München

Donald Judd: A good chair is a good chair

Wie bei IKEA vor 30 Jahren: Der US-Minimalist Donald Judd entwarf und baute seine Einrichtung selbst. Nun sind diese Möbel in der Pinakothek der Moderne zu sehen: Puristisches Design zu stolzen Preisen.

Der Ausstellungsraum wirkt, als sei man in einer Filiale von IKEA gelandet. Nicht des heutigen Weltkonzerns, dessen Mega-Sortiment fast jeden Wohnbedarf und Geschmack rund um den Globus abdecken soll, sondern bei IKEA um etwa 1980: Spartanisches zum Selbstmontieren in leer gefegtem Lagerhallen-Ambiente.

 

Info

Donald Judd - A good
chair is a good chair

 

15.07.2011 - 09.10.2011
täglich außer montags 10 - 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr in der
Pinakothek der Moderne, Barerstraße 40, München

 

Weitere Informationen

Dieser Eindruck ist nicht völlig abwegig: Donald Judd (1928 – 1994) hat die meisten Stücke nicht nur entworfen, sondern auch selbst gebaut. Später ließ er sie in Kleinserie herstellen. Doch seine Möbel sind puristischer als IKEA jemals war: Ihnen fehlt jeder Zierrat, jedes Zugeständnis an heimelige Nestbau-Instinkte. Kahl und karg gleichen sie eher den erratischen Raumskulpturen des Wortführers der Minimal Art, der diese Strömung wie kein anderer prägte.

 

Mit einem Unterschied: Judds Kunst-Objekte genügen sich selbst. Seine stählernen Kuben und lackierten Aluminium-Kästen, die wie aus industrieller Serienproduktion erscheinen, wollen mit kleinen Variationen in Form und Volumen auf die Raumwirkung von Körpern aufmerksam machen. Dagegen haben seine Möbel eine Funktion. Sie sollten benutzt werden und wurden es auch – was ihren Gebrauchsspuren wie Flecken und Kratzern anzusehen ist.

 

Als Judd 1971 mit seiner Familie aus New York ins texanische Marfa umzog, gruselte ihm vor dem Angebot dortiger Möbelhäuser: Pseudo-Antiquitäten und kitschig dekorierter Plastik-Kram. Also fertigte er seine Einrichtung selbst an: Stühle, Tische, Regale und Betten aus Sperrholz und Stahl. Die reduzierte er auf ihre essentiellen Funktionen – irgendwo zwischen traditioneller japanischer Schlichtheit, Bauhaus-Askese und Maschinenbau-Ästhetik.

 

Mönchische Strenge, scharfe Ecken und Kanten

 

Wobei Judd wie in seiner Kunst Grundformen variierte: Seine Hocker und Stühle deklinieren alle Möglichkeiten durch, den Binnenraum zwischen Beinen und Sitzfläche zu füllen. Bei rigoros durchgehaltenem Konstruktions-Schema – alle Winkel haben entweder 90 oder 45 Grad. Alle Oberflächen sind entweder naturbelassen oder in Primärfarben beschichtet.

 

So erfüllen diese Möbel ihren Zweck; aber möchte man mit ihnen wohnen? Ihre mönchische Strenge mit scharfen Ecken und Kanten nötigt eher den Benutzer, sich ihren Eigenheiten anzupassen, als umgekehrt. «Ich finde die Möbel bequem», behauptete Judd, aber diese Ansicht dürften nicht viele teilen. Zumal ihr simpel erscheinendes Design anders als bei IKEA durch die Ausführung in Handarbeit recht kostspielig wird: Ein Metall-Regal kostet etwa 9.000, ein Bettkasten aus Holz um die 10.000 Euro.


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