
Per aspera ad astra: Dieser Film macht es seinem Publikum nicht leicht. Denn es muss erst etliche Darstellungen krasser Gewalt mit ansehen, bevor es mit der vermeintlichen Sagengestalt Robin Hood nach Seelenfrieden sucht. Der legendäre Protagonist gelangt zur Selbsterkenntnis auf sehr raue Weise. Sein Weg ist von mittelalterlicher Kargheit und natürlicher Urgewalt geprägt; das macht sein Streben nach Erlösung umso notwendiger.
Info
The Death of Robin Hood
Regie: Michael Sarnoski,
123 Min., USA 2026;
mit: Hugh Jackman, Jodie Comee, Bill Skarsgård, Murray Bartlett, Noah Jupe
Weitere Informationen zum Film
Nicht ohne Bogen, Sheriff + Langstock
Dabei bindet er auch geläufige Elemente des Mythos in diese Geschichte von Aussöhnung mit der eigenen Schuld ein: kein Film über den famosen Bogenschützen ohne einen zitternden Pfeil, der sein Ziel unweigerlich trifft. Kein Robin Hood ohne den Sheriff von Nottingham, der sich hier allerdings lange versteckt. Und keine fröhlichen Gesellen, die „Merry Men“, ohne Little John und seinen Langstock. Der hier freilich nicht für heitere Hiebe benutzt wird, sondern als tödliche Waffe.
Offizieller Filmtrailer
Opfer pflastern seinen Weg
Mitte des 13. Jahrhunderts zieht ein einsamer Plünderer durch die schottische Berglandschaft. Den verhassten und gejagten outlaw gibt Hollywoodstar Hugh Jackman als wortkargen, rohen Eremiten, der keiner Herausforderung aus dem Weg geht. In winterlicher Kälte spürt ihn eine hungrige Frau auf, die auf der Suche nach dem legendären Robin Hood ist. Der alte Mann verleugnet sich selbst, wird aber trotzdem nachts von der Rachsüchtigen attackiert.
Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt hat Robin Hood, wie Regisseur Sarnoski ihn zeichnet, nichts gemein mit dem oft besungenen Freund der Armen. Er raubt aus reinem Eigennutz und mit ruchloser Brutalität. Kein Wunder also, dass die Spur seiner Opfer eine Reihe von rachelüsternen Hinterbliebenen hervorgebracht hat. Wenn Feinde einen aufspüren können, ist es für Freunde umso leichter.
Halbtot an Kloster-Tür abgelegt
Kurz darauf bittet der alte Weggefährte Little John (Bill Skarsgård) Robin Hood einmal mehr um Waffenbrüderschaft. Unter falschen Namen hatte sich John einen Hof und eine Familie erschlichen, bis die Nachbarn den berüchtigten Wegelagerer weggejagt haben. Doch der ist entschlossen, mit Hilfe von Robin Hood um seine ergaunerte Existenz zu kämpfen. Das schlägt fehl: Robin Hood wird von John mehr tot als lebendig an der Tür eines Nonnen-Kloster zurückgelassen.
So findet sich Robin Hood als namenloser Fremder in der Pflege von Priorin Brigid (Jodie Comer) wieder. Ihr wird nachgesagt, seit einem schmerzlichen Verlust widme sie sich dem Gebet und der bedingungslosen Nächstenliebe. Nun kann sich der Neuankömmling körperlich erholen. Bei innerer Einkehr setzt auch eine Einsicht ein – wobei Robin Hoods Taten ihm im Filmverlauf noch vor die Füße fallen werden.
Aderlass als symbolisches Motiv
Hintergrund
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und hier einen Bericht über den Film "Anonymus" – Historien-Thriller über Shakespeare und das elisabethanische Zeitalter von Roland Emmerich.
Zu den medizinischen Prozeduren der Priorin zählt der Aderlass; solche Behandlung ist auch symbolisch zu verstehen. Geschickt setzt der Regisseur im Filmverlauf dieses Motiv wiederholt ein. So wird aus dem reinigenden Ritual für den Kämpfer später ein Trost für die Behandelnde und letztlich sogar eine Bedrohung des Lebens, wenn das Blut den Körper verlässt.
Im Konflikt mit der eigenen Legende
Seine Vergangenheit holt Robin Hood in Etappen und auf dramatische Weise wieder ein, was den Frieden im Kloster bedroht. Auch diese Wendungen konstruiert das Drehbuch psychologisch klug und überzeugend bis in die Details. Der Marodeur muss sich dem Gedanken anfreunden, das Kloster zu beschützen, das ihn beherbergt, und er muss einen Umgang mit der Wahrheit finden.
So bürstet Regisseur Sarnoski die Legende über Robin Hoods letzte Tage gehörig gegen den Strich. Anfangs wird in nebelverhangenen, düsteren Schauplätzen gerungen und getötet. Später kommt zwar mehr Licht ins Geschehen, aber die Atmosphäre bleibt winterlich kühl und felsig karg. Die archaische Naturschönheit und schlichte Lebenswelt sind nicht nur durch die Epoche des Mittelalters bedingt. In „The Death of Robin Hood“ liegen Archetypen im Konflikt mit den Mythen, die sich um sie ranken, und der Überformung durch die mündliche Überlieferung.
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