Berlin

Diane Arbus: Konstellationen

Traditionspflege in der Bundeszentrale für Queerness: Der Gropius Bau zeigt eine große Retrospektive der US-Fotografin, die mit Porträts von Außenseitern in den 1960er Jahren berühmt wurde. Eine Zeitreise in ein trist wirkendes Land voller schräger Typen, die ihren Spleen oft selbstbewusst ausleben. ...weiter

Essen + Dresden

William Kentridge – Listen to the Echo

Welt aus Schwarz und Weiß: Damit hat der Südafrikaner William Kentridge einen überbordenden Bilderkosmos geschaffen – in Grafiken, Tapisserien, Fresken, Filmen, Video-Installationen und Opern-Inszenierungen. Zum 70. Geburtstag widmen ihm Museum Folkwang und SKD eine prachtvolle Doppel-Retrospektive. ...weiter

Remagen

Netzwerk Paris – Abstraction-Création 1931–1937

Die Erfindung der Selbstvermarktung: Um gegen den Surrealismus zu bestehen, gründeten ungegenständlich arbeitende Künstler 1931 in Paris eine Avantgarde-Gruppe, die sehr aktiv und einflussreich werden sollte. Ihr facettenreiches Wirken stellt das Arp Museum umfassend vor – zum ersten Mal seit 47 Jahren. ...weiter

Greta-Marie Becker

Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes

(Kinostart: 28.5.) Tanz als konstruktive Waffe am Sandstrand von Dakar: Mit ihrer Schule „École des Sables“ wurde die senegalesisch-französische Choreographin Germaine Acogny weltberühmt. Ihr widmet Regisseurin Greta-Marie Becker eine Doku: anfangs akademisch emsig, am Ende ganz nah an der Porträtierten. ...weiter

Pedro Pinho

I Only Rest in the Storm

(Kinostart: 28.5.) Exotik-Hopping in Guinea-Bissau: Ein Entwicklungshelfer, der ein Straßenbau-Gutachten erstellen soll, macht banale bis bizarre Erfahrungen. Seinen willkürlichen Episoden-Reigen walzt Regisseur Pedro Pinho auf 3,5 Stunden aus – als identitätspolitisch korrekten Kreuzfahrt-Tourismus. ...weiter

Damiano Michieletto

Vivaldi und ich

(Kinostart: 21.5.) Erst musizieren, dann heiraten: Der Lebensweg junger Waisenhaus-Bewohnerinnen im Venedig des 18. Jahrhunderts war festgelegt. Eine wagt jedoch, gefördert vom Barock-Komponisten Vivaldi, sich zu widersetzen – das inszeniert Regisseur Damiano Michieletto so geradlinig wie sinnlich. ...weiter

Kunst+Film-Video des Monats:

Marina Abramović ist zweifellos die berühmteste zeitgenössische Künstlerin. Das gelang ihr vor allem mit Performances an der Schmerzgrenze im Wortsinne: etwa mit einer 2,5-monatigen Mammut-Sitzung im New Yorker MoMA oder einem 7-stündigen Auftritt mit Bauch-Ritzung und Flagellation. Einen prägnanten Überblick über ihr Gesamtwerk bietet der Gropius-Bau in Berlin mit der Werkschau „Marina Abramović: Balkan Erotic Epic – The Exhibition“ – bis 30.8.

Auch neu im Kino ab 6. August

  • „You & Me & Italy“ mit Halle Bailey („Die Farbe Lila“): italienische Liebeskomödie über die Affäre einer Köchin mit einem Anwalt bei einer Hochzeit.
  • „Nightborn“: düstere Parabel aus Finnland über Mutterschaft und bedingungslose Liebe.
  • „Flieg Steil“: Drama über eine beliebte Rechtsrock-Musikerin, die ihre Fans verliert, als sie feministische und queere Inhalte aufgreift.
  • „La Gioia“: italienisches Beziehungsdrama zwischen einer Gymnasiallehrerin, die noch bei ihren Eltern lebt, und einem Schüler, der sich prostituiert.
  • „Ice Cream Man“: kein Gaumenschmaus ohne Reue, sondern im Gegenteil – verteilte Leckereien haben grässliche Horror-Folgen.

Wöchentlich aktuelle Kinostarts, Film-Kritiken + Ausstellungs-Tipps direkt in Ihre Mailbox:

Berlin

Geschichte(n) Tansanias

Politisch korrekte Provinzialität: Die Ausstellung zur Historie des ostafrikanischen Landes ignoriert diese weitgehend. Stattdessen breitet sie gebetsmühlenartig detailverliebte Bekenntnisse zum postkolonialen Bewusstsein aus – Symptom für die Malaise des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum. ...weiter

Bern

Kirchner × Kirchner

Kunst-Import aus dem Bundeskanzleramt: Dort hängt normalerweise „Sonntag der Bergbauern“. Diese Leihgabe ziert nun als Blickfang die große Retrospektive von Ernst Ludwig Kirchner im Kunstmuseum. Sie soll die Wirkung einer Vorläuferschau von 1933 nachzeichnen, löst diesen Anspruch aber nur teilweise ein. ...weiter

Oldenburg

Ludwig Münstermann

Kunst-Revolutionär im Oldenburger Land: Für dortige Kirchen schnitzte Ludwig Münstermann um 1600 höchst eigenwillige Skulpturen. Sein Manierismus ist skurril, grotesk, gewagt und südlich von Bremen kaum bekannt. Das Landesmuseum widmet ihm die erste Einzelausstellung – eine echte Entdeckung! ...weiter

Anne Hathaway

Mother Mary

(Kinostart: 21.5.) Unsere liebe Frau vom Showbiz-Zirkus: Die glänzend besetzte Pop-Operette von Regisseur David Lowery ist eine Mischung aus Paartherapie, spiritistischer Sitzung und Kreativ-Meeting am Rande des Nervenzusammenbruchs. Leider nehmen alle Beteiligten sich und ihr Thema viel zu ernst. ...weiter

Tarik Saleh

Eagles of the Republic

(Kinostart: 21.5.) Die Macht kommt aus den Gewehrläufen: Im letzten Teil seiner Kairo-Trilogie lässt Regisseur Tarik Saleh einen Schauspiel-Star ins Räderwerk der ägyptischen Militärdiktatur geraten. Wie diese Medien-Kontrolle und Gewalt kombiniert, wird drastisch deutlich – eine Höllenfahrt ohne Ideologie. ...weiter

Annemarie Jacir

Palästina 36

(Kinostart: 14.5.) Leben und Sterben in der Levante vor Israels Staatsgründung: Regisseurin Annemarie Jacir zeichnet den Verlauf des arabischen Aufstands in Palästina 1936 bis 1939 nach – als Guerillakrieg gegen britische Besatzer. Einseitig, aber anschaulich und berührend; ein erhellender Perspektivwechsel. ...weiter

Aktuelle Top-Ausstellungen

  • „Maria Lassnig und Edvard Munch. Malfluss = Lebensfluss“ bis 30.8. in der Hamburger Kunsthalle
  • „The World through AI“: zeitgenössische Kunst + Künstliche Intelligenz bis 20.9. in der Schirn, Frankfurt am Main
  • „16. Manifesta“: Wanderschau zeitgenössischer Kunst bis 4.10. in Bochum, Dortmund, Essen und Gelsenkirchen
  • „Symphonie der Farben. Signac + Neoimpressionismus“ bis 11.10. im Museum Barberini, Potsdam
  • „Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell“: Realismus-Schau bis 8.11. im Folkwang Museum, Essen

Arthouse-Kino Top 10 Charts

  1. „Die Odyssee“ von Christopher Nolan mit Matt Damon
  2. „The Invite“ von Olivia Wilde mit Penélope Cruz
  3. „Bitteres Fest“ von Pedro Almodóvar
  4. Was haben wir gelacht“ von Eva Müller
  5. „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“
  6. „Obsession – Du sollst mich lieben“ von Curry Baker
  7. „The Piano Tuner“ von Daniel Roher
  8. „Backrooms“ von Kane Parsons
  9. „Ingeborg BachmannJemand, der einmal ich war“
  10. „H wie Habicht“ mit Claire Foy + Brendan Gleeson
Trier

Marc Aurel – Kaiser, Feldherr, Philosoph

Seine „Selbstbetrachtungen“ wurden ein Bestseller – 1400 Jahre nach seinem Tod. Marc Aurel gilt als der wohl beste Kaiser, den das Römische Reich je hatte; doch warum, ist oft unklar. Leben und Taten zeichnet das Rheinische Landesmuseum anschaulich nach – das Stadtmuseum verhebt sich an einer Aktualisierung. ...weiter

Berlin

Irma Stern – eine Künstlerin der Moderne zwischen Berlin und Kapstadt

Deutsche Expressionistin in Südafrika: Irma Stern war in beiden Kulturen zuhause und erfolgreich – sie porträtierte Menschen aller Hautfarben. Ihrem vielseitigen Werk widmet das Brücke-Museum eine etwas knapp gehaltene Retrospektive; umso mehr Platz beanspruchen politisch korrekte Kommentare. ...weiter

Speyer

Caesar & Kleopatra

Zweierlei Untergang: Mit dem Tod des berühmtesten (Liebes-?) Paares der Antike endeten auch die Römische Republik und das Reich der Ptolemäer-Dynastie in Ägypten. Die legendäre Mesalliance verknüpft das Historische Museum der Pfalz mit einer eindrucksvollen Darstellung dieser Zeitenwende. ...weiter

László Nemes

Andor Hirsch

(Kinostart:14.5.) Eine Gesellschaft in Agonie: Regisseur László Nemes folgt seinem jungen Helden 1957 durch Budapest – ein Jahr nach dem gescheiterten antisowjetischen Volksaufstand. Inspiriert von der eigenen Familiengeschichte, wirkt seine radikal subjektive Erzählweise jedoch nur teilweise überzeugend. ...weiter

Andrea Segre

Enrico Berlinguer – La Grande Ambizione

(Kinostart: 14.5.) Vor 50 Jahren war Eurokommunismus eine Verheißung und Berlinguer ihr Prophet: Der unorthodoxe PCI-Chef wurde international geachtet. Seine Strategie historischer Kompromisse mit bürgerlichen Parteien zeichnet Regisseur Andrea Segre kleinteilig nach – mit charismatischem Hauptdarsteller. ...weiter

Russell Crowe + Rami Malek

Nürnberg

(Kinostart: 7.5.) Banalität des Bösen: Vor dem Hintergrund des NS-Kriegsverbrecherprozesses inszeniert Regisseur James Vanderbilt ein Rede-Duell zwischen einem Militär-Psychiater und der inhaftierten Nazi-Größe Hermann Göring. Als Geschichtslektion überzeugt sein Film ebenso wenig wie als Thriller. ...weiter