Berlin

Richard Long: Berlin Circle & Land Art

Werke von R. Long; © bpk / Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart Berlin, SMB / VG Bild-Kunst, Bonn 2011 / Foto: Thomas Bruns

Einfacher geht es kaum: Richard Long schafft Kreise und Rechtecke aus Torf, Steinen und Schlamm. Damit erzielt er im Hamburger Bahnhof eindrucksvolle Wirkungen – im Vergleich zu anderen Land-Art-Pionieren.

Willkommen im Museum der aufgehenden Sonne! Wie das Symbol Nippons prangt in der Historischen Halle des Hamburger Bahnhofs auf einer eigens eingezogenen Wand ein riesiger Kreis. Mit seinen Schlieren auf der Oberfläche und Spritzern ringsum, die an Protuberanzen erinnern, ähnelt er noch stärker unserem Zentralgestirn.

 

Info

Richard Long:
Berlin Circle

26.03.2011 – 31.07.2011

 

Land Art
26.03.2011 – 15.01.2012

 

täglich außer montags 10 – 18 Uhr, samstags 11 – 20 Uhr, sonntags 11 – 18 Uhr im Hamburger Bahnhof, Invalidenstr. 50/51, Berlin

 

Katalog 19,90 €, im Buchhandel 28 €

 

Weitere Informationen

Richard Long persönlich hat den «River Avon Mud Circle» in situ angefertigt. Den Schlamm aus dem englischen Flüsschen Avon hatte er selbst mitgebracht: Mehrere Stunden lang verteilte er die Masse mit blanken Händen auf der Wand, dann war das Werk fertig: Long versteht es, mit geringsten Mitteln eindrucksvolle Wirkungen zu erzielen.

 

Zwölf Meter Durchmesser

 

Sein «Mud Circle» dominiert die gesamte Halle – obwohl er kleiner ist als vor ihm auf dem Boden der «Berlin Circle», nach dem die Ausstellung benannt ist. Diesen Stein-Kreis mit zwölf Metern Durchmesser installierte Long 1996 zur Eröffnung des Hamburger Bahnhofs.

 

Umrahmt werden die beiden Kolosse von fünf kleineren Arbeiten: zwei Kreisen aus Torf und Sandstein, einer Ellipse aus Basalt, einem Doppelkreis aus schwarzen und weißen Kieseln sowie einer «Turf Line» – ein schmales Rechteck aus Torfbrocken.

 

Impressionen der Ausstellungen

 



 

TV-Ausstellung prägte Begriff «Land Art»

 

«Ein Kreis, eine Linie sehen gut aus, sind abstrakt, und jeder kennt sie. Sie gehören jedem und ebenso zur Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft»: So lakonisch formuliert Long sein künstlerisches Credo. Trotz Monumentalität bleibt sein Umgang mit geometrischen Grundformen und gewöhnlichen Materialien bescheiden: ein Spiel minimaler Eingriffe in das Vorgefundene.

 

Das war auch Ende der 1960er Jahre die Maxime der Begründer der «Land Art»: bloß keine Artefakte für den kommerziellen Kunstbetrieb schaffen! Den Begriff prägte Gerry Schum 1969 mit einer gleichnamigen «Fernseh-Ausstellung»in den USA: Aufnahmen von ortsgebundenen Arbeiten wurden landesweit ausgestrahlt.

 

Strahlende Schlamm-Sonne

 

Begleitend zur Long-Schau sind im Hamburger Bahnhof auch Werke anderer Land-Art-Pioniere zu sehen. Oder eher, was von ihnen übrig blieb: flackernde Filmaufnahmen, vergilbte Fotos und Karten.

 

Vier Jahrzehnte später vermitteln sie kaum noch, wie aufregend neuartig solche Interventionen in der Landschaft waren. Ob als große Geste wie die Betonröhren von Nancy Holt oder als flüchtige Erscheinungen wie die Klang-Signale von Dennis Oppenheim – derlei kennt heute jede Kreisstadt. Doch die Schlamm-Sonne von Long überstrahlt alles.


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