Artikel von Anne-Katrin Müller (123)

Kommt aus Niedersachsen; war von der norddeutschen Tiefebene schnell gelangweilt. Umzug nach NRW, Ausbildung zur Fotografin in Köln und Iserlohn. Diverse Jobs, die mal mehr, mal weniger mit Foto und Film zu tun hatten, was ihre Begeisterung fürs Kino nicht minderte. Schreibt seit ca. zehn Jahren über bewegte Bilder für diverse Medien. Liebt Filme, die ihr die Augen für fremde Lebenswelten öffnen, ohne ihr Sand in dieselben zu streuen.

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Lionel Baier

Nathalie – Überwindung der Grenzen

(Kinostart: 30.5.) Familienzusammenführung durch Anti-EU-Protest: Eine Eurokratin soll einen Staatsbesuch auf Sizilien organisieren – stattdessen macht sie bei Sponti-Aktionen ihres Sohnes mit. Die anfangs scharfzüngige Politsatire verwandelt Regisseur Lionel Baier in ein rührseliges Versöhnungs-Melodram. ...weiter

Mohamed Kordofani

Goodbye Julia

(Kinostart: 14.3.) Ehe-Zwist als Prolog zur Teilung der Nation: Bewunderungswürdig elegant zeigt Regisseur Mohamed Kordofani, wie Rassismus die Zwei-Klassen-Gesellschaft des Sudans prägt – das führte 2011 zur Spaltung. Der wohl erste sudanesische Spielfilm in deutschen Kinos ist ein kleines Meisterwerk. ...weiter

Devid Striesow

Roxy

(Kinostart: 25.1.) Russenmafia-Reprise in Klassik-Soße: Regisseur Dito Tsintsadze wärmt das Klischee vom kriminellen Oligarchen auf, hinter dem Dunkelmänner her sind. Fehlbesetzungen, schale Gags und ein beharrlich schweigender Devid Striesow ergeben eine Gangsterkomödie, die besser ein Hörspiel wäre. ...weiter

Berlin

Großes Kino – Filmplakate aller Zeiten

Keine Kassenschlager ohne Kinoplakate: Trotz Digitalisierung bleiben sie die wichtigsten Werbeträger für Filme. 300 Exemplare seit Beginn der bewegten Bilder präsentiert die Kunstbibliothek – die Geschichte des Mediums ist so abwechslungsreich und interessant wie ein kurzweiliger Kinobesuch. ...weiter

Patrick Muroni

Fierce: A Porn Revolution

(Kinostart: 30.11.) Queere Pornos, selbstbestimmt und lustbetont: Das schwebt einem Frauen-Filmkollektiv aus Lausanne vor. Die Doku von Regisseur Patrick Muroni beobachtet sie bei Aktivitäten und Dreharbeiten – doch verspieltes Geplauder und Antiklimax-Aufnahmen wirken eher abtörnend. ...weiter

Alexander Kluge

Abschied von gestern (WA)

(Kinostart: 19.10.) Außer Atem für die frühe Bundesrepublik: 1966 porträtierte Regisseur Alexander Kluge mit verwegenen Stilmitteln eine Kleinkriminelle, gespielt von seiner Schwester – das wurde zum Überraschungserfolg. Diese kühne Pioniertat des Neuen Deutschen Films kommt nun restauriert wieder ins Kino. ...weiter

Dennis Stormer

Youth Topia

(Kinostart: 17.8.) Schluss mit der starren Volljährigkeits-Regel: Ob jemand erwachsen wird oder dauerpubertär bleibt, entscheidet künftig die KI. Das anfangs originelle Gedankenspiel wird nach der Hälfte zum zähen Fernsehspiel – Gemeinschaft malt Regisseur Dennis Stormer als kindische Teenie-Gang aus. ...weiter

Alex Carvalho

Salamandra

(Kinostart: 27.7.) Sextouristin werden ist nicht schwer, es bleiben dagegen sehr: Eine erotisch ausgehungerte Französin angelt sich einen brasilianischen Strandboy und wird in krumme Geschäfte verwickelt. Regisseur Alex Carvalho lässt das Publikum ähnlich im Unklaren tappen wie die Hauptfigur. ...weiter

Laura Poitras

All the Beauty and the Bloodshed

(Kinostart: 25.5.) Volle Dröhnung: Nan Goldin wandelte sich von einer Szene-Fotochronistin zur Anti-Pharma-Aktivistin. Regisseurin Laura Poitras packt quasi vier Filme in eine Doku; da bleibt für die einzelnen Themen und Epochen wenig Zeit. Dennoch erhielt sie dafür den Goldenen Löwen 2022. ...weiter

Maryam Touzani

Das Blau des Kaftans

(Kinostart: 16.3.) Wenn der Lehrling länger bleibt: Seine Zuneigung erschüttert die austarierte Routine eines Schneider-Ehepaars in Marokko. Regisseurin Maryam Touzani inszeniert ihr Dreiecks-Drama nicht als Coming-out, sondern als sehr ästhetische gefilmte Folge von diskreten Anspielungen. ...weiter