Berlin

Das Jahrhundert Vasaris

Giorgio Vasari: Verkündigung an Maria, um 1545 (Detail); Foto: © bpk / Kupferstichkabinett, SMB / Jörg P. Anders
Giorgio Vasari ist Vater der Kunstkritik, -geschichte und –hochschule; überdies baute er die Uffizien in Florenz. Zum 500. Geburtstag widmet ihm die Gemäldegalerie eine kleine, feine Kabinett-Ausstellung.

Ohne ihn gäbe es weder diese Seite noch den Autor dieser Zeilen: Giorgio Vasari ist der Erfinder der Kunstkritik. Die er als Kunstgeschichte tarnte: In seinen «Lebensbeschreibungen der hervorragendsten Maler, Bildhauer und Architekten» («Vite») von 1550 und 1568 porträtierte er ausführlich 90 italienische Künstler vom 13. bis ins 16. Jahrhundert. Dabei sparte Vasari weder mit Lob noch Tadel; sein Riesenwerk gilt bis heute als wichtigste Quelle zur Kunst der italienischen Renaissance.

 

Info

Das Jahrhundert Vasaris - Florentiner Zeichner des Cinquecento

 

17.05.2011 bis 21.08.2011
täglich außer montags 10 - 18 Uhr in der Gemäldegalerie, Kulturforum Potsdamer Platz, Berlin

 

Katalog 9,90 €

 

Weitere Informationen

Der erste Kunstkritiker war sehr innovativ: Er erfand die Epochenbezeichnungen Gotik, Manierismus und Renaissance. Und wusste genau, worüber er schrieb: Vasari war selbst ein ausgezeichneter Maler und Architekt. So errichtete er im Auftrag von Fürst Cosimo I. die weltberühmten Uffizien in Florenz. Außerdem regte Vasari die erste Kunsthochschule an: 1563 wurde die Academia del Disegno gegründet.

 

Disegno als Idee + Ausführung

 

Disegno ist ein zentraler Begriff in seiner Kunsttheorie: Er meint sowohl die künstlerische Idee als auch die gelungene Ausführung. Da liegt es nahe, an Vasaris 500. Geburtstag mit einer Kabinett-Schau von Zeichnungen zu erinnern. In der Gemäldegalerie versammelt das Kupferstichkabinett 23 Blätter aus eigenem Bestand – alle aus dem 16. Jahrhundert, dem italienischen Cinquecento.


Impressionen der Ausstellung


 

Spott über Michelangelo-Konkurrenten

 

Hintergrund

Lesen Sie hier eine Rezension der Ausstellung "Drunter und Drüber – Altdorfer, Cranach und Dürer auf der Spur" über Untersuchungen mit Infrarot-Reflektographie in der Alten Pinakothek, München

 

und hier eine Besprechung der Ausstellung "Meister der Dürerzeit" über Hans Baldung, gen. Grien, in der Gemäldegalerie, Berlin

 

und hier einen Beitrag zur Ausstellung "Die Graue Passion in ihrer Zeit" über Hans Holbein d.Ä. in der Staatsgalerie Stuttgart.

Sämtliche vertretenen Künstler stehen in enger Beziehung zum Jubilar: ob Andrea del Sarto, bei dem der junge Vasari in die Lehre ging; sein Freund Francesco Salviati, mit dem er in Rom Hunderte von Kunstwerken studierte und kopierte; oder Baccio Bandinelli – diesen Konkurrenten Michelangelos überhäufte Vasari in seinen Vite mit Spott. Das erklären ausführliche Kommentare zu jeder Arbeit.

 

Wo sie als Vorlage für Gemälde dienten, wird das mit Reproduktionen dokumentiert. So kann der Besucher die Debatten um Zuschreibung und Datierung nachvollziehen, mit denen sich auf Alte Meister spezialisierte Kunsthistoriker beschäftigen. Vier der Werke stammen von Vasari selbst – allesamt herausragende Zeichnungen.

 

Wenig über Kunstgeschichte

 

Die kostbaren Arbeiten werden selten gezeigt, weil sie so lichtempfindlich sind. Allein deshalb ist diese Ausstellung ein kleines Ereignis. Allerdings kommt Vasaris Rolle als Vater der Kunstgeschichte etwas zu kurz: Das belegen nur zwei Erstausgaben der Vite von 1550 und 1568. Da wünscht man sich mehr Material, das die überragende Bedeutung dieses vielseitigen und meinungsfreudigen uomo universale würdigt.


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