Artikel von Renée-Maria Richter (149)

Geboren 1972 in Rheinland-Pfalz; nach dem Abitur Umzug nach Berlin. Studium der Germanistik, Komparatistik und Psychologie an der FU Berlin, danach Kamerafrau an der Hochschule für Film und Fernsehen (heute: Filmuniversität) Babelsberg. Mitarbeit bei diversen Film- und TV-Produktionen; schreibt seit 1998 regelmäßig über Kino. Mag Filme, die in keine Schublade passen – oder, noch besser, deren Grenzen sprengen.

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Suzannah Mirghani

Cotton Queen

(Kinostart: 23.4.) Reich werden mit weißem Gold: Davon träumen Baumwoll-Bauern im Sudan. Nur eine 15-Jährige möchte mit ihrer ersten Liebe durchbrennen, anstatt sich verheiraten zu lassen. Soap-Opera-Elemente kombiniert Regisseurin Suzannah Mirghani zur präzisen Milieustudie – bis auf die letzten Minuten. ...weiter

Sang-Il Lee

Kokuho – Meister des Kabuki

(Kinostart: 26.3.) Bühnen und Schminke, die die Welt bedeuten: Kaum etwas bringt Japans traditionelle Kultur so elegant zum Ausdruck wie das Kabuki-Theater. In ihm rivalisieren zwei Gefährten miteinander; das exquisite Melodram von Regisseur Sang-Il Lee taucht tief in eine fremde Lebenswelt ein. ...weiter

İlker Çatak

Gelbe Briefe

(Kinostart: 5.3.) Chronik einer Desillusionierung: Zwei türkische Künstler verlieren durch Behörden-Willkür erst ihre Jobs und dann den Boden unter den Füßen. Das inszeniert Regisseur İlker Çatak als subtil austarierte Autoritarismus-Parabel, die überall spielen könnte – zurecht mit dem Goldenen Bären prämiert. ...weiter

Alexe Poukine

Madame Kika

(Kinostart: 15.1.) BDSM als Fortsetzung von Sozialarbeit mit anderen Mitteln: Nach einem Schicksalsschlag wirft eine Sozialamts-Mitarbeiterin ihren Job hin und wird Domina. Wunderbar klischeefreie Tragikomödie aus Belgien über weibliche Selbstermächtigung mit hervorragender Hauptdarstellerin. ...weiter

Stéphane Sorlat

Das Geheimnis von Velázquez

(Kinostart: 20.11.) Alles überall auf einmal: Seinen Essay-Film über Leben und Werk des spanischen Barockmalers reichert Regisseur Stéphane Sorlat mit derart vielen Experten-Stimmen und anderen Elementen an, dass ohne Vorkenntnisse Verwirrung droht. Dadurch wirkt dieses Patchwork sehr französisch. ...weiter

Emma Stone + Jesse Plemons

Bugonia

(Kinostart: 30.10.) Allein gegen die Aliens: Zwei Spinner entführen eine Konzern-Chefin, um die Erde vor Außerirdischen zu retten. Sein Remake einer koreanischen Sci-Fi-Komödie gerät Regisseur Giorgos Lanthimos zur flachen Parabel von Frauen-Aufstieg und Männer-Deklassierung – trotz exzellenter Schauspieler. ...weiter

Amanda Kim

Nam June Paik: Moon is the Oldest TV

(Kinostart: 11.9.) Der Mann, der Youtube vorwegnahm: Mit exzentrischen TV-Experimenten wurde Nam June Paik zum Erfinder der Videokunst. Wie der berühmteste koreanische Künstler anfangs belächelt und später als visionärer Pionier gefeiert wurde, zeichnet die Doku von Regisseurin Amanda Kim fesselnd nach. ...weiter

Johannes Betz

Sep Ruf – Architekt der Moderne

(Kinostart: 10.7.) Baumeister der frühen Bundesrepublik: In den 1950/60er Jahren schuf Sep Ruf viele moderne Wohn- und Verwaltungsbauten, die leicht und elegant erschienen – als Sinnbilder der jungen Demokratie. Regisseur Johannes Betz widmet ihm eine solide, passagenweise etwas konfuse Doku. ...weiter

Cécile de France

Die Bonnards – Malen und Lieben

(Kinostart: 5.6.) Sie küssten sich (oft) und sie schlugen sich (selten): Der Nabis-Künstler Pierre Bonnard und seine Partnerin Marthe de Méligny waren ein unzertrennliches Paar. Das zeigt Regisseur Martin Provost so stimmungsvoll wie undramatisch – indem er seinen Film an Bonnards Malweise angleicht. ...weiter

Adèle Exarchopoulos

Beating Hearts (L'Amour ouf)

(Kinostart: 27.3.) Romeo und Julia mit Knast und Kleinbürgerhölle: Die Liebe zwischen einem Kleinkriminellen und einer Halbwaisen schildert Regisseur Gilles Lellouche als betörend originellen Bilderbogen, der zwischen Romantik-Drama und Gangster-Epos changiert. Eine Amour fou, so intensiv wie das erste Mal. ...weiter