Karlsruhe

Lumière Noire – Neue Kunst aus Frankreich

Guillaume Bresson, Ohne Titel (Detail), 2008, Öl auf Leinwand, 170 x 300 cm; Foto: Kunsthalle Karlsruhe

Invasion der Schwarzmaler: Die Kunsthalle Karlsruhe zeigt zwölf Künstler aus Frankreich, die auf Farben verzichten. Keine schwarze Serie, sondern ein beeindruckendes Ensemble eigenständiger Stile von altmeisterlich bis biomorph.

Black is beautiful!, oder vielmehr: Le noir est merveilleux! Die zwölf jungen Künstler aus Frankreich, die in der Orangerie der Kunsthalle Karlsruhe ausstellen, haben nur eines gemeinsam: ihre schwarzweiße Weltsicht. Farben kommen nur in homöopathischen Dosen vor; die meisten Werke wechseln radikal zwischen gleißendem Weiß und tiefem Schwarz.

 

Info

Lumière Noire –
Neue Kunst aus Frankreich

 

 

11.06.2011 – 25.09.2011
täglich außer montags 10 – 17 Uhr, am Wochenende bis 18 Uhr in der Kunsthalle Karlsruhe, Orangerie, Hans-Thoma-Straße 2 – 6

 

Katalog 29,80 €

 

Weitere Informationen

Ihre Monochromie ist keineswegs monoton. Im Gegenteil: Sie spielen souverän auf der Klaviatur der Grauwerte und modulieren Hell-Dunkel-Kontraste in feinsten Nuancen. Am besten gelingt das dem erst 29-jährigen Guillaume Bresson. Seine großformatigen Leinwände sind an Alten Meistern geschult; die kühne Lichtführung erinnert an Caravaggio, die subtilen Valeurs an das Sfumato von Leonardo da Vinci.

 

In der Manier von Historienmalerei zeigen die Bilder jugendliche Immigranten aus den Sozial-Silos der Vorstädte, zu dramatischen Kampf-Szenen gruppiert. Statt Rüstung und Helm tragen sie Streetwear und Sneakers, anstelle von Schwertern schwingen sie Baseball-Schläger und Ketten. Dabei grinsen und feixen sie, ihre tänzelnden Bewegungen gleichen Breakdance-Schritten – die grausige Vision anarchischer Gewalt ist ironisch gebrochen.

 

Impressionen der Ausstellung

 



 

Von Dürers Apokalypse bis Death Metal

 

Rüder geht Damien Deroubaix vor. Seine wandfüllenden Holzschnitte bersten schier vor Zitaten und Zeichen für Tod und Verderben im Rundumschlag von der Renaissance bis zur Gegenwart: ein Kurzschluss von Dürers Apokalypse mit Death Metal. Wie alle Pamphlete sind auch diese grobschlächtig geschnitzt – und zugleich ein morbides Panoptikum von Versatzstücken des Weltuntergangs.

 

Subtiler beschwört Nick Devereux eine Atmosphäre des Verfalls herauf. Er kombiniert Fundstücke und Fragmente wie Felle, Puppenteile und Scherben zu Arrangements, die er in Kohle und Öl festhält. Sie sehen auf den ersten Blick wie Genre-Stilleben aus, doch lässt sich kein Element eindeutig identifizieren. Vermeintlich tauchen deformierte Gesichter à la Francis Bacon auf, aber das täuscht. In ihrer surrealen Vieldeutigkeit lassen diese Grisaillen der Fantasie des Betrachters freien Lauf.

 

Biomorphe Formen aus Milchtropfen

 

Ebenso die Zeichnungen von Dove Allouche: Ihm dienen Fotografien von verbrannten Wäldern, eisigen Berggipfeln oder Kanalisations-Schächten als Vorlagen, die er mit extrem dichten Strichen auf Papier überträgt. Wie bei alten Daguerrotypien verschwinden die Konturen fast unter der silbern schimmernden Oberfläche. Erst aus nächster Nähe werden filigrane Motive sichtbar – dann entfalten die unwirklichen Über- und Unterwelten einen unwiderstehlichen Sog.

 

Mit noch bescheideneren Mitteln kommt Ismaïl Bahri aus. Ihm genügen Milchtropfen, die er auf schwarzes Papier presst oder mit Graphit bestäubt. So entstehen biomorphe Formen, die zwischen Quallen und Supernovae changieren. Oder er trägt ein mit schwarzer Tusche gefülltes Glas durch die Straßen von Tunis: Oben spiegelt sich die Außenwelt wie in einem Fischauge.


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