
Eine Expedition in das unbekannte Universum am Stadtrand: Mit seinem Film über den heimischen Wald bietet Jan Haft, der schon zahlreiche Natur-Dokus gedreht hat, bislang unbekannte Einblicke in das geheimnisvolle und kuriose Leben unter grünen Blättern.
Info
Das grüne Wunder -
Unser Wald
Regie: Jan Haft, 93 min., Deutschland 2012;
mit: Benno Fürmann
Schnorchel- + Endoskop-Optiken
Um den Kreislauf des Lebens unter Baumkronen auf die Leinwand zu bringen, nutzt Haft extreme Zeitraffer- und Zeitlupen-Aufnahmen. Dafür setzt er modernste Kamera-Technik ein, etwa Schnorchel- und Endoskop-Optiken. Das Team baute eigene Kamera-Schlitten, -Seilbahnen und absolvierte 15 Flugstunden in einem Heißluft-Ballon: Ein Hubschrauber hätte zuviel Laub aufgewirbelt.
Offizieller Film-Trailer
Bilder sprechen für sich
Noch beeindruckender als der technische Aufwand ist die Geduld der Filmemacher: In sechs Jahren nahmen sie an 600 Drehtagen 250 Stunden Material auf. Regisseur Haft und sein Kameramann Kay Ziesenhenne verbrachten mehr als 100 Nächte im Tarnzelt und filmten an 70 Orten in Deutschland, Österreich und Dänemark.
Dabei fingen sie seltene Schwarz-Störche in ihrem Horst ein, von Blättern stürzende Ameisen und Insekten, die von Harz-Tropfen für alle Zeiten eingeschlossen werden: Die faszinierenden und wundersamen Bilder sprechen eigentlich für sich und lassen staunen.
Kommentar voller Plattitüden
Hintergrund
Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.
Lesen Sie hier eine Besprechung der Dokumentation "Samsara" von Ron Fricke über Natur-Schönheiten + ihre Zerstörung
und hier einen Beitrag über den Film "Das Haus auf Korsika" von Pierre Duculot über naturnahes Leben am Mittelmeer
und hier eine Rezension der Doku "Sushi - The Global Catch" von Mark S. Hall über die Überfischung der Weltmeere.
Dass so viele vermenschlichende Begriffe verwendet werden, verwundert: Sowohl Regisseur Haft als auch Produzent Jörn Röver, der die Texte verantwortet, haben Biologie studiert. Eigentlich wollen sie mit ihren Natur-Filmen dazu beitragen, Flora und Fauna besser verständlich zu machen.
Heutiger Wald ist zu dicht
Erst im letzten Teil des Filmes lernt man wirklich etwas, weil der Kommentar erklärende Erläuterungen liefert. Nun erfahren wir, dass der heutige Wald zu dicht bepflanzt und bewachsen ist, weil er vom Menschen vor allem als Nutzfläche und Jagdgrund gesehen wird.
Dabei geht die Botschaft des Films fast unter: Er plädiert für Naturschutzgebiete, in dem große Pflanzen und Fleisch fressende Tiere die strukturelle Vielfalt aus Baum- und Strauch-Gruppen erhalten, so dass ein natürlicher, offener Wald entsteht. Damit wir den Wald vor lauter Bäumen wieder sehen können – in seiner ganzen Schönheit und Vielfalt.