Luxemburg

Der Symbolismus in Lettland

Janis Rozentals (1866 - 1916): Prinzessin und Affe (Detail), 1913, Öl auf Leinwand, 147,5x71 cm; Litauisches Nationalmuseum der Künste. Foto: MNHA

Riga ist eine Hauptstadt des Jugendstils. Dort entwickelten lettische Künstler um 1900 einen ganz eigenen Stil. Ihre delikaten Bilder in fahlen Farben zeigt nun das Nationalmuseum des Großfürstentums.

Um 1900 war Riga eine der modernsten Hauptstädte Europas. Wie viele osteuropäische Völker pochten auch die Letten auf Selbstbestimmung und Autonomie im Zarenreich. Ihr seit Mitte des 19. Jahrhunderts erstarktes Nationalbewusstsein fand Ausdruck in ehrgeizigen Bau-Programmen: Mit Jugendstil-Ornamenten reich verzierte Neubauten füllten die Innenstadt.

 

Info

Der Symbolismus
in Lettland

 

02.12.2010 – 27.03.2011
täglich außer montags 10 – 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr im Musée national d’histoire et d’art, Marché aux Poissons, Luxembourg

 

Katalog 20 €

 

Weitere Informationen

Neben Brüssel verfügt Riga über die meisten Jugendstil-Gebäude weltweit. Eine Partnerschaft beider Städte lag daher nahe. Ihr entspringt diese Ausstellung: Nach Brüssel ist sie nun in Luxemburg zu sehen. Sie feiert ein Jahrhundert Kulturleben in Lettland: 1905 eröffnete Riga das erste Kunstmuseum im Baltikum, 1910 fand die erste Schau lettischer Maler statt.

 

Delikate Arrangements + fahles Kolorit

 

Die meist in Petersburg ausgebildeten Künstler orientierten sich an Strömungen, die damals in Westeuropa aktuell waren. Doch sie wurden dem lokalen Temperament und Geschmack angepasst. Exaltierte Visionen, schwülstige Erotik und orientalische Dekors à la Gustave Moreau oder Franz von Stuck findet man hier nicht. Dafür delikate Arrangements, eher fahles Kolorit und ein feines Gespür für die Valeurs des bleichen Sonnenlichts im Norden.


Impressionen der Ausstellung


 

Eigener Stil voller Raffinessen

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Besprechung der Ausstellung „Architekturträume des Jugendstils“ mit Werken von Joseph Maria Olbrich in der Kunstbibliothek, Berlin

 

und hier eine kultiversum-Rezension des Films „Poll“ von Chris Kraus über den Untergang der Welt der Deutschbalten.

Janis Rozentāls, der älteste dieser Generation, war zugleich der vielseitigste. Von stimmungsvollen Interieurs über subtile Porträts bis zu mythologischen Szenen voller Pathos beherrschte er alle Genres. Vilhelms Purvītis glänzte mit herrlichen Landschaften, die das Spiel der Lichtreflexe brillant einfingen.

 

Johann Walter pflegte eine flächige, tonige Malweise, die ihn in die Nähe der französischen Nabis-Gruppe rückt. Die Grafikerin Alice Dimitrijew schuf so reduzierte wie dekorative Arbeiten im Geist des Art Nouveau.

 

Die lettischen Symbolisten kopierten keine Vorbilder, sondern fanden zu ihrem eigenen Stil, dessen Raffinesse seinesgleichen sucht. Das hat eine auf Westeuropa fixierte Kunstgeschichte lange ignoriert. Diese Lücke schließt die Schau: Eine gute Gelegenheit, mit einem Tagesausflug eine kaum bekannte Bildsprache zu entdecken – ohne nach Riga reisen zu müssen.


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