
Das Leben des Mittdreißigers Edward könnte so schön sein. Gerade wurde sein Debütroman veröffentlicht, und Kritiker wie Leser sind begeistert. Er könnte nun das schicke Literatenleben genießen, auf Partys tiefsinnige Gespräche führen und sich auf einer Lesereise feiern lassen. Stattdessen sitzt er mit seiner Mutter Alma in einer irischen Kleinstadt auf dem Sofa und kommuniziert mit ihr durch ein iPad.
Info
Vier Mütter für Edward
Regie: Darren Thornton,
89 Min., Irland 2024;
mit: James McArdle, Fionnula Flanagan, Dearbhla Molloy, Stalle McCusker
Weitere Informationen zum Film
Die Mütter seiner besten Freunde
Deshalb beschließen drei von ihnen, zum Pride-Wochenende nach Spanien zu fahren und laden kurzerhand ihre Mütter bei Edward (James McArdle) ab, ehe der eine Chance hat, nein zu sagen. Nun hat er vier Rentnerinnen unterschiedlichen Temperaments auf dem Hals und muss zwischendurch auch noch mit seinem Verlag verhandeln, der ihn in die USA auf Lesereise schicken möchte.
Offizieller Filmtrailer
Freie Adaption mit weiterem Focus
Der Film des irischen Regisseurs Darren Thronton ist eine sehr freie Adaption der italienischen Tragikomödie „Das Festmahl im August“ (2008); das Drehbuch schrieb er gemeinsam mit seinem Bruder Colin. Wie das Original enthält auch „Vier Mütter für Edward“ autobiografische Elemente. So ist Alma seiner eigenen Mutter nachempfunden, mit der er ebenfalls übers Tablet kommunizieren musste.
Thornton öffnet aber die ursprünglich auf einen Ort fokussierte Geschichte und beleuchtet auch die Erlebnisse von Edwards schwulen Freunden. Die haben in der irischen Provinz nur selten adäquate Feiermöglichkeiten und leben ihren Hedonismus verständlicherweise woanders aus. Edwards Denkweise hingegen ist von solchen Kapriolen weit entfernt.
Ängste und Artikulationsschwierigkeiten
Im Bemühen, es allen recht zu machen, manövriert er sich mitunter in absurde Situationen; etwa wenn er versucht, einen guten Eindruck bei einem Podcast-Gespräch zu machen, während seine Mutter vehement Assistenz beim Toilettengang fordert. Niemand soll nämlich wissen, wie sein Leben gerade wirklich aussieht. Nur mit seinem Freund und Therapeuten Dermot (Rory O’Neill) spricht er über seine Probleme und Ängste, auch vor einem Versagen als Autor.
Denn eigentlich hat nicht nur seine Mutter Alma (Fionnula Flanagan) ihre Stimme verloren. Auch er hat Schwierigkeiten; sich zu artikulieren. Auf ein Telefoninterview bereitet er sich akribisch vor, bringt dann aber alle Zettel durcheinander. Seine eben erst beginnende Schriftstellerkarriere bringt er damit nicht voran.
Autor wird spät erwachsen
Würde der Regisseur sich nicht eindeutig selber auf das italienische Original beziehen, käme man kaum auf seine Inspirationsquelle, denn er hat aus der Grundidee eine ganz eigenständige, vielschichtige Story gemacht. Edward als mit sich hadernder Autor eines schwulen Coming-Of-Age-Romans durchlebt quasi gespiegelt die Geschichte seiner eigenen Romanfigur und wird darüber spät erwachsen.
Bisher scheint er sich nämlich mit der Pflege seiner Mutter vor echter Selbstverantwortung gedrückt – und darüber hinaus die Chance einer Beziehung mit Kumpel Raf (Gaetan Garcia) verbaut zu haben. Während des langen Wochenendes mit den vier Müttern muss er sich unangenehme Fragen nach seinen Lebensplänen und seinem nicht existenten Liebesleben gefallen lassen.
Leichte Stimmung in Herbstgrau
Hintergrund
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Das erzählt Thornton leicht und in stimmigen, herbstgrauen Bildern. Die Farbpalette passt zum Alter der Damen und der anfänglichen Stimmung seiner Protagonistinnen, die sich allein durch die erzwungene Geselligkeit zusehends aufhellt. Er zeigt sie dabei liebenswert und mit großer Zuneigung für all ihre Eigenheiten, die auch für einige Situationskomik sorgen.
Drei Mütter helfen nach
Getragen wird das von einem natürlich agierenden Schauspielensemble, das uneitel und facettenreich allen Figuren große Wahrhaftigkeit gibt, ohne dabei in die Kitschfalle zu tappen. Schließlich wird sich Edward auch mithilfe der anderen Mütter zutrauen, die weite Lesereise anzutreten. Die Frauen verhelfen ihm letztlich zu wohlverdienter Entfaltungsfreiheit und Lebensfreude. Manchmal braucht es dafür eben mehr als eine Mutterfigur.
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