechtigkeit ist eher neueren Datums. Nun stellt US-Regisseur Michael Sarnoski die Figur vom Kopf auf die Füße und zeichnet ein anderes, finsteres Bild von ihr.

 

Nicht ohne Bogen, Sheriff + Langstock

 

Dabei bindet er auch geläufige Elemente des Mythos in diese Geschichte von Aussöhnung mit der eigenen Schuld ein: kein Film über den famosen Bogenschützen ohne einen zitternden Pfeil, der sein Ziel unweigerlich trifft. Kein Robin Hood ohne den Sheriff von Nottingham, der sich hier allerdings lange versteckt. Und keine fröhlichen Gesellen, die „Merry Men“, ohne Little John und seinen Langstock. Der hier freilich nicht für heitere Hiebe benutzt wird, sondern als tödliche Waffe.

Offizieller Filmtrailer


 

Opfer pflastern seinen Weg

 

Mitte des 13. Jahrhunderts zieht ein einsamer Plünderer durch die schottische Berglandschaft. Den verhassten und gejagten outlaw gibt Hollywoodstar Hugh Jackman als wortkargen, rohen Eremiten, der keiner Herausforderung aus dem Weg geht. In winterlicher Kälte spürt ihn eine hungrige Frau auf, die auf der Suche nach dem legendären Robin Hood ist. Der alte Mann verleugnet sich selbst, wird aber trotzdem nachts von der Rachsüchtigen attackiert.

 

Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hat Robin Hood, wie Regisseur Sarnoski ihn zeichnet, nichts gemein mit dem oft besungenen Freund der Armen. Er raubt aus reinem Eigennutz und mit ruchloser Brutalität. Kein Wunder also, dass die Spur seiner Opfer eine Reihe von rachelüsternen Hinterbliebenen hervorgebracht hat. Wenn Feinde einen aufspüren können, ist es für Freunde umso leichter.

 

Halbtot an Kloster-Tür abgelegt

 

Kurz darauf bittet der alte Weggefährte Little John (Bill Skarsgård) Robin Hood einmal mehr um Waffenbrüderschaft. Unter falschen Namen hatte sich John einen Hof und eine Familie erschlichen, bis die Nachbarn den berüchtigten Wegelagerer weggejagt haben. Doch der ist entschlossen, mit Hilfe von Robin Hood um seine ergaunerte Existenz zu kämpfen. Das schlägt fehl: Robin Hood wird von John mehr tot als lebendig an der Tür eines Nonnen-Kloster zurückgelassen.

 

So findet sich Robin Hood als namenloser Fremder in der Pflege von Priorin Brigid (Jodie Comer) wieder. Ihr wird nachgesagt, seit einem schmerzlichen Verlust widme sie sich dem Gebet und der bedingungslosen Nächstenliebe. Nun kann sich der Neuankömmling körperlich erholen. Bei innerer Einkehr setzt auch eine Einsicht ein – wobei Robin Hoods Taten ihm im Filmverlauf noch vor die Füße fallen werden.

 

Aderlass als symbolisches Motiv

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Hamnet" – ergreifendes Melodram über die Geschichte von William Shakespeares Familie von Chloé Zhao mit Paul Mescal + Jessie Buckley

 

und hier eine Besprechung des Films "Maria Stuart – Königin von Schottland" – opulentes Historien-Drama über ihren Konflikt mit Elisabeth I. von Josie Rourke

 

und hier einen Beitrag über den Film "Les Misérables – Die Geschichte von Jean Valjean" – epische Verfilmung der Läuterung des kriminellen Protagonisten von Victor Hugos Romanklassiker durch Eric Besnard

 

und hier einen Bericht über den Film "Anonymus" – Historien-Thriller über Shakespeare und das elisabethanische Zeitalter von Roland Emmerich.

 

Mit der Ankunft im Kloster wechselt der Film seinen Tonfall derart radikal, dass es fast irreal wirkt, was dem Strauchdieb widerfährt. Jodie Comer als Priorin setzt in ihrer Ruhe und gefestigten Gläubigkeit einen extremen Gegenpol zu Robin Hood. Tatsächlich wirkt die Phase kontemplativer Genesung gerade darum so berührend, weil der äußerst brutale Filmauftakt so ausweglos erschien.

 

Zu den medizinischen Prozeduren der Priorin zählt der Aderlass; solche Behandlung ist auch symbolisch zu verstehen. Geschickt setzt der Regisseur im Filmverlauf dieses Motiv wiederholt ein. So wird aus dem reinigenden Ritual für den Kämpfer später ein Trost für die Behandelnde und letztlich sogar eine Bedrohung des Lebens, wenn das Blut den Körper verlässt.

 

Im Konflikt mit der eigenen Legende

 

Seine Vergangenheit holt Robin Hood in Etappen und auf dramatische Weise wieder ein, was den Frieden im Kloster bedroht. Auch diese Wendungen konstruiert das Drehbuch psychologisch klug und überzeugend bis in die Details. Der Marodeur muss sich dem Gedanken anfreunden, das Kloster zu beschützen, das ihn beherbergt, und er muss einen Umgang mit der Wahrheit finden.

 

So bürstet Regisseur Sarnoski die Legende über Robin Hoods letzte Tage gehörig gegen den Strich. Anfangs wird in nebelverhangenen, düsteren Schauplätzen gerungen und getötet. Später kommt zwar mehr Licht ins Geschehen, aber die Atmosphäre bleibt winterlich kühl und felsig karg. Die archaische Naturschönheit und schlichte Lebenswelt sind nicht nur durch die Epoche des Mittelalters bedingt. In „The Death of Robin Hood“ liegen Archetypen im Konflikt mit den Mythen, die sich um sie ranken, und der Überformung durch die mündliche Überlieferung.