Frankfurt am Main

Dürer. Kunst – Künstler – Kontext

Albrecht Dürer (1471–1528): Der Heller-Altar im geöffneten Zustand, 1507-1509, Tannenholz. Historisches Museum Frankfurt. Foto: Horst Ziegenfusz /Quelle: Städel Museum

Der ganze Dürer soll es sein: Das Städel Museum breitet das Werk des bedeutendsten deutschen Renaissance-Künstlers in allen Aspekten so kompetent wie anschaulich aus – samt seinem Beitrag zur Copyright-Debatte. Er malte selbst das, was man nicht malen kann.

Vor 500 Jahren wurde über Urheberrecht genauso gestritten wie heute. So druckte Albrecht Dürer 1511 in seine Holzschnitte-Sammlung zum „Marienleben“ die Warnung: „Wehe dir, du hinterhältiger Räuber fremder Arbeit und fremden Geistes; hüte Dich, unbedacht Hand an dieser unser Werk anzulegen!

 

Info

 

Dürer. Kunst – Künstler – Kontext

 

23.10.2013 – 02.02.2014

täglich außer montags

10 bis 20 Uhr, donnerstags und freitags bis 22 Uhr

im Städel Museum, Schaumainkai 63, Frankfurt am Main

 

Katalog 39,90 €

 

Weitere Informationen

 

Denn wisse, vom ruhmvollen Kaiser Maximilian wurde uns zugestanden, dass es niemand wagen darf, mit gefälschten Stöcken diese Bilder nachzudrucken oder zu verkaufen. Wenn du aus Missachtung oder verbrecherischer Habgier dagegen handelst, so wisse sicher, dass du mit der Konfiskation deiner Güter und größter Gefahr zu rechnen hast.“ Gut gebrüllt, Löwe! Allein, es half ihm wenig: Kein Künstler seiner Epoche wurde häufiger kopiert als er.

 

Mit der Apokalypse zum Ruhm

 

Das war der Preis des Ruhms: Sein Grafik-Zyklus zur „Apokalypse“ hatte ihn 1498 europaweit bekannt gemacht. Kurz vor dem Jahr 1500 zitterte der halbe Kontinent in Endzeit-Erwartungen – und plötzlich erschienen 16 Holzschnitte, welche sämtliche Ängste und Hoffnungen in Bilder fassten, die komplexer und ausdrucksstärker waren als alles zuvor.


Ausstellungs-Film des Städel Museums


 

Unvergänglicher Star-Status

 

Von da an war Dürer ein gemachter Mann; erst in Sachen Reputation, bald auch finanziell. Als er 1505/6 aus seiner Heimatstadt Nürnberg nach Norditalien reiste, empfingen ihn dortige Künstler-Kollegen mit Hochachtung. Und seine letzte Reise 1520/1 in die Niederlande geriet zum Triumphzug: Allerorten wurde er hofiert, bedeutende Maler variierten seine Entwürfe und der Rat von Antwerpen bot ihm eine hohe Leibrente, falls er sich in der Stadt niederließe.

 

Diesen Star-Status hat Dürer nie verloren. Bis heute ist er der beliebteste deutsche Künstler; Motive wie den „Feldhasen“ und die „Betenden Hände“ kennt jeder. Was seinen unvergleichlichen Rang ausmacht, führt nun das Städel Museum in einem opulenten Überblick über das Gesamtwerk vor – im Gegensatz zur Dürer-Ausstellung 2012 in Nürnberg, die nur sein Frühwerk behandelte.

 

Erstes Selbstporträt mit 13 Jahren

 

Dagegen ergänzt das Städel etwa 200 Arbeiten von Dürer selbst mit rund 80 Werken seiner Vorläufer, Zeitgenossen und Schüler wie Martin Schongauer, Jacopo de‘ Barbari oder Hans Baldung Grien, um Dürers immensen Einfluss auf die Kunst der Renaissance aufzuzeigen. Dabei wird deutlich, worauf er aufbauen konnte – und welcher Quantensprung ihm gelang.

 

Sein Vater war Goldschmied und lehrte dieses Handwerk dem Sohn; dabei übte er, feinste Nuancen zu gravieren. Welche Begabung in ihm steckte, zeigt schon die älteste erhaltene Zeichnung Dürers von 1484 – und ebenso sein Selbstbewusstsein: Mithilfe eines Spiegels hatte er sich selbst porträtiert. Damals waren Selbstbildnisse noch völlig unüblich, geschweige denn von einem 13-Jährigen. Doch das präzise ausgearbeitete Dreiviertelprofil mit souveräner Lichtführung verrät ein Ausnahmetalent.

 

Drucke sind lukrativer als Gemälde

 

So durfte er bei einem Maler in die Lehre gehen und danach auf die übliche Wanderschaft; er kam 1494/95 erstmals nach Norditalien. Zurückgekehrt richtete er in Nürnberg sein Atelier ein. Das baute er zur florierenden Werkstatt mit mehreren Schülern und Gesellen aus: Dürer war ein gewiefter Geschäftsmann. Er signierte seine Drucke mit seinem Monogramm als Markenzeichen und ließ sie von Händlern auf Märkten in ganz Mitteleuropa verkaufen.

 

Holzschnitte und Kupferstiche, von denen sich etliche Abzüge herstellen ließen, waren Dürers Kerngeschäft. Aufwändige Ölgemälde für reiche Kunden fertigte er seltener an. Sein letzter Großauftrag war ein Flügelaltar, den der Kaufmann Jakob Heller 1507 für die Frankfurter Dominikanerkirche bestellte. Allein an der monumentalen Mitteltafel arbeitete Dürer ein Jahr lang – und beklagte anschließend, hätte er stattdessen Grafik geschaffen, wäre er nun 1000 Gulden reicher.


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