Venedig

60. Biennale Venedig: Foreigners Everywhere

Expedition auf unbekannte Kunst-Kontinente: Die Biennale rückt lange ignorierte Künstler aus dem globalen Süden und den Rändern der Gesellschaft ins Rampenlicht – von Abstraktion aus dem Orient über Wimmelbilder fremder Lebenswelten bis zu Stammbäumen über 65.000 Jahre und Kriegs-Karaoke aus der Ukraine. ...weiter

Frankfurt am Main

The Culture - Hip-Hop und zeitgenössische Kunst

Das wurde auch Zeit: Hip-Hop wird bald 50 Jahre alt und ist weltweit enorm erfolgreich, doch im Kulturbetrieb immer noch ein wenig beachteter Exot. Die Schirn Kunsthalle widmet ihm eine opulente Überblicks-Schau – die aber aus der Binnenperspektive und Selbststilisierung kaum herauskommt. ...weiter

Berlin

Caspar David Friedrich – Unendliche Landschaften

Wo der romantische Maler gleich zwei Mal entdeckt wurde: Für den Durchbruch von C.D. Friedrich war die Alte Nationalgalerie entscheidend, doch zum 250. Geburtstag widmet sie ihm erstmals eine Werkschau – diese lässt in ihrer Konzentration auf „Friedrich pur“ keine Wünsche offen. ...weiter

Agnes Lisa Wegner + Cece Mlay

Das leere Grab

(Kinostart: 23.5.) Keine Raubkunst, sondern Leichenschändung: Im Maji-Maji-Krieg in Ostafrika wurden zahlreiche Schädel getöteter Schwarzer nach Deutschland abtransportiert – Nachfahren fordern sie zurück. Darauf macht die Doku des Regie-Duos Wegner und Mlay aufmerksam, aber nur aus der Ameisenperspektive. ...weiter

Nuri Bilge Ceylan

Auf trockenen Gräsern

(Kinostart: 16.5.) Lost in Ostanatolien: Ein dorthin versetzter Lehrer hadert mit seinem Dienstort – zwei Frauen sorgen für Bewegung. Rund um seine grübelnde Hauptfigur entfaltet Regisseur Nuri Bilge Ceylan ein so diskretes wie eindrucksvolles Panorama der Folgen eines latenten Bürgerkriegs. ...weiter

Günter Atteln

Joana Mallwitz – Momentum

(Kinostart: 16.5.) Die menschenscheue Maestra: Sein Porträt der Star-Dirigentin Joana Mallwitz gerät dem Filmemacher Günter Atteln über weite Strecken zum Werbefilm. Energie und Leidenschaft der Neu-Berlinerin vermittelt die Dokumentation aber überzeugend. ...weiter

Kunst+Film-Video des Monats:

Die zweite von drei großen Retrospektiven von Caspar David Friedrich zum 250. Geburtstag übertrifft ihre Hamburger Vorgängerin sowohl in der Konzeption wie der Präsentation: Großzügig gehängt, bietet „Unendliche Landschaften“ mehr als 100 seiner Meisterwerke ohne zeitgeistigen Schnickschnack auf. Quasi Friedrich pur – nur ergänzt um ein paar Leuchtkästen mit heutigen Foto-Collagen seiner berühmtesten Motive. Bis 4. 8. in der Alten Nationalgalerie, Berlin.

Ab 23. Mai im Kino:

Frankfurt am Main

Honoré Daumier – Die Sammlung Hellwig

Top-Influencer im Zweiten Kaiserreich: Die Turbulenzen des 19. Jahrhunderts mit seiner Turbo-Modernisierung, sozialen Spaltung und Aufständen hat niemand treffender festgehalten als der Karikaturist Honoré Daumier. Das zeigt die schön komponierte Auswahl aus einer Privatsammlung im Städel Museum. ...weiter

Berlin

Ari-Arirang. Korea – Faszination für ein verschlossenes Königreich

Eine Premiere: Das Museum für Asiatische Kunst und das Ethnologische Museum richten ihre erste Sonderausstellung im Humboldt Forum aus. Doch über die koreanische Kultur erfährt man wenig – den Schauraum füllen willkürlich ausgewählte Exponate wie Kopfbedeckungen und Theatermasken. ...weiter

Berlin

Das Romanische Cafe im Berlin der 1920er Jahre

„Nacht! Tauentzien! Kokain! – Das ist Berlin!“ Und mittendrin das Romanische Café: Es war das wichtigste In-Lokal der Weimarer Republik für alle Kreative, die einen Namen hatten – oder gern gehabt hätten. Wie es zum Mythos wurde, zeigt eine charmante Studio-Ausstellung am Original-Schauplatz. ...weiter

Potsdam

Voll das Leben! Andreas Dresen und Team

Man kann über jeden Menschen einen spannenden Film machen: Diese Maxime hat Regisseur Andreas Dresen in bislang 19 Filmen verwirklicht. Eine liebevoll aufbereitete Ausstellung im Filmmuseum würdigt sein Gesamtwerk, spart aber das spezifisch Ostdeutsche daran und sein politisches Engagement aus. ...weiter

Oliver Masucci

Bad Director

(Kinostart: 9.5.) Ein Film als ausgestreckter Mittelfinger: Regisseur Oskar Roehler lässt seinem Weltekel freien Lauf und betreibt zugleich monomanische Nabelschau. Kein Wunder bei dieser Vorlage – seinem Roman „Selbstverfickung“ von 2017. Nur bei einer heiligen Hure im Bordell fühlt er sich wohl. ...weiter

Judy Landkammer + Philipp Fussenegger

Teaches of Peaches

(Kinostart. 9.5.) Von Sex, Schweiß, Spaß und Strap-ons: Die Queer-Performerin Peaches ging zum 20. Jahrestag ihres Debüt-Albums auf Tournee. Die wurde von dem Filmemacher-Duo Landkammer + Fussenegger begleitet – ihre Doku porträtiert eine Electroclash-Provokateurin jenseits aller Schubladen. ...weiter

Aktuelle Top-Ausstellungen

  • „Paris 1874: Revolution in der Kunst – Vom Salon zum Impressionismus“ bis 28.7. im Wallraf-Richartz-Museum, Köln
  • „Hilma af Klint und Wassily Kandinsky. Träume von der Zukunft“: zwei Mal Abstraktion bis 11.8. im K20, Düsseldorf
  • „Bauhaus und Nationalsozialismus“: große Bilanz-Ausstellung bis 15.9. in drei Museen, Weimar
  • „1300 Jahre Klosterinsel Reichenau“ bis 20.10. im Archäologischen Landesmuseum, Konstanz
  • „Bernhard Hoetger. Zwischen den Welten“: Skulptur-Retrospektive bis 3.11. in drei Museen, Worpswede

Auch neu im Kino ab 16. Mai

  • „Der Kolibri“ mit Bérénice Bejo („Die unglaubliche Reise des Fakirs“) und Nanni Moretti („Drei Etagen“): Melodram – Chronik einer Familie samt unerfüllter Liebe.
  • „Das Zimmer der Wunder“: Drama – um Sohn im Koma zu heilen, will Mutter seine Tagebuch-Wünsche umsetzen.
  • What happens later“ von und mit Meg Ryan: Romcom – Ex-Geliebte treffen sich auf eingeschneitem Flughafen wieder.
  • „Die Q ist ein Tier“: schräge deutsche Krimikomödie über Schlachthöfe und Tierwohl.
  • „Tarot – Tödliche Prophezeiung“: Horror – eine Gruppe von Freunden missachtet eine sakrosankte Tarot-Regel.
Berlin

Mythos und Massaker – Ernst Wilhelm Nay und André Masson

Gemalte Gemetzel: Der französische Surrealist André Masson und der deutsche Informel-Künstler Ernst Wilhelm Nay verarbeiteten Kriegs- und Gewalt-Erfahrungen. Sie trafen sich nie, doch ihre Bilder ähneln einander verblüffend – das zeigt eine beeindruckende Schau in der Sammlung Scharf-Gerstenberg. ...weiter

Hamburg

Dix und die Gegenwart

Otto Dix hat das Bild der Weimarer Republik geprägt wie kein anderer. Doch der größte Teil seines Werks, das in der NS- und Nachkriegszeit entstand, ist wenig bekannt. Das ändern die Deichtorhallen mit einer opulenten Retrospektive – plus 100 Arbeiten von heutigen Künstlern. Was zuviel des Guten ist. ...weiter

München

Turner: Three Horizons

Best of Tate Gallery: Aus der weltgrößten Sammlung von Bildern des besten britischen Landschaftsmalers zeigt das Lenbachhaus eine Auswahl. Seltsam zusammengestellt: wenige Meisterwerke, viel Unfertiges und eine textlastige Tour de Force durch die Rezeption. Diese Schau ersetzt keine London-Reise. ...weiter

Emily Blunt + Ryan Gosling

The Fall Guy

(Kinostart: 2.5.) Bekannt aus Funk und Fernsehen: Vor 40 Jahren jagte Stuntman Colt Seavers im ZDF-Vorabendprogramm flüchtige Bösewichte. Der Kinofilm zum Thema feiert altmodisches Stunt- und Filmhandwerk – er modernisiert die TV-Serie mit Ironie und einem idealbesetzten Ryan Gosling. ...weiter

Stéphane Brizé

Zwischen uns das Leben

(Kinostart: 2.5.) Beziehungsaufarbeitung mit Meerblick: Im Wellness-Urlaub trifft ein ausgelaugter Schauspieler auf seine Verflossene. Dieser romantischen Standardsituation entlockt Regisseur Stéphane Brizé mit hervorragenden Darstellern und pointierten Dialogen eine paar tiefe Wahrheiten. ...weiter

Kanwal Sethi

Was von der Liebe bleibt

(Kinostart: 2.5.) Posthumer Terrorverdacht: Die ermordete kurdische Frau eines Deutschtürken könnte PKK-Unterstützerin gewesen sein. Das behaupten hiesige Ermittler – was den Witwer völlig verstört. Regisseur Kanwal Sethi entfaltet anschaulich und sinnlich einen Fall von strukturellem Rassismus. ...weiter

Kommende Top-Ausstellungen

  • „Avantgarde and Liberation. Zeitgenössische Kunst und dekoloniale Moderne“ vom 7.6. bis 22.9. im Mumok, Wien
  • „When We See Us“: figurative Malerei aus Afrika + der Diaspora vom 25.5. bis 13.10. im Kunstmuseum Basel
  • „Casablanca Art School. Eine postkoloniale Avantgarde 1962–1987“ vom 12.7. bis 13.10. in der Schirn, Frankfurt
  • „Frans Hals. Meister des Augenblicks“: Barockmalerei vom 12.7. bis 3.11. in der Gemäldegalerie, Berlin
  • „Maurice Vlaminck. Rebell der Moderne“: Fauvismus vom 14.9. bis 12.1.2025 im Museum Barberini, Potsdam
  • „Die neue Sachlichkeit – ein Jahrhundertjubiläum“ vom 22.11. bis 9.3.2025 in der Kunsthalle Mannheim

Arthouse-Kino Top 10 Charts

    1. „Sterben“ mit Corinna Harfouch + Lars Eidinger
    2. „Challengers – Rivalen“ von Luca Guadagnino
    3. „Morgen ist auch noch ein Tag“ von P. Cortellesi
    4. „Back to Black“ von Sam Taylor-Johnson
    5. „Zwischen uns das Leben“ von Stéphane Brizé
    6. Das Zimmer der Wunder“ von Lisa Azuelos
    7. „Robot Dreams“ von Pablo Berger
    8. „The Zone of Interest“ von Jonathan Glazer
    9. „Civil War“ von Alex Garland
    10. „Joana Mallwitz – Momentum“ von Günter Atteln
Stuttgart + Potsdam

Modigliani - Moderne Blicke

Porträtist der Frauenpower: So präsentieren Staatsgalerie und Museum Barberini den populären Klassiker in der ersten deutschen Werkschau seit 15 Jahren. Ihre Stärken sind ein kompetenter Überblick über alle Schaffensphasen und ausgiebige Vergleiche mit Zeitgenossen – nur sein engster Freund fehlt. ...weiter

Tübingen + Wien

Innenwelten: Sigmund Freud und die Kunst

Im Freudianischen Zeitalter: Die Entdeckung des Unbewussten und die Psychoanalyse haben auch die Kunst geprägt – so umfassend, dass sich direkte Einflüsse kaum noch dingfest machen lassen. Das zeigt eine ambitionierte Ausstellung von Kunsthalle und Sigmund Freud Museum, die aber ins Beliebige abdriftet. ...weiter

Frankfurt am Main

Lyonel Feininger

Die Geburt des Prisma-ismus aus dem Geist der Karikatur: Bevor Feininger als Bauhaus-Künstler berühmt wurde, zeichnete er für die Tagespresse. Die ganze Bandbreite seines Werks breitet die Schirn Kunsthalle aus – als Retrospektive eines vermeintlich Bekannten voller Überraschungen. ...weiter

Luca Guadignino

Challengers – Rivalen

(Kinostart: 25.4.) Drei sind keiner zu viel: Im Gewand einer Screwball-Komödie revitalisiert das Liebesdrama von Regisseur Luca Guadignino das außer Puste geratene Genre des Sportfilms. Der Film porträtiert die Tennis-Karrieren und das Privatleben eines gemischten Trios so gnadenlos wie vergnüglich. ...weiter

Kobi Libii

The American Society of Magical Negroes

(Kinostart: 25.4.) Nett ausgedacht, aber schlecht gemacht: Außer der Idee eines Geheimbundes von Schwarzen, die sich unablässig um das Wohl der Weißen kümmern, fiel Regisseur Kobi Libii nicht viel ein. Was als Rassismus-Satire angelegt ist, verpufft in langatmig didaktischen Dialogen von Klischee-Figuren. ...weiter

Corinna Harfouch + Lars Eidinger

Sterben

(Kinostart: 25.4.) Eine ziemlich kaputte Familie: Im autobiografisch inspirierten Film von Matthias Glasner herrschen hochgradig dysfunktionale Beziehungen vor. Drei Stunden zwischen prätentiöser Zumutung und Mut zum Risiko werden allein durch die hervorragende Besetzung erträglich. ...weiter