Speyer

Die Salier – Macht im Wandel

Zierstab eines geistlichen Gewandes (Detail), 1523: die älteste erhaltene Darstellung des Westbaus im Speyerer Dom; Foto: Badisches Landesmuseum Karlsruhe

Wobei selbst bei den kostbarsten Kleinodien auffällt, dass die Handwerkskünste noch wenig entwickelt waren: Gesichter sind schematisch, Proportionen eher plump, Perspektiven fast unbekannt. Besonders im Vergleich mit Werken aus der Stauferzeit ein Jahrhundert später, deren herrlichste Beispiele derzeit in der thüringischen Landessausstellung über den «Naumburger Meister» zu bewundern sind.

 

Herz in Goslar, Leichnam in Speyer

 

Ausnahmen bestätigen die Regel. Etwa der so genannte «Krodo-Altar» von 1100 aus der Stiftskirche in Goslar: Seine Bronze-Wände sind durchbrochen, um ihn von innen zu beleuchten. Dort waren 1056 Herz und Innereien von Heinrich III. bestattet worden, der im nahen Bodfeld gestorben war. Der restliche Leichnam wurde nach Speyer überführt und im Dom beigesetzt.

 

Wie die sterblichen Überreste aller Salier-Herrscher: Sie schufen dort die erste Familien-Grablege des Mittelalters. Ihr wichtigstes Werk steht nur wenige Meter vom Museum entfernt. Konrad II. legte 1030 den Grundstein zum Neubau des Doms – vom Vorgänger ist nichts erhalten. Sein Enkel Heinrich IV. erlebte 1061 die Einweihung der größten erhaltenen romanischen Kirche weltweit.

 

Geburtshelfer des Bürgertums

 

Ihre wechselvolle Geschichte macht eine virtuelle Rekonstruktion in der Schau anschaulich. Schon 20 Jahre später ließ Heinrich IV. den Dom halb abreißen, um ihn prächtiger wieder aufzubauen. 1106 hatte er das größte umbaute Volumen in Europa – in einem Ort mit 500 Einwohnern. Bis ihn 1689 französische Truppen plünderten und in Brand setzten; sein Westteil stürzte ein. Der im 18. Jahrhundert wieder aufgebaute Dom wurde 1794 abermals von Revolutionstruppen verwüstet. 1854/8 wurde der Westteil neu errichtet.

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine kultiversum-Rezension der Ausstellung "Der Naumburger Meister"


und hier eine Besprechung der Staufer-Ausstellung 2010 in Mannheim.

Damals gehörte Speyer mitsamt der Rheinpfalz zu Bayern. Doch unter den Saliern hatte die Stadt eine historische Vorreiterrolle gespielt: Als erste Stadt in Deutschland erhielt sie 1111 von Heinrich V. im «Großen Freiheitsbrief» bedeutende Privilegien. Steuerbefreiung, Rechtssicherheit und Handelsvorteile ermöglichten den Aufstieg des städtischen Bürgertums. Neben Adel und Klerus trat ein dritter Stand auf, der die Geschichte der Neuzeit bestimmen sollte.

 

Als Geburtshelfer des Bürgertums hatten die Salier ihre historische Rolle erfüllt. Heinrich V. starb kinderlos; nach langem Ringen einigten sich die Reichsfürsten auf den sächsischen Herzog Lothar III. als neuen König. Er wurde 1133 zum Kaiser gekrönt, blieb aber eine Figur des Übergangs. Nach seinem Tod 1137 kamen die Staufer.


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