Berlin

Architekturträume des Jugendstils – Joseph Maria Olbrich

Ausstellungsgebäude und Hochzeitsturm Darmstadt, 1905-1906; Foto: © Kunstbibliothek, Staatliche Museen zu Berlin

Versöhnung von organischer Gestaltung und Serienfertigung: Joseph Maria Olbrich war seiner Zeit weit voraus. Die Kunstbibliothek zeigt nun seine 200 schönsten Entwürfe: Bau-Kunst im Wortsinne.

Wen die Götter lieben, den rufen sie bald zu sich, hieß es in der Antike. Joseph Maria Olbrich müssen sie sehr gern gehabt haben: Er starb 1908 mit nur 40 Jahren an Leukämie. Der früh Vollendete hinterließ mehr als 2500 Blätter mit Architekturzeichnungen und –entwürfen.

 

Info

Architekturträume des Jugendstils – Joseph Maria Olbrich

 

03.03.2011 – 13.06.2011
täglich außer montags 10 – 18 Uhr, donnerstags bis 22 Uhr in der Kunstbibliothek, Matthäikirchplatz, Berlin


Weitere Informationen

Sein Ruhm war so groß, dass die Kunstbibliothek sich den gewaltigen Nachlass sichern wollte – obwohl Olbrich in Berlin kaum gebaut hatte. Zum 100. Jahrestag dieses Ankaufs sind in der Bibliothek 200 der schönsten Blätter zu sehen.

 

Berühmt durch Wiener Secession 1898

 

Olbrich war ein begnadeter Zeichner und Aquarellist. Zudem einer der wagemutigsten Architekten seiner Zeit: Sein kühner Entwurf für die Wiener Secession machte ihn 1898 mit einem Schlag bekannt.


Impressionen der Ausstellung


 

Von Wien nach Darmstadt

 

Das von einer vergoldeten Kugel bekrönte Gebäude brach mit der antiken Formensprache, die von der Renaissance bis zum Historismus verbindlich gewesen war, und verband zweckmäßig nüchterne Raumgestaltung mit neuartig floralem Dekor. Es traf auf begeisterte Zustimmung wie vehemente Ablehnung.

 

Die überwog in Wien. Im vergangenheitsseligen K.u.K.-Österreich konnte Olbrich seine Projekte nur mit Abstrichen umsetzen. Dann holte ihn Großherzog Ernst Ludwig von Hessen nach Darmstadt und ließ ihm freie Hand.


Interview mit Moritz Wullen, Direktor der Kunstbibliothek


 

Von der Fassade bis zur Türklinke

 

Für die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe errichtete Olbrich das größte geschlossene Jugendstil-Ensemble in Deutschland: Bei diesem Gesamtkunstwerk entwarf er von den Fassaden bis zu Tapeten und Türklinken alles selbst.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Besprechung der Ausstellung “Der Symbolismus in Lettland” im Musée national d’histoire et d’art, Luxemburg

 

und hier eine kultiversum-Rezension der Ausstellung über Olbrich als Vorreiter der modernen Architektur auf der Mathildenhöhe, Darmstadt.

Die in der Ausstellung gezeigten Blätter haben mit spröden Konstruktions-Plänen nichts gemein. Sie sind eigenständige kleine Kunstwerke, auf denen Olbrichs glänzende Beherrschung malerischer Mittel wie seine visionäre Phantasie zum Ausdruck kommt.

 

Zu aufwändig für Serienfertigung

 

Jedes Gebäude ist ein unverwechselbares Unikat. Deshalb wurde der Jugendstil zur kurzlebigen Episode, die nach dem Ersten Weltkrieg endete: Für industrielle Serienfertigung war er schlicht zu aufwändig.

 

Doch heute, mit der Rückbesinnung auf die Natur als Inspirationsquelle für technische Lösungen, könnten Olbrichs Entwürfe wieder wegweisend wirken: Als Traum von einer Moderne, die Massenproduktion und originell organische Gestaltung miteinander versöhnt. Die Baukunst ist eine Kunst – zumindest auf dem Papier.


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