Thierry Ragobert

Amazonia (3D) – Abenteuer im Regenwald

Saï, der Kapuzineraffe und Hauptdarsteller des Films. Foto: © 2014 polyband Medien GmbH / Le Pacte / Biloba Films / Gullane

(Kinostart: 24.4.) Auf den Kapuzineraffen gekommen: Regisseur Thierry Ragobert schickt einen Primaten auf Bildungsreise in den Dschungel. Seine dezent dramatisierte Odyssee wird zum spektakulären Seherlebnis im faszinierend exotischen Tropen-Kosmos.

Saï dürfte einer der jüngsten Hauptdarsteller der Kinogeschichte sein: Kapuzineraffen sind bis zum Alter von zwei Jahren am kooperativsten, danach werden sie eigensinniger und wilder. Doch Launen einer Diva konnte Regisseur Thierry Ragobert seinem wichtigsten Schauspieler nicht durchgehen lassen: Wie bei einem Star-Vehikel hing der gesamte Film von ihm ab.

 

Info

 

Amazonia (3D) – Abenteuer im Regenwald

 

Regie: Thierry Ragobert

85 Min., Frankreich/ Brasilien 2013

mit: 40 Kapuzineraffen, Jaguare, eine Anakonda, Pfeilgiftfrösche, ein Brillenkauz, ein Adler, Flussdelfine, Krokodile, ein Gürteltier, ein Nasenbär, eine Boa Constrictor und eine Faultier-Familie

 

Website zum Film

 

Im Grunde ist „Amazonia“ eine Bildungsreise: Das Äffchen, das in Gefangenschaft aufwuchs, wird im Urwald ausgesetzt und muss fortan allein zurecht kommen. Es macht sich mit der fremdartigen Pflanzen- und Tierwelt vertraut und sucht nach bekömmlicher Nahrung. Nicht ohne Fehlgriffe: Als Saï an giftigen Pilzen knabbert, erlebt er einen Drogenrausch, der ihn fast umbringt.

 

Aus Wasserfall in Kaiman-Rachen

 

Andere Erfahrungen sind nicht weniger gefährlich: An einen Ast geklammert, treibt Saï hilflos auf dem Fluss, stürzt in einen Wasserfall und landet fast im Rachen eines Kaimans. Endlich findet er eine Affenhorde, der er sich anschließen darf – nachdem sie ihn lange hat zappeln lassen. Doch sein junges Glück mit neuer Freundin wird von Raubkatzen, Wolkenbrüchen und Abholzung bedroht.


Offizieller Filmtrailer


 

Gelungener Mix aus Natur-Doku + Fiktion

 

Natürlich sind die Augenblicke äußerster Gefahr inszeniert: Saï, seine Affenhorde und einige Nebendarsteller wurden von Tierpflegern trainiert. Etliche andere jedoch nicht, und gedreht wurde ausschließlich on location mitten im Urwald. Die gelungene Mischung von Natur-Dokumentation und fiktionalen Elementen macht den Reiz von „Amazonia“ aus.

 

Ahnherr derartiger Doku-Dramen aus der Wildnis ist „Die Wüste lebt“ von James Algar; die Walt-Disney-Produktion von 1953 wurde ein Welterfolg. Seither haben viele Filme versucht, die Lebensweise von Tieren durch Dramatisierung und launige Off-Kommentare dem Publikum näher zu bringen;  solche Vermenschlichung fällt oft peinlich oder gar verfälschend aus.

 

Sparsame Hintergrund-Kommentare

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „A Floresta De Jonathas – Im dunklen Grün“ von Sergio Andrade über das Leben in Amazonien 

 

und hier einen Bericht über den Film „Das grüne Wunder – Unser Wald“  – Doku über den deutschen Wald von Jan Haft

 

und hier einen Beitrag über den Dokumentarfilm Samsara von Ron Fricke über Natur-Schönheiten + ihre Zerstörung

 

Das vermeidet Regisseur Ragobert: Er schreibt seinem kleinen Helden keine humanen Regungen zu und setzt Hintergrund-Kommentare nur sparsam ein. Stattdessen lässt er Bilder sprechen – und die sind spektakulär: Jede gefilmte Situation wirkt, als könne sie sich im alltäglichen Dschungel-Dasein jederzeit tatsächlich so zutragen.

 

Dabei lässt „Amazonia“ keinen Zweifel daran, dass die größte Regenwald-Region der Erde für ihre Bewohner kein Paradies ist. Hier leben mehr als zehn Prozent aller Tierarten des Planeten auf engem Raum zusammen. Ihr Kampf um Futter, Nistplätze und andere Ressourcen ist unerbittlich; es dauert lange, bis Saï die ersten genießbaren Brocken auftreiben kann.

 

Erstmals 3D im Urwald

 

Doch die Schauplätze, die er dabei durcheilt, sind betörend: ein endloser, in allen Farben schillernder Irrgarten aus Baumriesen, Schlingpflanzen und Wasserläufen. Die erstmals im Urwald verwendeten 3D-Kameras ziehen den Betrachter in diese exotische Welt förmlich hinein. Weniger die snapshots von Wildtieren, die es auch reichlich gibt, als vielmehr das Eintauchen in den Kosmos der Tropen machen „Amazonia“ zum hinreißenden Seherlebnis – und zur Bildungsreise, auf der die Zuschauer genauso viel lernen wie der kleine Saï.  


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