Berlin + Potsdam

Luise: Königin von Preußen

Kronprinzessin Luise von Preußen von Henriette Félicité Tassaert nach Johann Friedrich August Tischbein, 1796, Pastell auf Pergament, H 65 x B 53,5 cm; (Plakatmotiv „Luise. Die Kleider der Königin“. Foto: SPSG

Vor 200 Jahren starb Luise von Preußen, die beliebteste deutsche Königin. Drei Ausstellungen gedenken ihrer – teils gelungen, teils missraten.

Eine Lady Di, die alle Herzen im Sturm erobert, hat Deutschland nie gekannt. Eine Queen Victoria, die ein halbes Jahrhundert lang regiert, auch nicht. Aber wenigstens eine Königin Luise, die ihre preußischen Untertanen entzückte, bevor sie mit nur 34 Jahren starb. Da muss der 200. Todestag der Hohenzollern-Herrscherin gebührend gefeiert werden.

 

Info

 

Luise – Die Inselwelt der Königin

01.05.2010 – 30.09.2010 täglich 9 – 19 Uhr auf der Pfaueninsel, Berlin-Wannsee

 

Weitere Informationen

 

Luise – Die Kleider der Königin

31.07.2010 – 31.10.2010 täglich außer montags

10 – 18 Uhr in Schloss Paretz, Ketzin bei Potsdam

 

Luise – Königin der Herzen

25.03.2010 – 24.10.2010 täglich außer montags

10 – 18 Uhr im Filmmuseum, Breite Straße 1 A, Potsdam

 

Weitere Informationen

 

Zwar ist die zentrale Gedenkschau «Leben und Mythos einer Königin» im Berliner Schloss Charlottenburg bereits beendet. Allerdings warten auf Luise-Liebhaber noch drei weitere Ausstellungen im Umland. Am schnellsten ist «Inselwelt einer Königin» auf der Pfaueninsel an der Havel erreichbar – dort soll Luise ausgelassene Stunden verbracht haben.

 

Freiluftschau

 

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten verspricht eine «Auseinandersetzung sechs zeitgenössischer Künstler mit der Landschaft der Insel und dem Leben der Königin». Doch die Freiluftschau sollte eher «Irrgarten einer Königin» heißen: Entweder sind die Werke wie «Eicheln» von Robert Stieve kaum zu finden. Oder sie sind wie die Toncollagen von Christian Schult nur per Mobiltelefon abrufbar – wobei der Empfang miserabel ist. Oder sie sind wie «Parkett» von Michael Lukas ohne jeden Bezug zum Thema. Oder von allem etwas.


Impressionen der Ausstellung


 

Luises Lieblingsresidenz

 

Eng auf Tuchfühlung mit der historischen Gestalt bleiben dagegen «Die Kleider der Königin» in Schloß Paretz nordwestlich von Potsdam. Das schlichte Ensemble, das einem großen Gutshof gleicht, war Luises Lieblingsresidenz. Hier verlebte sie die Sommerfrische. Womit die Charlottenburger Ausstellung geizte, Zeugnisse aus ihrem persönlichen Besitz, wird nun in verschwenderischer Fülle ausgebreitet: Kleidung, Briefe, Hausrat und tausend andere Dinge für eine standesgemäße Hofhaltung.

 

Darunter ist manches Glanzstück. Etwa die frisch restaurierte Gala-Kutsche der Hohenzollern, mit der Luise und Friedrich Wilhelm III. zur Hochzeit fuhren – sie blieb bis zum Ende der Monarchie im Gebrauch. Anderes fällt eher dürftig aus. Aus Luises Besitz ist nur ein halbes Dutzend Original-Kleider zu sehen; ihre übrige Wäsche wurde nach ihrem Tod verteilt.

 

Devotionalien-Schau

 

Deshalb fällt es der Ausstellung schwer, die raschen Veränderungen der Damen-Moden im Wechselspiel mit der turbulenten Epoche um 1800 zu verdeutlichen, zumal die Erläuterungen extrem knapp ausfallen. Eher eine Devotionalien-Schau für Preußen-Fans als ein kulturhistorisches Kompendium.

 

Wie man die Figur Luise intelligent mit weiterführenden Fragestellungen verknüpft, führt das Filmmuseum Potsdam vor. «Königin der Herzen» blickt auf die zahlreichen Filme zurück, die am Mythos der Monarchin weiterstrickten. Auf der Leinwand wurde Luise in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zur Überlandesmutter verklärt.

 

Eine Luise für jede Ära

 

Dabei setzte jeder Film einen anderen Akzent: 1913 wurde sie als engelsgleiche Lichtgestalt entrückt. In der Weimarer Republik war sie eine Mischung aus Krankenschwester und Seelsorgerin. Die Nazis stilisierten sie zur Künderin von Preußens Glorie. Auch in der Nachkriegszeit repräsentierte sie den Zeitgeist im geteilten Deutschland: Als verantwortungsvolle Reformerin in der Bundesrepublik, als flotte Emanze in der DDR.

 

So bekam jede Ära die Luise, die sie sich wünschte. Das veranschaulicht eine gelungene Zusammenstellung von Fotos, Filmauszügen und Requisiten. Inklusive prächtiger Königinnen-Roben; die sind im Fundus der Traumfabrik Babelsberg erhalten geblieben. Kino ist eben größer als das Leben.