Wiesbaden

Wasser im Jugendstil – Heilsbringer und Todesschlund

Nah am Wasser gebaut: Wiesbaden lebt prächtig vom heilenden Nass. Wie derartige Motive die Kunst um 1900 von Symbolismus und Jugendstil geradezu überfluteten, führt das Museum bei Gemälden und Kunsthandwerk vor – allerdings willkürlich ausgeschüttet und kaum kommentiert. ...weiter

Berlin

Komplett-Eröffnung Museen Humboldt Forum

Mit der Eröffnung der Ostflügel von Asien- und Ethnologie-Museum ist das Humboldt Forum vollständig zugänglich. Als Flickenteppich von politkorrekter Publikums-Brüskierung bis zu exzellenter Vermittlung – über das Wechselbad der Eindrücke trösten lang vermisste Spitzenwerke hinweg. ...weiter

Kassel

documenta fifteen: Hallenbad Ost, St. Kunigundis und Hübner-Areal

Zeit für eine vorläufige Bilanz: Der Antisemitismus-Skandal belegt, wie hartnäckig das Kunst-Establishment an Privilegien festhält. Das davon unbeeindruckte Publikum erfreut sich an farbenfroh exotischen Bilderwelten, etwa von Taring Padi aus Java und Atis Resistanz aus Haiti. ...weiter

Albrecht Schuch + Daniel Brühl

Im Westen nichts Neues

(Kinostart: 29.9.) Nach fast 100 Jahren die erste deutsche Verfilmung: Regisseur Edward Berger wagt sich an den berühmten deutschen Anti-Kriegs-Roman von Erich Maria Remarque – und liefert wie dieser eine expressive Schilderung der Greuel im Granatenhagel an der Westfront des 1. Weltkriegs. ...weiter

Elyas M'Barek

Tausend Zeilen

(Kinostart: 29.9.) Den Leuten erzählen, was sie hören wollen: Damit wurde der Hochstapler Claas Relotius zum Starreporter, bis er 2018 aufflog. Diesen Medienskandal verfilmt Komödien-Mogul Michael Bully Herbig – als klischeelastige Heldenreise, aber mit tiefen Einblicken in Defizite des Medienbetriebs. ...weiter

Cem Kaya

Liebe, D-Mark und Tod – Aşk, Mark ve Ölüm

(Kinostart: 29.9.) Zwölf Goldene Schallplatten, aber nie in der deutschen Hitparade: Die Musik türkischer Migranten spielt in einem Paralleluniversum. Ihre Geschichte breitet die Doku von Regisseur Cem Kaya als launiges Patchwork aus – eine faszinierende Expedition ins Unbekannte. ...weiter

Kunst+Film-Video des Monats:

Im Dauerstreit um vermeintlichen Antisemitismus auf der documenta fifteen wird völlig übersehen, dass sie die farbenfroheste und sinnlichste Schau seit langem ist. Besonders prächtigen Augenschmaus in exotisch fremdartigen Formensprachen bieten Taring Padi, Atis Resistanz und das Hübner-Areal an Standorten im Osten von Kassel; noch bis 25. September.

Auch neu im Kino ab 29. September

  • „Weinprobe für Anfänger“ von Ivan Calbérac: französische Romcom – ein Weinladen steht vor Bankrott, bis die Betreiberin Verkostungs-Seminare anbietet.
  • „Da kommt noch was“: Liebesdrama über eine ältere verlassene Frau, die sich unversehens in einen jungen Polen verliebt.
  • „Das Böse im Wald“: deutscher Thriller – eine Schauspielerin verschwindet bei Dreharbeiten im Forst.
  • „Rex Gildo – Der letzte Tanz“ von Rosa von Praunheim („Härte“): Doku über Nicht-Coming Out des Schlagersängers.
  • „Smile – Siehst Du es auch?“: Horror-Thriller – nach einem traumatischen Erlebnis dreht eine Psychiaterin durch, und das Böse ergreift Besitz von ihr.

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Berlin

Donatello – Erfinder der Renaissance

Allein hat er diese Kunstepoche nicht erfunden, aber sie fortentwickelt wie kaum ein anderer: Donatello war der überragende Bildhauer der Frührenaissance. Ihn würdigt die Gemäldegalerie mit einer grandiosen Retrospektive seiner Meister-Skulpturen und -Reliefs – in der Altmeister-Ausstellung des Jahres. ...weiter

Bayreuth

Kunst aus Nigeria: Uche Okeke + Nsukka School

Biafra in Bayreuth: Uche Okeke war einer der bedeutendsten Künstler im entkolonialisierten Schwarzafrika. Was er und seine Mitstreiter der Nsukka School schufen, präsentiert eine Retrospektive im Iwalewahaus – in afrikanischer Manier: mit wenig Informationen, aber blumiger Poesie. ...weiter

München

Samnium + die Samniten – Roms letzter Rivale

Wehe den Besiegten: Die Samniten leisteten lange Widerstand gegen die Römer, bevor sie unterworfen wurden. Wie schwierig es ist, ein genaues Bild dieses mysteriösen Volks zu gewinnen, zeigt die bislang umfassendste und bedeutendste Ausstellung über sie in den Staatlichen Antikensammlungen. ...weiter

Natalia Sinelnikova

Wir könnten genauso gut tot sein

(Kinostart: 29.9.) Mikrokosmos Luxushochhaus: In einer bissigen Parabel auf unsere überängstliche und konformitätsbesessene Gesellschaft lotet Regisseurin Natalia Sinelnikova die Grenzen der Anpassung aus. Ein wagemutiges Debüt in hyperrealen Bildern und beeindruckendem Soundtrack. ...weiter

François Ozon

Peter von Kant

(Kinostart: 22.9.) Porträt der Theaterfigur als gealterter Autor: Regisseur François Ozon verfilmt das Drama „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ seines Idols Rainer Werner Fassbinder neu. Präzise inszeniert und liebevoll ausgestattet – doch als Fan nimmt Ozon Fassbinders Nabelschau zu wörtlich. ...weiter

Charly Hübner

Mittagsstunde

(Kinostart: 22.9.) Wenn der Postmann nicht mehr klingelt: Das schleichende Sterben vieler Dörfer wird selten thematisiert. Im Roman von Dörthe Hansen kehrt ein Akademiker in seinen nordfriesischen Heimatort zurück – das verfilmt Regisseur Lars Jessen mit Witz und lakonischer Melancholie. ...weiter

Reportage: Spazierfahrt nach Syrakus

Auf den Spuren von Johann Gottfried Seumes legendärem „Spaziergang nach Syrakus“ 1802 radelt Oliver Heilwagen von Sachsen bis Sizilien. Dabei vergleicht er, was Seume damals sah, mit dem heutigen Italien. Abseits der Rennstrecken führt seine Reportage „Spazierfahrt nach Syrakus“ durch kaum bekannte Gegenden: von schrägen Schönheiten am Straßenrand bis zur Bar als Lebensraum.
304 S. mit 1 Karte + 80 Fotos; 20 €. (Anzeige)

Arthouse-Kino Top 10 Charts

    1. „Mittagsstunde“ mit Charly Hübner
    2. „Don’t Worry Darling“ von Olivia Wilde
    3. „Der Gesang der Flusskrebse“ von Olivia Newman
    4. Freibad“ von Doris Dörrie
    5. „Das Leben ein Tanz“ von Cédric Klapisch
    6. „Moonage Daydream“ von Brett Morgen
    7. „Die Känguruh-Verschwörung“ von Kling + Berner
    8. Die Küchenbrigade“ von Louis-Julien Petit
    9. „Unsere Herzen, ein Klang“ v. Striegnitz + Dobmeier
    10. „Dancing Pina“ von Florian Heinzen-Ziob
Potsdam + Wien

Die Form der Freiheit – Abstraktion nach 1945

Aufregende Anarchie auf der Leinwand: In der Nachkriegszeit dominierte ungegenständliche Malerei die Westkunst. Abstrakter Expressionismus und Informel gaben sich radikal subjektiv – eindrucksvolle Beispiele von 50 Künstlern versammelt der Epochen-Überblick im Museum Barberini. ...weiter

Aschaffenburg

Christian Schad Museum – Neueröffnung

Neusachlicher Maler der mondänen Moderne, Esoteriker und Opportunist: Christian Schad war eine der schillerndsten Künstlerpersönlichkeiten der Zwischenkriegszeit. Ein neues, ihm gewidmetes Museum präsentiert opulent und anschaulich sämtliche Facetten von Werk und Charakter. ...weiter

Berlin

No Master Territories: Feminist Moving Image

Emanzipation frauenbewegter Bilder: Das Haus der Kulturen der Welt stellt feministische Filmemacherinnen mit Werken aus den 1970er bis 1990er Jahren vor. Beim Rückblick fällt auf: Trotz ähnlicher Themen waren die Pionierinnen origineller und experimentierfreudiger als ihre Nachfolgerinnen. ...weiter

David Bowie

Moonage Daydream

(Kinostart: 15.9.) The Man Who Sold the World: David Bowie war einer der vielseitigsten und einflussreichsten Künstler der Pop-Ära. Ihm widmet Regisseur Brett Morgen eine schillernde Hommage: mit einem farbensprühenden Doku-Essayfilm, der vor Ideen birst – und allein auf Bowies Worten beruht. ...weiter

Florian Heinzen-Ziob

Dancing Pina

(Kinostart: 15.9.) Wie lässt sich Tanz-Geschichte lebendig halten? Die Wuppertaler Compagnie von Pina Bausch vermittelt ihre Choreographien zwei Ensembles in Dresden und Dakar – wie daraus neue Inszenierungen entstehen, zeichnet die Doku von Regisseur Florian Heinzen-Ziob schön anschaulich nach. ...weiter

Annika Pinske

Alle reden übers Wetter

(Kinostart: 15.9.) Vom Plattenbau ins Hegel-Seminar: Regisseurin Annika Pinske porträtiert eine Bildungsaufsteigerin, die sich von ihrer Herkunft entfremdet hat. Ihre präzise Milieustudie wirkt passagenweise so nüchtern und spröde wie ein Soziologie-Seminar. ...weiter

Aktuelle Top-Ausstellungen

  • Komplett-Eröffnung des Humboldt-Forums mit zweitem Teil der Dauerausstellung ab 17.9. in Berlin
  • „Moved by Schlemmer. 100 Jahre Triadisches Ballett“ bis 9.10. in der Staatsgalerie Stuttgart
  • „Louise Bourgeois: The Woven Child“: große textile Arbeiten bis 23.10. im Gropiusbau, Berlin
  • „Schliemanns Welten“: große Gedenkschau für den Troja-Entdecker bis 6.11. in der James-Simon-Galerie, Berlin
  • „Heinrich Vogeler. Der Neue Mensch“: Gesamtwerk des Jugendstil-Malers bis 6.11. in den Museen von Worpswede
  • Der Untergang des Römischen Reiches“ bis 27.11. im Rheinischen Landesmuseum + zwei weiteren Museen, Trier

Kommende Top-Kinofilme 2022

  • „Rimini“ von Ulrich Seidl („Paradies: Liebe“, „Paradies: Glaube“): Porträt eines abgehalfterten Schlagerstars, der sich mit Liebesdiensten über Wasser hält; Start: 6.10.
  • „The Woman King“ von Gina Prince-Bythewood: Historienfilm über schwarze Generalin in Dahomey, die gegen französische Kolonisatoren kämpft; Start: 6.10.
  •  „Triangle of Sadnessvon Ruben Östlund („Höhere Gewalt“, “The Square”): sarkastische Satire über Globalisierungs-Klassengegensätze, Cannes-Sieger; Start: 13.10.
  • „November“ mit Jean Dujardin („The Artist“) + Sandrine Kimberlain („Violette“): Thriller über Terroranschlag-Serie 2015 in Paris – Polizei sucht Drahtzieher; Start: 20.10. 
Kassel

documenta fifteen: documenta Halle und Ottoneum

Die Jagd auf antisemitische Kunstwerke nimmt inquisitorische Züge an – obwohl fast alle Beiträge nichts damit zu tun haben, wie ein Rundgang durch die documenta Halle und das Ottoneum zeigt. Doch das lumbung-Prinzip bedroht das Geschäftsmodell des Kunstmarkts. Da hilft nur: Nächstes Mal in Jerusalem! ...weiter

Berlin

Hollywood

Als die Filmbilder stehen lernten: Ohne Set- und Werbe-Fotografie ist Kino nicht denkbar. Ihre Entwicklung zeichnet das Museum für Fotografie in einer kompakten Ausstellung mustergültig nach – von glamourösen Star-Porträts bis zur Demontage des Mythos durch Freaks am Straßenrand. ...weiter

München

Stille Rebellen: Polnischer Symbolismus um 1900

Expedition in eine Terra Incognita gleich nebenan: Die Klassische Moderne unseres östlichen Nachbarlands ist hierzulande kaum bekannt. Die Kunsthalle stellt die Bewegung des „Jungen Polen“ in allen Facetten vor, von stimmungsvollen Landschaften bis zu Historien-Fantasy – anschaulich präsentiert und erklärt. ...weiter

Cédric Klapisch

Das Leben ein Tanz

(Kinostart: 8.9.) Karriereknick durch Knacks im Knöchel: Nach ihrem Unfall muss eine Ballerina die Bühne verlassen. Wie ihr Zufälle helfen, sich neu zu orientieren, zeigt Regisseur Cédric Klapisch so lebhaft wie einfühlsam – und mit atemberaubenden Tanzszenen. ...weiter

Blerta Basholli

Hive

(Kinostart: 8.9.) Paprika-Püree als Emanzipations-Vehikel: Damit befreit sich eine junge Witwe im Kosovo aus der Bevormundung der patriarchalischen Dorfgemeinschaft. Ihre Selbstermächtigung begleitet Regisseurin Blerta Basholli mit Bildern, die lange nachhallen. ...weiter

Berlin

Werner Herzog

Jeder für sich und Gott gegen alle: In 60 Jahren hat Werner Herzog rund 70 Filme gedreht – als Einzelkämpfer. Die Gedenkschau der Deutschen Kinemathek zum 80. Geburtstag fällt nach gelungenem Auftakt stark ab; sie setzt zu sehr auf Digital-Gadgets anstatt auf ekstatische Wahrheiten. ...weiter