Remagen

Netzwerk Paris – Abstraction-Création 1931–1937

Die Erfindung der Selbstvermarktung: Um gegen den Surrealismus zu bestehen, gründeten ungegenständlich arbeitende Künstler 1931 in Paris eine Avantgarde-Gruppe, die sehr aktiv und einflussreich werden sollte. Ihr facettenreiches Wirken stellt das Arp Museum umfassend vor – zum ersten Mal seit 47 Jahren. ...weiter

Berlin

Geschichte(n) Tansanias

Politisch korrekte Provinzialität: Die Ausstellung zur Historie des ostafrikanischen Landes ignoriert diese weitgehend. Stattdessen breitet sie gebetsmühlenartig detailverliebte Bekenntnisse zum postkolonialen Bewusstsein aus – Symptom für die Malaise des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum. ...weiter

Bern

Kirchner × Kirchner

Kunst-Import aus dem Bundeskanzleramt: Dort hängt normalerweise „Sonntag der Bergbauern“. Diese Leihgabe ziert nun als Blickfang die große Retrospektive von Ernst Ludwig Kirchner im Kunstmuseum. Sie soll die Wirkung einer Vorläuferschau von 1933 nachzeichnen, löst diesen Anspruch aber nur teilweise ein. ...weiter

Joachim Trier

Sentimental Value

(Kinostart: 4.12.) Wenn diese Wände sprechen könnten: Das Porträt einer Osloer Künstlerfamilie inszeniert Regisseur Joachim Trier so aufgeräumt und psychologisch grundiert wie ein Drama von Ibsen oder Tschechow. Er kann sich dabei auf eine bewährte Crew und ein herausragendes Ensemble verlassen. ...weiter

Noomi Rapace

Teresa – Ein Leben zwischen Licht und Schatten

(Kino-Start: 4.12.) Per aspera ad astra: Mit Armenpflege in Kalkutta wurde Mutter Teresa zur berühmtesten katholischen Ordensschwester der Welt. An der Heiligenlegende strickt Regisseurin Teona Strugar Mitevska zwar nicht mit; ihr Biopic klammert aber Kritik an der Wohltätigkeits-Praxis aus. ...weiter

Michael Kofler

Zweitland

(Kinostart: 4.12.) Terror in Südtirol: Mit Bombenattentaten wollten Separatisten ab 1961 die Loslösung von Italien erzwingen. An dieses wenig bekannte Kapitel europäischer Gewaltgeschichte erinnert Regisseur Michael Kofler mit einem präzise konstruierten Kammerspiel und prägnanten Akteuren. ...weiter

Kunst+Film-Video des Monats:

10.000 Objekte aus Tansania besitzt nach eigenen Angaben das Berliner Ethnologische Museum. Doch im Humboldt Forum wird nur eine Handvoll ausgestellt. Der eingesparte Platz wird für redundante Geißelung kolonialer Gewalt und politisch korrekte Bekenntnisse genutzt. So führt die Ausstellung „Geschichte(n) Tansanias“ das Elend deutscher Afrika-Ignoranz überzeugend vor; bis 25. Mai.

Auch neu im Kino ab 4. Dezember

  • „Stromberg – Wieder alles wie immer“ mit Christoph Maria Herbst („Contra“): Büro-Komödie über Ekel vom Dienst.
  • „Eternity“: Liebeskomödie – eine Frau muss sich im Jenseits zwischen zwei Männern entscheiden.
  • „Der geheimnisvolle Blick des Flamingos“: chilenisches AIDS-Drama – ein Kind, das in einer queeren Familie in der Atacama-Wüste lebt, sucht den Auslöser der tödlichen Krankheit.
  • 15 Liebesbeweise“: Drama – ein lesbisches Paar, das ein Kind erwartet, muss allerlei Vorbereitungen treffen, um die Bürokratie zu überzeugen.
  • „Five Nights at Freddy’s 2“: Horrorfilm-Sequel über schaurige Zwischenfälle in einer Pizzeria nach dem gleichnamigen Computerspiel.

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Oldenburg

Ludwig Münstermann

Kunst-Revolutionär im Oldenburger Land: Für dortige Kirchen schnitzte Ludwig Münstermann um 1600 höchst eigenwillige Skulpturen. Sein Manierismus ist skurril, grotesk, gewagt und südlich von Bremen kaum bekannt. Das Landesmuseum widmet ihm die erste Einzelausstellung – eine echte Entdeckung! ...weiter

Trier

Marc Aurel – Kaiser, Feldherr, Philosoph

Seine „Selbstbetrachtungen“ wurden ein Bestseller – 1400 Jahre nach seinem Tod. Marc Aurel gilt als der wohl beste Kaiser, den das Römische Reich je hatte; doch warum, ist oft unklar. Leben und Taten zeichnet das Rheinische Landesmuseum anschaulich nach – das Stadtmuseum verhebt sich an einer Aktualisierung. ...weiter

Berlin

Irma Stern – eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt

Deutsche Expressionistin in Südafrika: Irma Stern war in beiden Kulturen zuhause und erfolgreich – sie porträtierte Menschen aller Hautfarben. Ihrem vielseitigen Werk widmet das Brücke-Museum eine etwas knapp gehaltene Retrospektive; umso mehr Platz beanspruchen politisch korrekte Kommentare. ...weiter

Ralph Fiennes + Juliette Binoche

Rückkehr nach Ithaka

(Kinostart: 27.11.) Ganz alt, ganz neu: Wie Odysseus zu Penelope heimkehrt und allen Freiern den Garaus macht, inszeniert Regisseur Uberto Pasolini authentisch archaisch – und damit aufregend neuartig. Ralph Fiennes brilliert als ausgebrannter Kriegsheld, nicht minder Juliette Binoche als tugendhafte Gattin. ...weiter

Channing Tatum

Der Hochstapler - Roofman

(Kinostart: 26.11.) Zwischen Spielzeugladen und Patchwork-Familie: Regisseur Derek Cianfance porträtiert in seiner Tragikomödie einen Seriendieb, der zwischen Cocooning und Ersatzvater-Dasein hin und her pendelt. Mit Humor und Humanismus gelingt ihm ein Krimi der etwas anderen Art. ...weiter

Mahdi Fleifel

To a Land Unknown

(Kinostart: 27.11.) Export des Nahost-Konflikts: Zwei Palästinenser, die nach Deutschland fliehen wollen, stranden in Athen – um zu überleben, werden sie kriminell und verlieren ihre Menschlichkeit. Regisseur Mahdi Fleifel porträtiert seine Protagonisten so nüchtern wie eindringlich. ...weiter

Aktuelle Top-Ausstellungen

  • „William Kentridge: Listen to the Echo“: Doppel-Werkschau zum 70. Geburtstag bis 18.1. in Essen + Dresden
  • „Diane Arbus: Konstellationen“: Retrospektive der US-Fotografin bis 18.1. im Gropiusbau, Berlin
  • „Anders Zorn“: Retrospektive des schwedischen Malers (1860-1920) bis 25.1. in der Kunsthalle, Hamburg
  • „Amazonia. Photographs by Sebastião Salgado“ bis 15.3. im Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln
  • „Herkules. Held und Antiheld“: der Halbgott in der bildenden Kunst bis 28.6. in der Gemäldegalerie, Dresden

Arthouse-Kino Top 10 Charts

  1. „Dann passiert das Leben“ mit Anke Engelke + Ulrich Tukur
  2. „Amrum“ von Fatih Akin mit Diane Kruger + Detlev Buck
  3. „Bugonia“ von Giorgos Lanthimos mit Emma Stone
  4. „Die My Love“ mit Jennifer Lawrence + Robert Pattinson
  5. „Mit Liebe und Chansons“ von Ken Scott
  6. „Eddington“ von Ari Aster mit Joaquin Phoenix
  7. „Stiller“ von Stefan Haupt mit Paula Beer + Albrecht Schuch
  8. „Im Schatten des Orangenbaums“ von Cherien Dabis
  9. „Lolita lesen in Teheran“ von Eran Riklis
  10. „The Secret Agent“ von Kleber Mendonça Filho
Speyer

Caesar & Kleopatra

Zweierlei Untergang: Mit dem Tod des berühmtesten (Liebes-?) Paares der Antike endeten auch die Römische Republik und das Reich der Ptolemäer-Dynastie in Ägypten. Die legendäre Mesalliance verknüpft das Historische Museum der Pfalz mit einer eindrucksvollen Darstellung dieser Zeitenwende. ...weiter

München

Auguste Herbin

Der Allesmaler: Herbin schuf nacheinander postimpressionistische, fauvistische, kubistische, ethno-abstrakte, figurative, biomorphe und geometrische Werke – stets farbintensiv und eindrucksvoll. Dem französischen Allround-Modernisten widmet das Lenbach-Haus eine so kompakte wie kompetente Retrospektive. ...weiter

Dresden

Teamwork in Antwerpen! Pieter Bruegel, Hendrick van Balen und die anderen

Bilderflut für gute Bürgerstuben: In Flandern bedienten nach 1600 ganze Maler-Dynastien die wachsende Nachfrage vermögender Kunstsammler. Die Gemäldegalerie zeigt eine beeindruckende Auswahl vor allem aus eigenem Bestand – nur über Künstler-Kooperation erfährt man nicht viel. ...weiter

Andreas Prochaska

Welcome Home Baby

(Kinostart: 27.11.) Ihr Bauch gehört uns: Einen „kleinen dreckigen Horrorfilm” wollte Regisseur Andreas Prochaska drehen – was ihm „ein wenig entglitten“ sei. In der Tat: Sein kraftvoll bebildertes Schauerstück um eine ahnungslose Erbin und verschwörerische Dörfler lässt im Unklaren, worum es eigentlich geht. ...weiter

Joaquin Phoenix + Emma Stone

Eddington

(Kinostart: 20.11.) Beginnt interessant – und verliert dann den Verstand: Regisseur Ari Aster lässt alle Konflikte in den heutigen USA in einem verschlafenen Provinz-Nest frontal aufeinander krachen. Seine rabenschwarze Action-Horror-Western-Komödie ist raffiniert konstruiert, aber nichts für schwache Nerven. ...weiter

Golshifteh Farahani

Lolita lesen in Teheran

(Kinostart: 20.11.) Nabokov vs. Khomeini: Nach der iranischen Revolution 1979 widersetzt sich eine Literaturprofessorin dem Mullah-Regime – und muss abermals das Land verlassen. In seiner Bestseller-Adaption zelebriert der israelische Regisseur Eran Riklis geradezu weihevoll die befreiende Wirkung von Lektüre. ...weiter

Kommende Top-Ausstellungen

  • „Welt aus Fäden. Bildteppiche der Moderne“: textile Kunstwerke vom 11.12. bis 12.4. im Museum der bildenden Künste, Leipzig
  • „Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde“ vom 7.2. bis 17.5. im Saarlandmuseum – Moderne Galerie, Saarbrücken
  • „Paula Modersohn-Becker + Edvard Munch. Große Fragen des Lebens“ vom 8.2. bis 31.5. im Albertinum, Dresden
  • „Wettstreit mit der Wirklichkeit. 60 Jahre Fotorealismus“ vom 28.2. bis 2.8. im Museum Frieder Burda, Baden-Baden
  • „Constantin Brâncuși“: große Retrospektive des Bildhauers vom 20.3. bis 9.8. in der Neuen Nationalgalerie, Berlin

Kommende Top-Kinofilme 2025/6

  • Der Held vom Bahnhof Friedrichsstraße“ von Wolfgang Becker (“Ich und Kaminski”): Hochstapler-Komödie über Videotheken-Besitzer, der zum Drahtzieher einer DDR-Massenflucht per S-Bahn stilisiert wird; Start: 11.12.
  • „Avatar: Fire and Ash (3D)“: dritter Teil der aufwändigen Sci-Fi-Saga von James Cameron („Avatar – The Way of Water“); Start: 17.12.
  • „Der Medicus 2“ von Philipp Stölzl („Schachnovelle“): Fortsetzung des Erfolgsfilms von 2013 über einen Mediziner im 11. Jahrhundert; Start: 25.12.
  • „Der Fremde“ von François Ozon („Wenn der Herbst naht“): Verfilmung des Romans von Albert Camus: Junger Mann begeht Totschlag im Algerien der 1930er Jahre; Start: 1.1.
Berlin

Camille Claudel und Bernhard Hoetger – Emanzipation von Rodin

Wiedersehen nach 120 Jahren: 1905 wurden Skulpturen von Camille Claudel und Bernhard Hoetger in einer Pariser Galerie ausgestellt, nun rekonstruiert die Alte Nationalgalerie diese Schau. Sie vereint zwei Hauptvertreter des Impressionismus in der Bildhauerei – Plastiken voller Schwung und Dynamik. ...weiter

Bonn

Susan Sontag: Sehen und gesehen werden

Das Leiden anderer betrachten: Die US-Publizistin Susan Sontag war mit ihren Analysen von Film und Fotografie enorm einflussreich. Die Bundeskunsthalle würdigt sie als die wohl vielseitigste Kultur-Theoretikerin ihrer Zeit – mit einer so kompakten wie kompetenten Porträt-Schau. ...weiter

Hamburg

Rendezvous der Träume - Surrealismus und deutsche Romantik

Wiederverzauberung der Welt als Mission: Der Surrealismus war in vielerlei Hinsicht von der Romantik inspiriert. Das zeigt eine große Gedenkausstellung zum 100. Jahrestag der Gründung in der Kunsthalle mit etlichen erstklassigen Leihgaben – womit sie verblüffende Wahlverwandtschaften sichtbar macht. ...weiter

Stéphane Sorlat

Das Geheimnis von Velázquez

(Kinostart: 20.11.) Alles überall auf einmal: Seinen Essay-Film über Leben und Werk des spanischen Barockmalers reichert Regisseur Stéphane Sorlat mit derart vielen Experten-Stimmen und anderen Elementen an, dass ohne Vorkenntnisse Verwirrung droht. Dadurch wirkt dieses Patchwork sehr französisch. ...weiter

Bonn + Frankfurt am Main

W.I.M. – Die Kunst des Sehens

Chronist bundesdeutscher Sinnsuche: Mit Sendungsbewusstsein, Fleiß und Netzwerken wurde Wim Wenders zum Urgestein des Neuen Deutschen Films. Bundeskunsthalle und DFF widmen ihm eine Gedenkschau zum 80. Geburtstag – sie präsentiert sein Lebenswerk opulent und glänzend arrangiert. ...weiter

Jennifer Lawrence + Robert Pattinson

Die My Love

(Kinostart: 13.11) Die Leere nach der Geburt: Regisseurin Lynne Ramsay porträtiert ein junges Paar, das sich nach den Flitterwochen rasch entfremdet. Trotz großartiger Hauptdarsteller lässt das Psychodrama ratlos zurück – zu viele miteinander vermengte Realitätsebenen verunklaren, was geschieht. ...weiter