Hamburg + Linz

Gilbert & George: Jack Freak Pictures

Gilbert & George: Union Dance. Aus der Serie „Jack Freak Pictures“, 2008; Foto: Deichtorhallen
Auf 120 Großformaten zelebriert das britische Künstler-Duo seinen so bonbonbunten wie ideenarmen Narzissmus: Eine monströse Nabelschau zweier Konzeptkunst-Greise in den Hamburger Deichtorhallen und im Lentos Kunstmuseum Linz.

Gilbert & George (G&G) sind die Modern Talking der zeitgenössischen Kunst. Das britische Künstler-Duo hat das Erfolgsrezept, mit dem Thomas Anders und Dieter Bohlen Millionen von Platten verkauften, auf den Kunstbetrieb übertragen: Ein süffiger Einheitsbrei mit happy-go-lucky-feeling wird unendlich variiert und über alle möglichen Vertriebskanäle vermarktet.

 

Info

Gilbert & George:
Jack Freak Pictures

 

17.06.2011 - 09.10.2011
täglich von 10 - 18 Uhr im Lentos Kunstmuseum, Ernst-Koref-Promenade 1, Linz

 

Katalog 19,90 €

 

Weitere Informationen

Wie Anders und Bohlen haben auch G&G als Gesangs-Duo angefangen. Als «living sculptures» schmetterten sie Ende der 1960er Jahre Gassenhauer in Kunstgalerien. Zu einer Zeit, da in vielen Ländern Homosexualität noch verboten war, empfand man ihre Selbstinszenierung als verschmitzte Spießer-Dandys in schicken Anzügen als originell.

 

In Großbritannien, wo man wenig für Theorie, aber viel für schwarzen Humor übrig hat, kamen ihre simplen Provokationen gut an. Zumal G&G in ihren vielteiligen Bild-Mosaiken auch Immigranten oder four-letter-words ins Zentrum rückten – derlei galt zuvor als nicht bildwürdig.

 

Impressionen der Ausstellung in den Deichtorhallen

 



 

Das ist vorbei. Mittlerweile haben G&G Photoshop als Lieblings-Spielzeug entdeckt: besonders die Funktionen «Spiegeln», «Verzerren» und natürlich «Copy&Paste». Damit gehen sie zur Fließband-Produktion über: Die Bildserie «Jack Freak Pictures» umfasst 120 Riesen-Mosaike, die vollzählig im Lentos Kunstmuseum gezeigt werden und zuvor in den Hamburger Deichtorhallen zu sehen waren.

 

Selbstkommentar: «Fuck ya all»

 

Diese Endlos-Wandverkleidung kommt mit wenigen Elementen aus. British trivia wie Sport-Abzeichen, London-Stadtpläne und vor allem der Union Jack: zerschnitten, vervielfältigt und sonstwie gemorpht. Was einst für Mods und Punks ein subversives Spiel mit Nationalsymbolen war, wird in den Fängen der kopierwütigen Konzeptkunst-Greise zur öden Selbstwiederholung.

 

Das Lebensthema von G&G sind sie selbst. Schon immer waren sie auf ihren Werken zu sehen; nun eröffnet der PC ihrem Narzissmus völlig neue Dimensionen. Mit sämtlichen Körperteilen und in allen denkbaren Posen sind G&G so omnipräsent wie Putten im barocken Himmelreich. Diese monströse Nabelschau kommentiert am besten einer ihrer Bildtitel: «Fuck ya all».


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