Artikel von Renée-Maria Richter (118)

Geboren 1972 in Rheinland-Pfalz; nach dem Abitur Umzug nach Berlin. Studium der Germanistik, Komparatistik und Psychologie an der FU Berlin, danach Kamerafrau an der Hochschule für Film und Fernsehen (heute: Filmuniversität) Babelsberg. Mitarbeit bei diversen Film- und TV-Produktionen; schreibt seit 1998 regelmäßig über Kino. Mag Filme, die in keine Schublade passen – oder, noch besser, deren Grenzen sprengen.

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Elyas M'Barek

Tausend Zeilen

(Kinostart: 29.9.) Den Leuten erzählen, was sie hören wollen: Damit wurde der Hochstapler Claas Relotius zum Starreporter, bis er 2018 aufflog. Diesen Medienskandal verfilmt Komödien-Mogul Michael Bully Herbig – als klischeelastige Heldenreise, aber mit tiefen Einblicken in Defizite des Medienbetriebs. ...weiter

Jonas Carpignano

Chiara

(Kinostart: 23.6.) Papa ist ein Mafioso: Dieser Schock stellt das Leben eines Mädchens in Süditalien auf den Kopf. Die naturalistische ’Ndrangheta-Studie von Regisseur Jonas Carpignano führt eindrucksvoll vor, wie Angehörige der organisierten Kriminellen ihre Gefangenen werden. ...weiter

Marie Noëlle

Heinrich Vogeler - Aus dem Leben eines Träumers

(Kinostart: 12.5.) Erst dekorativer Jugendstil-Künstler, dann Propagandist der Sowjetmacht: Heinrich Vogeler wechselte radikal die Seiten – weswegen er lange ignoriert wurde. Ihm widmet Regisseurin Marie Noëlle ein schräges „Doku-Fiktion-Kaleidoskop“, das ihm durchaus gerecht wird. ...weiter

Mahamat-Saleh Haroun

Lingui

(Kinostart: 14.4.) Selbst ist die Frau: Eine Mutter im Tschad ermöglicht ihrer Tochter eine illegale Abtreibung, um deren Zukunft zu retten. Regisseur Mahamat-Saleh Haroun schildert weibliche Selbstermächtigung ohne Pathos in ruhigen Einstellungen mit exquisiten Bildern. ...weiter

Kida Khodr Ramadan

Saf

(Kinostart: 24.2.) Das Leben ist eine Spekulanten-Baustelle: Auf ihr schuftet ein Handlanger in Istanbul zum Dumpinglohn. Der reicht hinten und vorn nicht; Gewalt ist auch keine Lösung. Regisseur Ali Vatansever beleuchtet die Armutsfalle des türkischen Prekariats nach 20 Jahren AKP-Herrschaft. ...weiter

Udo Flohr

Effigie – Das Gift und die Stadt

(Kinostart: 20.1.) Scheidung mit Schierlingsbecher: In den 1810/20er Jahren vergiftete die Bremerin Gesche Gottfried zwei Gatten und 13 andere Menschen. Die Enttarnung der Serienmörderin verfilmt Regisseur Udo Flohr als hölzernes Kammerspiel mit feministischem Feigenblatt. ...weiter

Trine Dyrholm

Die Königin des Nordens

(Kinostart: 30.12.) Ungekrönte Herrscherin über ganz Skandinavien: Margarethe I. war die mächtigste Regentin des Mittelalters. Das zeigt Regisseurin Charlotte Sieling anhand einer verwickelten Episode – ein atmosphärisch dichtes Historien-Epos, in der Hauptrolle brilliert Trine Dyrholm. ...weiter

Corinna Belz + Enrique Sánchez Lansch

In den Uffizien

(Kinostart: 25.11.) Die kunstsinnigsten Büros der Welt: Das Museum in Florenz beherbergt eine der größten Renaissance- und Barock-Kollektionen. Die Doku des Regie-Duos Belz und Sánchez Lansch gleicht einem regulären Rundgang – geführt vom deutschen Direktor. ...weiter

Chiara Mastroianni

Zimmer 212 – In einer magischen Nacht 

(Kinostart: 14.10.) Die Geister, mit denen sie schlief: Eine notorische Ehebrecherin wird mit all ihren Liebhaber gleichzeitig konfrontiert. Regisseur Christophe Honoré kreuzt Psychoanalyse mit Screwball-Komödie – für eine feinsinnig sinnliche Gespenster-Schau. ...weiter

Johannes Naber

Curveball – Wir machen die Wahrheit

(Kinostart: 9.9.) Wie eine Hintergrund-Reportage zum Afghanistan-Abzug: Das aberwitzige Lügengebäude, das der BND vor dem Irakkrieg 2003 auftürmte, nimmt Regisseur Johannes Naber genüsslich auseinander. Als brillante Polit-Satire – die leider nur allzu wahr ist. ...weiter