Josef Hader

Das ewige Leben

Köck (Roland Düringer, li.) fällt aus dem Rahmen. Das war schon so, als er noch lebte, weiß Simon Brenner (Josef Hader). Foto: Majestic/Patrick Wally

(Kinostart: 19.3.) Ganz unten in Graz: Josef Hader spielt erneut den Gelegenheits-Ermittler Simon Brenner – diesmal völlig abgewrackt. Wolf Haas‘ schwarzhumorigen Ösi-Krimi verfilmt Wolfgang Murnberger gewohnt bissig und bitterböse mit viel Schmäh.

Der österreichische Krimiautor Wolf Haas zählt zu den wenigen lebenden Autoren deutscher Sprache, die sich rühmen können, dass ihr halbes Gesamtwerk fürs Kino verfilmt wurde. Haas hat mittlerweile acht Romane mit seinem gebrochenen Helden Simon Brenner veröffentlicht. „Das ewige Leben“ ist nach „Komm, süßer Tod“, „Silentium“ und „Der Knochenmann“ bereits die vierte Adaption für die Leinwand.

 

Info

 

Das ewige Leben

 

Regie: Wolfgang Murnberger,

121 Min., Österreich 2015;

mit: Josef Hader, Nora von Waldstätten, Tobias Moretti

 

Website zum Film

 

Diesmal ist Brenner (Josef Hader) völlig pleite, ohne Job und ohne Wohnung. Dazu plagt ihn noch eine unerträgliche chronische Migräne. Als letzten Ausweg hofft er auf Hilfe vom Arbeitsamt. Doch die Sachbearbeiterin hält ihm vor, er sei „ein U-Boot“, weil er seit Jahren weder Steuern noch andere Abgaben bezahlt hat. Somit existiert er für die Behörden eigentlich nicht.

 

Strom aus Rasenmäher-Steckdose

 

Brenner besitzt de facto nichts – bis auf sein Elternhaus in Graz, das er vor langer Zeit verlassen hat. Notgedrungen fährt er also dorthin, nichts Gutes erwartend. Wenigstens bietet das baufällige Elternhaus ein Dach über dem Kopf – das ziemlich leckt, seitdem ein Baum darauf gestürzt ist. Strom liefert der freundliche Nachbar aus der Rasenmäher-Steckdose, bis er schlafen geht.


Offizieller Filmtrailer


 

Der Polizeichef als Intimfeind

 

So ein Hundeleben wünscht man nicht mal seinem ärgsten Feind. Damit es besser wird, besucht Brenner seinen alten Kumpel Köck (Roland Düringer), der inzwischen einen Trödelhandel betreibt. Er will sich von ihm Geld leihen, aber Köck kann nicht weiterhelfen: Sein Laden läuft schlecht. Zudem schreckt ihn Brenners Besuch auf; er ruft sofort einen anderen alten Jugendfreund an, der Aschenbrenner (Tobias Moretti) heißt – die Namensähnlichkeit ist wohl Absicht.

 

Dieser hat sich inzwischen zum Polizeichef hochgedient. Er ist über die Nachricht von Brenners Rückkehr wenig erfreut, weshalb er ihm noch am selben Abend einen unfreundschaftlichen Besuch abstattet. Bei Aschenbrenner kocht offenbar alte Feindseligkeit hoch; man ahnt, dass Brenner seiner Heimatstadt einst aus triftigen Gründen den Rücken gekehrt hat.

 

Versehentlicher Selbstmordversuch wegen Kopfweh

 

Die Begegnung mit Gespenstern aus der Vergangenheit tut seiner Migräne nicht gut: Ein neuer Anfall ist so unerträglich, dass Brenner kurz überlegt, sich mit einer alten Pistole umzubringen, die er im Elternhaus gefunden hat. Als er damit hantiert, löst sich ungewollt ein Schuss.

 

Tage später wacht Brenner in einer psychiatrischen Klinik auf, die von Aschenbrenners Frau Dr. Irrsiegler (Nora von Waldstätten) geleitet wird. Man hält ihn für einen verhinderten Selbstmörder. Und als ob all das noch nicht genug wäre, wird sein Kumpel Köck ermordet und er verdächtigt. Sein Instinkt verrät ihm, dass hier zu viele Zufälle auf einmal passiert sind; er fängt an, in eigener Sache zu ermitteln.

 

Rückblenden auf Polizeischüler-Jugend

 

Erneut haben sich Autor Wolf Haas, der Kabarettist Josef Hader und Regisseur Wolfgang Murnberger für diesen vierten Brenner-Streich zusammengetan; das eingespielte Trio zeigt, dass es der scheinbar wohlbekannten Figur noch weitere Facetten abgewinnen kann. Dieser Film ist der persönlichste und auch melancholischste der Schwarzhumor-Serie.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films „Paradies: Glaube“ – Abrechnung mit Bigotterie in Österreich von Ulrich Seidl

 

und hier einen Bericht über die Ausstellung „Gottfried Helnwein − Retrospektive“ mit erlesener Elends-Pornographie vom bekanntesten Künstler Österreichs in der Albertina, Wien

 

und hier einen Beitrag über die Ausstellung „Böse Dinge: Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks“ des Werkbund-Archivs in Hamburg + Wien.

 

Brenner hat als absolutes Wrack scheinbar auch Witz und Biss verloren. Die erzwungene Rückkehr in seine Heimatstadt ist für ihn die denkbar größte Niederlage. Was ihn damals weggetrieben hat, erfährt der Zuschauer aus Rückblenden in verwaschenen Super-Acht-Farben; sie zeigen ihn als Polizeischüler mit damaligen Freunden.

 

Etwas zu konstruierte Krimi-Handlung

 

Alle teilen miteinander ein dunkles Geheimnis, dessen Auffliegen vor allem Aschenbrenners bisher makellose Karriere bedroht. Die eigentliche – leider etwas zu konstruierte – Krimi-Handlung wird davon ein wenig gebremst; obwohl es spannend ist, mehr über Brenners Person und seine Herkunft zu erfahren.

 

Das trübe Gemüt der Hauptfigur zeigt sich auch im Erzählton und am Wetter. Es schient immer zu regnen, wenn Brenner auf einem altersschwachen Moped aus Jugendtagen durch Graz auf Ermittlungstour fährt. In diesen Momenten scheint auch wieder der typische, subtile und lakonische Humor durch, der Filme und Bücher der Serie auszeichnet. Ebenso kommt die bei Haas übliche, bitterböse Kritik an Polizei und Politikfilz nicht zu kurz.

 

Verfolgung, bis die Luft ausgeht

 

Die Hauptrolle passt Josef Hader abermals wie eine zweite Haut. Neben ihm spielt ziemlich jeder mit, der in Österreich Rang und Namen hat: Besonders Tobias Moretti als machtgieriger, fieser Polizeichef erfreut als Bösewicht. Wer immer noch nicht überzeugt ist, sollte sich den Film allein wegen der kultverdächtigen Ösi-Verfolgungsjagd zwischen Brenner und Aschenbrenner ansehen: Sie beginnt schnell und wird immer langsamer, bis beiden Gegenspielern die Luft ausgeht. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht für die Brenner-Geschichten gilt.


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