Luxemburg

Premier Étage – Second Degré: Collection MUDAM

Beaurin Domercq: Beaurin Domercq, 1998, Photographic printing, 170 x 630 cm. Foto: © Beaurin Domercq

Louvre trifft DHM: Das Musée d’Art Moderne in Luxemburg ist ein Meisterwerk des Architekten Ieoh Ming Pei. So jung wie hyperaktiv zeigt es drei bis vier Ausstellungen zugleich. Nur seine Sammlung wirkt zusammengewürfelt.

Wer Ieoh Ming Peis Pyramide im Hof des Louvre und seinen Erweiterungsbau für das Deutsche Historische Museum (DHM) kennt, wird sich im 2006 eingeweihten Musée d’Art Moderne (Mudam) von Luxemburg sofort zurecht finden: Es ist eine Kreuzung aus beiden Vorgänger-Bauten.

 

Info

Premier Étage – Second Degré: Collection Mudam

 

17.11.2010 – 10.04.2011
täglich außer dienstags 11 – 18 Uhr, mittwochs bis freitags bis 20 Uhr im Musée d’Art Moderne; 3, Park Dräi Eechelen, Luxemburg

 

Weitere Informationen

Erdgeschoss und erste Etage gleichen dem DHM: Die gleiche «Grand Hall», die alle Stockwerke wie ein Atrium durchdringt; die gleichen Freitreppen und großzügigen Durchblicke; dieselben edlen Baustoffe wie polierter Beton und Sandstein. Darüber krönen gläserne Prismen und Türme die einzelnen Flügel; ihr Oberlicht erhellt den ganzen Bau.

 

Museum in Festungs-Architektur

 

Pei errichtete das Mudam auf dem Grundriss der Festung Thüngen von 1732. Dessen Wehr-Architektur nimmt das Gebäude mit seiner V-Form und zwei Brücken als Zugangswegen auf. Zugleich bietet es über den Park Dräi Eechelen hinweg einen atemberaubenden Ausblick auf die Altstadt von Luxemburg.

 

Kaum zu glauben, dass direkt dahinter das Verwaltungs- und Bankenviertel von Luxemburg beginnt, in dessen Bürotürmen Milliarden verschoben und EU-Richtlinien festgelegt werden. Das Museum erscheint wie ein Außenposten der Kultur im Meer bürokratischer Barbarei.

 

400 Werke von 300 Künstlern angekauft

 

Ein hyperaktiver Außenposten: Im Mudam sind stets drei bis vier Ausstellungen gleichzeitig zu sehen. Etwa Daniel Buren, diesmal nicht mit seinen üblichen Streifen-Bildern: Er füllt die «Grand Hall» mit einer begehbaren Konstruktion, die deren Form kopiert und in ein funkelndes Farb- und Lichter-Spiel verwandelt.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine kultiversum-Rezension der Ausstellung „Der Symbolismus in Lettland“ im Musée national d‘ histoire et d’art, Luxemburg.

Im ersten Stock wird in Wechselausstellungen die Mudam-Sammlung gezeigt. Sie umfasst 400 Werke von 300 Künstlern, wirkt aber recht hastig erworben: Zwischen den Arbeiten lassen sich kaum Bezüge herstellen. Da finden sich gelungene Einzelstücke wie Grayson Perrys Porzellan-Vasen im Pop-Art-Dekor oder eine Bilderserie von Judi Werthein & Leandro Erlich, auf der Südländer vor Foto-Tapeten als Wintersportler posieren.

 

Museum als Meisterwerk

 

Aber auch Dürftiges von Claude Closky, der auf 200 Blättern Presse-Figuren mit albernen Sprechblasen garniert. Derlei Flachware kann man getrost ignorieren: Hier ist das Museum selbst das größte Meisterwerk.


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