
Saï dürfte einer der jüngsten Hauptdarsteller der Kinogeschichte sein: Kapuzineraffen sind bis zum Alter von zwei Jahren am kooperativsten, danach werden sie eigensinniger und wilder. Doch Launen einer Diva konnte Regisseur Thierry Ragobert seinem wichtigsten Schauspieler nicht durchgehen lassen: Wie bei einem Star-Vehikel hing der gesamte Film von ihm ab.
Info
Amazonia (3D) - Abenteuer im Regenwald
Regie: Thierry Ragobert
85 Min., Frankreich/ Brasilien 2013
mit: 40 Kapuzineraffen, Jaguare, eine Anakonda, Pfeilgiftfrösche, ein Brillenkauz, ein Adler, Flussdelfine, Krokodile, ein Gürteltier, ein Nasenbär, eine Boa Constrictor und eine Faultier-Familie
Aus Wasserfall in Kaiman-Rachen
Andere Erfahrungen sind nicht weniger gefährlich: An einen Ast geklammert, treibt Saï hilflos auf dem Fluss, stürzt in einen Wasserfall und landet fast im Rachen eines Kaimans. Endlich findet er eine Affenhorde, der er sich anschließen darf – nachdem sie ihn lange hat zappeln lassen. Doch sein junges Glück mit neuer Freundin wird von Raubkatzen, Wolkenbrüchen und Abholzung bedroht.
Offizieller Filmtrailer
Gelungener Mix aus Natur-Doku + Fiktion
Natürlich sind die Augenblicke äußerster Gefahr inszeniert: Saï, seine Affenhorde und einige Nebendarsteller wurden von Tierpflegern trainiert. Etliche andere jedoch nicht, und gedreht wurde ausschließlich on location mitten im Urwald. Die gelungene Mischung von Natur-Dokumentation und fiktionalen Elementen macht den Reiz von „Amazonia“ aus.
Ahnherr derartiger Doku-Dramen aus der Wildnis ist „Die Wüste lebt“ von James Algar; die Walt-Disney-Produktion von 1953 wurde ein Welterfolg. Seither haben viele Filme versucht, die Lebensweise von Tieren durch Dramatisierung und launige Off-Kommentare dem Publikum näher zu bringen; solche Vermenschlichung fällt oft peinlich oder gar verfälschend aus.
Sparsame Hintergrund-Kommentare
Hintergrund
Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.
Lesen Sie hier eine Besprechung des Films "A Floresta De Jonathas – Im dunklen Grün" von Sergio Andrade über das Leben in Amazonien
und hier einen Bericht über den Film "Das grüne Wunder - Unser Wald" - Doku über den deutschen Wald von Jan Haft
und hier einen Beitrag über den Dokumentarfilm “Samsara” von Ron Fricke über Natur-Schönheiten + ihre Zerstörung
Dabei lässt „Amazonia“ keinen Zweifel daran, dass die größte Regenwald-Region der Erde für ihre Bewohner kein Paradies ist. Hier leben mehr als zehn Prozent aller Tierarten des Planeten auf engem Raum zusammen. Ihr Kampf um Futter, Nistplätze und andere Ressourcen ist unerbittlich; es dauert lange, bis Saï die ersten genießbaren Brocken auftreiben kann.
Erstmals 3D im Urwald
Doch die Schauplätze, die er dabei durcheilt, sind betörend: ein endloser, in allen Farben schillernder Irrgarten aus Baumriesen, Schlingpflanzen und Wasserläufen. Die erstmals im Urwald verwendeten 3D-Kameras ziehen den Betrachter in diese exotische Welt förmlich hinein. Weniger die snapshots von Wildtieren, die es auch reichlich gibt, als vielmehr das Eintauchen in den Kosmos der Tropen machen „Amazonia“ zum hinreißenden Seherlebnis – und zur Bildungsreise, auf der die Zuschauer genauso viel lernen wie der kleine Saï.