Dresden + Wiesbaden

Weltflucht und Moderne – Oskar Zwintscher

Ein sächsischer Gustav Klimt, mit Betonung auf sächsisch: Das Albertinum will den Maler Oskar Zwintscher als Star-Künstler der Zeit um 1900 rehabilitieren. Was nur bedingt überzeugt: Der handwerklich hervorragende Porträtist schuf ansonsten eher unoriginell überladene Werke. ...weiter

Potsdam

Surrealismus und Magie – Verzauberte Moderne

Kunst-Revolution mit Okkultismus und Alchemie: Beides schätzten die Gefolgsleute von André Breton als Motiv-Fundus. Die Themen-Schau im Museum Barberini präsentiert etliche kaum bekannte Meisterwerke, manövriert aber die surrealistische Bewegung zu sehr in die Esoterik-Ecke. ...weiter

Trier

Der Untergang des Römischen Reiches

So vergeht der Ruhm der Welt: Warum das Imperium Romanum zerfiel und sich auflöste, ist seit 1500 Jahren umstritten. Eine hervorragend gestaltete Ausstellungs-Trias in drei Museen entwirrt die komplexe Gemengelage von Faktoren – Rom wurde nicht an einem Tag zerstört, und viele wirkten daran mit. ...weiter

Jun Li

Cloudy Mountain

(Kinostart: 1.12.) China als Hightech-Kaserne: Im Actionthriller von Regisseur Jun Li retten Vater und Sohn fast im Alleingang eine Großstadt vor einem Erdrutsch. Abgesehen von genreüblichen Absurditäten führt der Film die gegenwärtige quasimilitärische Ausrichtung des Landes vor. ...weiter

Frances O'Connor

Emily

(Kinostart: 24.11.) Ein Romandebüt schreiben und sterben: „Wuthering Heights“ sicherte Emily Brontë ihren Platz in der englischen Literaturgeschichte – ein Jahr vor dem frühen Tod 1848. In ihrem Porträt gibt sich Regisseurin Frances O'Connor wilden Spekulationen hin, was dem Film durchaus gut tut. ...weiter

Elene Naveriani

Wet Sand

(Kinostart: 24.11.) Hetero-Zwang selbst nach dem Suizid: Dass der Tote zu Lebzeiten eine schwule Beziehung hatte, wühlt ein georgisches Schwarzmeerdorf auf. Regisseurin Elene Naveriani blickt kühl distanziert, aber sorgfältig inszeniert auf eisern patriarchalische Verhältnisse. ...weiter

Kunst+Film-Video des Monats:

Er ist weniger berühmt als andere Renaissance-Genies, doch der Florentiner Bildhauer Donatello (1386-1466) war einer der innovativsten Künstler seiner Epoche – auf ihn gehen zahllose Neuerungen zurück. „Donatello – Erfinder der Renaissance“ in der Berliner Gemäldegalerie ist eine hervorragende Werkschau mit vielen noch nie in Deutschland gezeigten Arbeiten; noch bis 8. Januar.

Auch neu im Kino ab 24. November

  • „Zeiten des Umbruchs“ von James Gray („Die versunkene Stadt Z“): Semi-autobiografisches Drama über die New Yorker Kindheit des Regisseurs in den 1980er Jahren.
  • „Grump“ von Mika Kaurismäki („Master Cheng in Pohjanjoki“): deutsch-finnisches Roadmovie über einen 70-jährigen  Miesepeter, der für Autokauf nach Hamburg fährt.
  • Mad Heidi“: Trash-Groteske aus der Schweiz über die Kinderbuch-Heldin in einer Nazi-Dystopie.
  • „Servus Papa, see you in Hell“: Dokudrama über 14-Jährige, die in der Kommune des „Wiener Aktionisten“ Otto Mühl aufwächst und sexuell missbraucht wird.
  • „Shattered – Gefährliche Affäre“ mit John Malkovich: US-Erotik-Thriller – IT-Millionär wird von Schönheit verführt.

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Berlin

Schliemanns Welten

Heinrich Schliemann war viel mehr als nur der Entdecker von Troja. Als polyglotter Kaufmann wurde er mit unter 30 Millionär – später reiste er ständig um die Welt. Seine abenteuerliche Biographie reicht für ein Dutzend Leben aus; das zeigt eine anschauliche Gedenkschau zum 200. Geburtstag in zwei Museen. ...weiter

Berlin

Louise Bourgeois – The Woven Child

Drastisch surrealistische Skulpturen und Installationen voller expliziter Symbolik machten die französisch-amerikanische Bildhauerin weltberühmt. Der Gropius Bau stellt die textilen Arbeiten ihres Spätwerks aus – in der sterilen Inszenierung geht viel von ihrer verstörenden Wucht verloren. ...weiter

München

Jenseits von Hellas – Santiago Calatrava

Zwerge, die auf den Schultern von Riesen stehen: Der spanische Stararchitekt zeigt in der Glyptothek Skulpturen, die von antiken Vorbildern inspiriert sind. Eine eindrucksvolle Tour d’Horizon durch zeitlose Prinzipien der Darstellung von Menschen – allerdings kümmerlich erläutert. ...weiter

Luca Guadagnino

Bones and all

(Kinostart: 24.11.) Dieses Liebespaar hat sich zum Fressen gern: Regisseur Luca Guadagnino schildert sein Porträt junger Kannibalen teils als Romantik-Roadmovie, teils als blutrünstigen Horrorstreifen, der dem Publikum unappetitliche Details nicht erspart – ein schwer verdaulicher Genre-Mix. ...weiter

Alejandro G. Iñárritu

Bardo, die erfundene Chronik einer Handvoll Wahrheiten

(Kinostart: 17.11.) Seelenstriptease als Cinemascope-Trip: Der Rückblick von Starregisseur Alejandro G. Iñárritu auf seinen Werdegang ist eine atemberaubend bildgewaltige Reflexion über den Geisteszustand zwischen Diesseits und Jenseits – Traumlogik als totales Kino, das alle Register zieht. ...weiter

Ralph Fiennes

The Menu

(Kinostart: 17.11.) Spezialhölle für Superfoodies: Ein gefeierter Spitzenkoch lässt dekadente Gourmets einen unvergesslichen Abend im Luxus-Restaurant erleben. Regisseur Mark Mylod richtet seine gallige Gesellschaftskritik aus erlesenen Zutaten an – Ralph Fiennes glänzt als ausgebrannter Küchendiktator. ...weiter

Reportage: Spazierfahrt nach Syrakus

Auf den Spuren von Johann Gottfried Seumes legendärem „Spaziergang nach Syrakus“ 1802 radelt Oliver Heilwagen von Sachsen bis Sizilien. Dabei vergleicht er, was Seume damals sah, mit dem heutigen Italien. Abseits der Rennstrecken führt seine Reportage „Spazierfahrt nach Syrakus“ durch kaum bekannte Gegenden: von schrägen Schönheiten am Straßenrand bis zur Bar als Lebensraum.
304 S. mit 1 Karte + 80 Fotos; 20 €. (Anzeige)

Arthouse-Kino Top 10 Charts

    1. „Triangle of Sadness“ von Ruben Östlund
    2. „The Menu“ von Mark Mylod mit Ralph Fiennes
    3. „Mrs. Harris und ein Kleid von Dior“ von A. Fabian
    4. Hallelujah: Leonard Cohen, a Journey, a Song“
    5. „Amsterdam“ von David O. Russell
    6. „Die Goldenen Jahre“ von Barbara Kulcsar
    7. „Mittagsstunde“ mit Charly Hübner
    8. „In einem Land, das es nicht mehr gibt“
    9. „Tenor – Eine Stimme, zwei Welten“ von C. Zidi
    10. „Elfriede Jelinek – Sprache von der Leine lassen“
Wiesbaden

Wasser im Jugendstil – Heilsbringer und Todesschlund

Nah am Wasser gebaut: Wiesbaden lebt prächtig vom heilenden Nass. Wie derartige Motive die Kunst um 1900 von Symbolismus und Jugendstil geradezu überfluteten, führt das Museum bei Gemälden und Kunsthandwerk vor – allerdings willkürlich ausgeschüttet und kaum kommentiert. ...weiter

Berlin

Komplett-Eröffnung Museen Humboldt Forum

Mit der Eröffnung der Ostflügel von Asien- und Ethnologie-Museum ist das Humboldt Forum vollständig zugänglich. Als Flickenteppich von politkorrekter Publikums-Brüskierung bis zu exzellenter Vermittlung – über das Wechselbad der Eindrücke trösten lang vermisste Spitzenwerke hinweg. ...weiter

Kassel

documenta fifteen: Hallenbad Ost, St. Kunigundis und Hübner-Areal

Zeit für eine vorläufige Bilanz: Der Antisemitismus-Skandal belegt, wie hartnäckig das Kunst-Establishment an Privilegien festhält. Das davon unbeeindruckte Publikum erfreut sich an farbenfroh exotischen Bilderwelten, etwa von Taring Padi aus Java und Atis Resistanz aus Haiti. ...weiter

Masaaki Yuasa

Inu-Oh

(Kinostart: 17.11.) Wilder Crashkurs in japanischer Geschichte: Masaaki Yuasa verarbeitet eine alte Legende zu einem zeiten- und stilübergreifenden Rockmärchen mit inhaltlichem Tiefgang. Mit brillanten Animationen schafft er einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. ...weiter

David Cronenberg

Crimes of the Future

(Kinostart: 10.11.) Chirurgie ist der neue Sex: Regisseur David Cronenberg, der Meister des Body Horrors, entwirft eine gruslige Welt – Organe wuchern wild, Amputationen verlaufen schmerzfrei und Stühle helfen beim Schlucken. Am schlimmsten ist: Diese Dystopie spielt in realen griechischen Kulissen. ...weiter

Isabelle Huppert + Lambert Wilson

Mrs. Harris und ein Kleid von Dior

(Kinostart: 10.11.) Nichts geht über schicken Fummel vom Nobelschneider: Dafür tut eine Putzfrau alles. Paul Gallicos Aschenputtel-Erfolgsroman von 1958 hat Regisseur Anthony Fabian neu verfilmt: als charmante Sittenkomödie mit Retro-Flair, liebevoll ausgestattet und konsequent märchenhaft. ...weiter

Aktuelle Top-Ausstellungen

  • Die Oper ist tot – Es lebe die Oper!“: Geschichte des Musiktheaters bis 5.2.2023 in der Bundeskunsthalle, Bonn
  • „Chagall. Welt in Aufruhr“: Werke aus den 1930/40er Jahren bis 19.2.2023 in der Schirn Kunsthalle, Frankfurt/ Main
  • „Susanna – Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo“ bis 26.2.2023 im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
  • „Die Normannen“: Mobilität, Eroberung und Innovation bis 26.2.2023 in den Reiss-Engelhorn-Museen, Mannheim
  • „Pompeji und Herculaneum – Leben und Sterben unter dem Vulkan“ bis 12.3.2023 im SMAC, Chemnitz
  • „Die Habsburger im Mittelalter“: Aufstieg einer Dynastie bis 16.4.2023 im Historischen Museum, Speyer

Kommende Top-Kinofilme 2022

  • „Call Jane“ mit Elizabeth Banks („Love & Mercy“) + Sigourney Weaver („Chappie“, „Red Lights“): Frauen-Kollektiv organisiert in den 1960ern illegale Abtreibungen; Start: 1.12.
  • „Weißes Rauschen“ von Noah Baumbach („Frances Ha“) mit Adam Driver („The Last Duel“): Adaption eines Romans von Don DeLillo über Panik nach einem Chemieunfall; Start: 8.12.
  • She said“ von Maria Schrader („Ich bin dein Mensch“) mit Carey Mulligan („Suffragette“): Doku-Drama über Journali-stinnen, die Harvey Weinstein überführten; Start: 8.12.
  • „Avatar: The Way of Water“ von James Cameron: Sequel zum SciFi-Film „Avatar: Aufbruch nach Pandora“ (2009), dem erfolgreichsten Film aller Zeiten; Start: 14.12.
Berlin

Donatello – Erfinder der Renaissance

Allein hat er diese Kunstepoche nicht erfunden, aber sie fortentwickelt wie kaum ein anderer: Donatello war der überragende Bildhauer der Frührenaissance. Ihn würdigt die Gemäldegalerie mit einer grandiosen Retrospektive seiner Meister-Skulpturen und -Reliefs – in der Altmeister-Ausstellung des Jahres. ...weiter

Bayreuth

Kunst aus Nigeria: Uche Okeke + Nsukka School

Biafra in Bayreuth: Uche Okeke war einer der bedeutendsten Künstler im entkolonialisierten Schwarzafrika. Was er und seine Mitstreiter der Nsukka School schufen, präsentiert eine Retrospektive im Iwalewahaus – in afrikanischer Manier: mit wenig Informationen, aber blumiger Poesie. ...weiter

München

Samnium + die Samniten – Roms letzter Rivale

Wehe den Besiegten: Die Samniten leisteten lange Widerstand gegen die Römer, bevor sie unterworfen wurden. Wie schwierig es ist, ein genaues Bild dieses mysteriösen Volks zu gewinnen, zeigt die bislang umfassendste und bedeutendste Ausstellung über sie in den Staatlichen Antikensammlungen. ...weiter

Michelangelo Frammartino

Il Buco – Ein Höhlengleichnis

(Kinostart: 10.11.) Jeder Mensch ist ein Abgrund – aber wie menschlich ist dieser Abgrund? 1961 erkunden Forscher die tiefste Höhle Süditaliens. Das stellt Regisseur Michelangelo Frammartino semidokumentarisch nach; mit unvergesslichen Bildern eines waghalsigen Abstiegs ins Unbekannte. ...weiter

Leah Purcell

The Drover's Wife – Die Legende von Molly Johnson

(Kinostart: 10.11.) One-Woman-Show im Outback: Eine klassische australische Kurzgeschichte bürstet Regisseurin Leah Purcell aus feministischer und indigener Sicht gegen den Strich. Für die mit Konflikten überfrachtete Handlung entschädigen grandiose Landschafts-Aufnahmen. ...weiter

Hans-Christian Schmid

Wir sind dann wohl die Angehörigen

(Kinostart: 3.11.) Realismus statt Spektakel: Die Reemtsma-Entführung 1996, einen der spektakulärsten Kriminalfälle der bundesdeutschen Geschichte, schildert Regisseur Hans-Christian Schmid aus der Perspektive seines 13-jährigen Sohnes – als Coming-of-Age-Geschichte besonderer Art. ...weiter