Nepomuk Pfaff

Insekten – Helden im Verborgenen

Foto: Camino Film & CZAR Film
(Kinostart: 16.7.) Mit Mikrobudget in den Mikrokosmos: Dokumentarfilmer Nepomuk Pfaff würdigt die Leistungen bedrohter Insektenarten. Faszinierende Makro-Aufnahmen wechseln sich dabei ab mit nüchternen Reportagen über Schutzmaßnahmen und unnötigen erzählerischen Verrenkungen.

Das weltweite Insektensterben ist keine Neuigkeit. Die Gesamtmasse der Kerbtiere schrumpft jedes Jahr, ihr massiver Rückgang hat Auswirkungen auf die Kreisläufe in der Natur und wird erheblich vom Einfluss des Menschen mitbestimmt. Nun beleuchtet die Doku „Insekten – Helden im Verborgenen“, was im Mikrokosmos passiert und welche Rolle die Kleinstlebewesen bei der Entwicklung der Erde spielten und spielen.

 

Info

 

Insekten – Helden im Verborgenen

 

Regie: Nepomuk Pfaff,

88 Min., Deutschland 2026

 

Weitere Informationen zum Film

 

Während die Gattung der Menschenwesen erst seit 300.000 Jahren auf der Erde lebt, bevölkern Insekten den Planeten bereits seit 480 Millionen Jahren. Dabei waren Urformen die ersten Lebewesen, die auch die Lüfte für sich nutzbar machten. Damit hatten sie auch eine wesentliche Rolle bei der Ausbreitung von Pflanzen; zuvor geschah die Verbreitung von Samen nur durch den Wind.

 

Winzige Helden in Großaufnahmen

 

Filmemacher Nepomuk Pfaff bietet mit geringem Budget, indem er sich auch in Filmarchiven bedient, spektakuläre Einblicke in den Mikrokosmos zu unseren Füßen. In „Insekten – Helden im Verborgenen“ kommen tricktechnische, zeitverzögerte und mikroskopische Aufnahme-Verfahren, die für faszinierende Bildwelten sorgen. Nach eigenen Angaben hat Pfaff dabei bewusst auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz verzichtet; einige Aufnahmen wirken dennoch etwas artifiziell.

Offizieller Filmtrailer


 

Artenkiller Landwirtschaft

 

Neben der Beobachtung der Insekten und ihrer Lebensräume geht es auch um ihre Rolle in der belebten Umwelt. Insekten sorgen für die Bestäubung von Pflanzen, sie sind wesentlicher Bestandteil von Nahrungsketten und tragen mit ihrer Zersetzungsarbeit maßgeblich zum Nährstoffkreislauf bei. Mehr als die Hälfte der rund zwei Millionen wissenschaftlich beschriebenen Tierarten weltweit sind Insekten.

 

Beim aktuellen Insektensterben verschwinden laut einer Studie in Deutschland vor allem ganze Arten. Da viele von ihnen spezielle Aufgaben erfüllen, entsteht irreversibler Schaden für die Biosysteme. Da liegt es nahe, dieses Phänomen und dessen Auswirkungen im Film darzustellen. Zumindest in Deutschland und in Europa haben intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden dazu geführt, die Anzahl der Insekten massiv zu verringern.

 

Berichte aus der Menschenwelt

 

Um Alternativen zu zeigen, besucht das Filmteam Biosphärenreservate in Deutschland, in denen Versuche zu Insektenschutz durchgeführt werden. Das Filmprojekt ist auch in Zusammenarbeit dem WWF entstanden. So stehen im Film schillernde visuelle Momente neben der im Vergleich dazu profanen Begehung einer Wiese.

 

Zudem berichten Landwirte, wie sie konkrete Maßnahmen zum Insektenschutz in ihre Wirtschaftsweise integriert haben. Zusammengehalten werden die beiden filmisch so gegensätzlichen Elemente durch eine essayartige Erzählung, die von der Schauspielerin Katharina Thalbach mit sonorer Stimme aus dem Off vorgetragen wird.

 

In fünf Kapiteln durch die Erdgeschichte

 

Diese begleitende Erzählung strukturiert den Film in fünf Kapitel analog zu den fünf Entwicklungsstadien von Insekten, bei der sie eine Metamorphose durchlaufen. So erzählt der Film von der Entstehung der Insekten, ihrer Verbindung zur Welt und dem Aufkommen des Menschen. Dann wird die moderne Landwirtschaft gezeigt und abschließend vervollständigen gefilmte Gestaltwandlungen der Insekten das komplexe Bild.

 

So entstehen beinahe zwangsläufig Brüche; zwischen derart unterschiedlichen Betrachtungsebenen lassen sich nur schwer Übergänge herstellen. Die Filmerzählung setzt dabei auf die direkte Ansprache des Publikums in Form persönlicher Anrede: „Du, Mensch“. Das ist bisweilen etwas arg bemüht und kommt als gewollt metaphysische und philosophische Betrachtung nicht immer überzeugend daher.

 

Unnötige Verniedlichung

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films "Das geheime Leben der Bäume" – Essay-Film über Peter Wohllebens Bestseller von Jörg Adolph + Jan Haft

 

und hier eine Besprechung des Films "Becoming Animal" – ambitionierter Essayfilm zur "Allbeseeltheit der Welt" von Emma Davie und Peter Mettler

 

und hier einen Beitrag über den Film "Das grüne Wunder – Unser Wald" – Langzeit-Doku von Naturfilmer Jan Haft.

 

Vor allem, wenn dieses Stilelement kombiniert wird mit einem zweiten: dem Beispiel-Insekt. Wenn Hummel Hugo, Biene Bianka und Glühwürmchen Gloria unterschiedliche Aspekte der Insektenexistenz erklären, ähnelt das einer alles verniedlichenden Naturdoku oder den Sachgeschichten im Kinderfernsehen.

 

Bisweilen wäre eine direktere und sachlichere Erläuterung zielführender; schlichte Wissensvermittlung ist schließlich auch ein Wert an sich. Ebenso erscheint der zwar wichtige, aber weniger fotogene Teil über den landwirtschaftlichen Insektenschutz etwas übergewichtet.

 

Dinge, die zusammengehören

 

Dennoch denkt „Insekten – Helden im Verborgenen“ zusammen, was ohnehin zusammengehört, filmisch aber allzu oft einzeln betrachtet wurde: die unbekannte Lebenswelt des Mikrokosmos und den aktiven Naturschutz durch eine nachhaltige Nahrungsmittelproduktion.