Shinji Imaoka

Underwater Love – A Pink Musical

Tanzeinlage in der Fischfabrik; Foto: Rapid Eye Movies

(Kinostart: 27.10.) Soft-Porno goes Cheapo-Trash: Eine deutsch-japanische Koproduktion will das anarchische Genre der «Pink Movies» wieder beleben – und versenkt sich mit reizlos dilettantischer Ausführung selbst.

Nippon bizarr – «Pink Movies» sind die vermutlich schrägste Spielart der an Seltsamkeiten reichen Kino-Kultur Japans: Low- oder No-budget-Filme, die ihr Publikum mit «heißer Erotik» locken, aber vor allem durchgeknallte Stories liefern. Unter dem Deckmäntelchen von Soft-Pornos bringen Genre-Regisseure ihre wildesten Fantasien auf die Leinwand.

 

Info

Underwater Love –
A Pink Musical

 

Regie: Shinji Imaoka, 87 min., Japan/ Deutschland 2011

 

mit: Sawa Masaki, Yoshiro Umezawa, Ai Narita

 

Weitere Informationen

Dabei sind die Sex-Szenen meist dürftig. Sie bieten nur einen Vorwand, um äußerst alberne oder abgedrehte Geschichten mit einfachsten Mitteln zu verfilmen. In der Blütezeit der Pink Movies, den 1960/70er Jahren, schmuggelten manche Filmemacher systemkritische oder gar anarchische Botschaften in ihre Fantasy- und Horror-lastigen Streifen. Damit begeisterten sie eine treue Fangemeinde.

 

Keiner geht für Trash ins Kino

 

Mittlerweile haben sich Pink Movies eigentlich überlebt. Wer fleischfarbenes Gestöhne will, bedient sich im Sex-Shop oder Internet. Das subversive Potential von B- und C-Filmen hat eine globalisierte Popkultur längst bis jenseits aller Schmerzgrenzen ausgereizt: Trash läuft heute auf zahllosen Billig-TV-Kanälen rund um die Uhr. Für quietschbunten Müll muss keiner mehr ins Kino gehen.


Offizieller Film-Trailer


 

Dennoch hat sich der deutsche Spezialverleih Rapid Eye Movies, ansonsten auf Edel-Bollywood und asiatische Autorenfilmer wie Kim Ki-Duk abonniert, für seine erste eigene Produktion einen Pink Movie ausgesucht. Dafür verpflichtete er mit Christopher Doyle einen Kameramann, der seit seiner Arbeit für Wong Kar-Wai (etwa «In the mood for love» oder «2046») und Zhang Yimou internationales Ansehen genießt.

 

Fünf Zeilen sind zuviel

 

Genre-Veteran Shinji Imaoka führt Regie bei «Underwater Love». Den Soundtrack zu diesem «Pink Musical» steuert das in Kreuzberger Studi-Discos bekannte Junk-Pop-Duo «Stereo Total» bei. Trotz weltumspannender Zusammenarbeit wirkt das Resultat völlig unausgegoren. Das Presseheft quetscht den Inhalt in fünf Zeilen – zuviel für diese Nicht-Handlung.

 

Asuka arbeitet in einer Fischfabrik und will ihren Chef heiraten. Dann begegnet sie ihrem Jugendschwarm Aoki wieder – der ertrank und wurde als Kappa-Fisch wiedergeboren. Nun jagen schlüpfrige Begattungen, unmotivierte Tanz-Einlagen und hemmungslose Blödelei einander. Macht dreieinhalb Zeilen.

 

See-Bestattung für Fisch-Ragout

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Miserable Kostüme, unfähige Schauspieler, idiotische Dialoge und null Talent bei allen Mitwirkenden machen dieses Machwerk zu einem absolut überflüssigen Stück Zelluloid-Schrott. Wie die quäkende musikalische Untermalung: Was darf man auch sonst von Interpreten erwarten, die als Endvierziger unter den Künstlernamen «Francoişe Cactus» und «Bretzel Göring» auftreten?

 

Ihrer dilettantischen Debilen-Revue fehlt jeder Humor oder Charme. Bitte dieses verrottete Fisch-Ragout sofort im Gelben Meer versenken – dort, wo es am tiefsten ist!


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