Berlin

Rainer Fetting – Berlin

Rainer Fetting: Drummer und Gitarrist, 1979. Foto: Kai Annett Becker, Berlinische Galerie

Fetting-Festspiele in der Hauptstadt: Das Gesamtwerk des einstigen Stars der «Neuen Wilden» würdigen ein Museum und eine Galerie. Sein heftiger Malgestus hat an Frische nicht verloren.

Diese Hommage war überfällig. Wie kaum ein anderer Maler hat Rainer Fetting dazu beigetragen, dass Berlin zur glitzernden Kunst-Metropole wurde. Dennoch musste er hier lange auf eine Retrospektive warten. Eine zweigeteilte Werkschau: Die Berlinische Galerie konzentriert sich auf die 1970/80er Jahre. Aktuelle Arbeiten zeigt die Galerie Deschel.

 

Info

Rainer Fetting – Berlin

 

15.04.2011 – 12.09.2011
täglich außer dienstags 10 – 18 Uhr in der Berlinischen Galerie, Alte Jakobstraße 124 – 128, Berlin

 

Katalog: 24,80 €

 

Weitere Informationen

 

Fetting: Neue Bilder

 

19.04.2011 – 01.07.2011
täglich außer montags 11 – 18 Uhr in der Galerie Deschel, Auguststraße 61, Berlin

 

Weitere Informationen

Mitte der 1970er Jahre galt Kreuzberg als Ende der bewohnbaren Welt. Nicht aber für Fetting und seine Freunde wie Salomé und Helmut Middendorf: Mauerstadt-Enge, Schwulen-Bewegung und lauten Rock mixten sie zum exzessiven Lebensgefühl. Durch Punk und Hausbesetzer-Szene wurde es legendär, und Fetting zum Star-Maler der «Neuen Wilden».

 

Bild hängt bei Berliner Landes-Chef

 

All das bündelt «Drummer und Gitarrist»; sein bekanntestes Bild ist im Museum in fünf Varianten zu sehen. Aus Backstage-Perspektive verschmelzen Instrumente und Körper zum lichtsprühenden Wirbel. Eine Fassung hängt heute im Amtszimmer des Regierenden Bürgermeisters: Fetting ist längst in der Chefetage des Kunstbetriebs angekommen.


Interview mit Kurator Heinz Stahlhut + Impressionen der Ausstellung


 

See-Motive aus Sylt

 

Noch immer faszinieren seine frühen Gemälde: Mit wenigen Pinselschwüngen in grellen Farben fixierten sie einen Moment, als könne es nicht anders sein. Sein heftiger Malgestus verleiht Körpern wie Landschaften zeitlose Prägnanz. Leider blendet die Berlinische Galerie die 1980er Jahre aus, als Fetting in New York lebte. In den 1990ern hielt er den Stadt-Umbau von Berlin fest: Eher statische Baustellen und Kräne füllen die Leinwände.

 

Inzwischen wohnt Fetting auch auf Sylt. Wie frisch sein neo-expressionistischer Stil geblieben ist, führen die Bilder bei Deschel vor. Konventionelle See-Motive wie Wellen, Brandung und Möwen lädt er mit Energie auf, als jage er sie in eine Schlacht. Dabei zähmt er die wogenden Farbmassen soweit, dass Konturen noch erhalten bleiben – «das Auflösen in eine möglichst abstrakte Form, aber mit Erkennungswert, darum geht es mir», wie er sagt.


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