Trier

Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann

Nero als dekadenter Alleinherrscher in einer Sänfte auf einem Historienbild des 19. Jh., vergrößerte Reproduktion im Museum am Dom, Trier. Foto: ohe

Das Allround-Showtalent auf dem römischen Kaiserthron: Eine glänzend inszenierte Ausstellungs-Trilogie in drei Trierer Museen reinigt Nero vom Stigma des blutgierigen Ungeheuers – und rehabilitiert ihn als Erfinder der Spektakel-Gesellschaft.

Ein Muttersöhnchen als Herrscher der Welt: Mit 16 Jahren wurde Nero im Jahr 54 n. Chr. zum Imperator des römischen Reiches. Seine Herrschaft dauerte nur 14 Jahre: Er wurde 68 n. Chr. vom Senat zum Staatsfeind erklärt und in den Selbstmord getrieben. Umso länger währt sein Nachleben: Bis heute gilt Nero als Inbegriff eines Tyrannen, dessen Willkür und Grausamkeit keine Grenzen kannten – ein klarer Fall von Cäsarenwahnsinn. Allein sein Vorgänger Caligula hat ein ähnlich mieses image wie er.

 

Info

 

Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann

 

14.05.2016 – 16.10.2016

täglich außer montags

10 bis 18 Uhr

im Rheinisches Landesmuseum, Weimarer Allee 1, Trier

Weitere Informationen

 

Begleitband 29,80 €;
Begleitheft 3,95 €

 

Nero und die Christen

 

im Museum am Dom, Bischof-Stein-Platz 1, Trier

Weitere Informationen

 

Lust und Verbrechen – der Mythos Nero in der Kunst

 

im Stadtmuseum Simeonstift Trier, Simeonstraße 60

Weitere Informationen

 

Zu Unrecht, betonen die Museen in Trier. Neros Ruf beruhe vor allem auf schlechter Presse im Römischen Reich; politische Feinde verbreiteten Gräuel-Propaganda über ihn. Doch er sei beim Volk sehr beliebt und seine Regierungszeit deutlich erfolgreicher gewesen als lange vermutet: Dieses Nero-Bild malen drei aufwändige Ausstellungen in allen Facetten aus.

 

Wasser-Orgel für Gladiatoren-Kämpfe

 

Am beeindruckendsten ist die Einzel-Schau im Rheinischen Landesmuseum; sie versammelt 430 Leihgaben aus ganz Europa. Darunter sind so exotische Objekte wie die Reste einer antiken Wasser-Orgel; mit ihr wurden Gladiatoren-Kämpfe musikalisch untermalt. Oder Gefäße mit Brandspuren vom verheerenden Feuer im Jahr 64 n. Chr.: Es wütete neun Tage lang. Danach lag Rom in Schutt und Asche.

 

Oft geraten Antiken-Ausstellungen zur monotonen Parade aus Marmorköpfen und Kalkstein-Tafeln. Anders hier: Die Kuratoren haben Neros Werdegang auf elf Räume verteilt und jede Station passend gestaltet. Wo Originale fehlen, werden punktuell Repliken oder Multimedia-Exponate eingesetzt. Das wirkt ungemein abwechslungsreich, aber nicht überinszeniert; es würde der Hauptperson mit seinem faible für prächtige Schauspiele gewiss gefallen.

Impressionen der Ausstellung im Rheinischen Landesmuseum


 

Einziger Muttermörder aller Kaiser

 

Das Recht auf Selbstdarstellung musste sich Nero blutig erkämpfen: Als er den Thron bestieg, triumphierte zunächst der Machthunger seiner Mutter Agrippina. Sie hatte im Jahr 49 Kaiser Claudius geheiratet und durchgesetzt, dass er ihren Sohn aus erster Ehe adoptierte; dieser nahm den Namen Nero an und heiratete die Kaisertochter Octavia. Claudius‘ leiblichen Sohn Britannicus schob Agrippina beiseite; dann vergiftete sie im Jahr 54 den Kaiser selbst – was Nero ein Jahr später mit seinem Stiefbruder tat.

 

Solche tödlichen Ränke im Herrscherhaus waren nicht ungewöhnlich; die Zeitgenossen schockierte aber, dass Nero im Jahr 59 Agrippina ermorden ließ. Er sollte der einzige römische Kaiser bleiben, der seine eigene Mutter umbrachte. Auch andere Frauen an seiner Seite lebten gefährlich: 62 n. Chr. wurde seine Gattin Octavia getötet, damit er Poppaea Sabina heiraten konnte, eine strahlende Schönheit. Drei Jahre später war er ihr überdrüssig und ließ sie aus dem Weg räumen; seine dritte Ehe mit Statilia Messalina endete nach zwei Jahren mit Neros Ableben. Ihn begruben nur zwei Ammen und seine langjährige Geliebte Claudia Acte.

 

Schiffs-Schlachten in Salzwasser mit Fischen

 

Die wechselnde Damenbegleitung an des Kaisers Seite kümmerte einfache Römer eher wenig; ihnen war wichtiger, welche Wohltaten er unters Volk brachte. Da geizte Nero nicht: Zu Beginn seiner Regierungszeit ließ er eine doppelstöckige Markthalle und ein prunkvolles Amphitheater aus Holz errichten; es war mit rund 36 Metern Höhe nur um ein Viertel niedriger als das heutige Kolosseum.

 

Dort fanden nie gesehene Spektakel statt; etwa Schiffs-Schlachten in Salzwasser, in dem Fische schwammen. Oder Schwertkämpfe, bei denen Hunderte von Mitgliedern der Oberschicht antraten – allerdings ohne einander zu töten. Trotzdem missfiel das dem römischen Adel: Schaukämpfe lieferten sich traditionell nur Sklaven.

 

35 Meter hohe Kolossal-Statue

 

Am stärksten prägte Nero das Stadtbild jedoch mit prunkvollen Bädern und seinen Palastbauten; zuerst mit dem Gebäudekomplex domus transitoria, der im Jahr 64 den Flammen zum Opfer fiel. Auf der verwüsteten Innenstadt ließ er die domus aurea („goldenes Haus“) errichten: ein riesiges Ensemble auf 70 Hektar Fläche – zum Vergleich: Der heutige Vatikanpalast samt Petersplatz bedeckt nur 44 Hektar.

 

Das Areal umfasste ein enormes Wasserbecken, ausgedehnte Gärten sowie Neben- und Hauptgebäude mit mehr als 100 Speiseräumen – alle üppig mit Fresken verziert und bunten Marmor-Platten verkleidet. Am Eingang stand eine 35 Meter hohe Bronzestatue: Sie stellte den Kaiser als nackten heros mit göttlichem Strahlenkranz dar. Nach Neros Tod wurde der Koloss am monumentalen Amphitheater aufgestellt, das von ihm seinen Namen erhielt: Kolosseum.


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