Jennifer Lawrence

Joy – Alles außer gewöhnlich

Joy Mangano (Jennifer Lawrence). Foto: © 2015 Twentieth Century Fox
(Kinostart: 31.12.) Mit Wischmopp-Wedeln zur Millionärin: Den uramerikanischen Aufstiegstraum erzählt Regisseur David O. Russell am Beispiel einer Haushaltsgeräte-Königin – gute Schauspieler gleichen ein unausgegorenes Drehbuch voller Leerlauf nicht aus.

Sein Drama „The Fighter“ über das comeback eines Boxers wurde 2011 mit zwei Oscars prämiert. Doch US-Regisseur David O. Russell ist vor allem bekannt für überdrehte Komödien über Exzentriker, wie „Silver Linings Playbook“ (2012) über ein Neurotiker-Liebespaar und „American Hustle“ (2013) über Korruption im New York der 1970er Jahre. Nun verbindet Russell beides in „Joy – Alles außer gewöhnlich“, angelehnt an die Biographie der teleshopping queen Joy Mangano. Leider übertreibt er dabei öfter bis zu blanker Hysterie.

 

Info

 

Joy - Alles außer gewöhnlich

 

Regie: David O. Russell,

124 Min., USA 2015;

mit: Jennifer Lawrence, Robert De Niro, Bradley Cooper

 

Website zum Film (engl.)

 

Joy wächst in den 1970er Jahren in ärmlichen Verhältnissen in Long Beach auf; schon früh träumt sie davon, erfolgreiche Unternehmerin zu werden. Später findet sich Joy (Jennifer Lawrence) in der Rolle einer allein erziehenden Mutter von drei Kindern wieder; sie wohnen gemeinsam mit ihrer fernsehsüchtigen Mutter, der Großmutter und ihrem Ex-Mann (Édgar Ramírez) unter einem Dach. Noch unübersichtlicher wird die Lage, als auch der Vater (Robert De Niro) im Keller einzieht, wo bereits ihr Ex haust.

 

Wischen ohne Auswringen

 

Alsbald blühen der Vater und Joys bisher apathische Mutter auf: Beide schleppen plötzlich ihre neuen Liebhaber an – das Chaos ist perfekt. Zum Glück hat Joy 1990 eine zündende Idee, um sich aus diesem Leben zu befreien. Sie erfindet den „Miracle Mop“; dieser Wischmopp macht das lästige Auswringen per Hand überflüssig. Nach ihrem Auftritt im teleshopping-Kanal von Neil Walker (Bradley Cooper) setzt sie Zigtausend Stück ihres Zauber-Geräts ab. Das ist der Durchbruch und Beginn von Joys Aufstieg zur selfmade Millionärin mit eigenem Haushaltsgeräte-Imperium.

Offizieller Filmtrailer


 

Donald Trump des Einkaufs-Fernsehens

 

Nicht nur inhaltlich ist Joys Begegnung mit dem arroganten Sender-Chef der entscheidende Wendepunkt. Während zuvor teils nervtötende Aufgekratztheit kaschieren soll, dass die Handlung nicht recht vorankommt, bringt Bradley Cooper einen sehr trockenen Humor in den Film hinein. Das ist weit witziger als die künstlich aufgebauschte Gute-Laune-Stimmung zuvor.

 

Hintergrund

 

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier eine Besprechung des Films “Serena” – Ehe-Drama in den USA der 1920er Jahre mit Jennifer Lawrence + Bradley Cooper von Susanne Bier

 

und hier einen Bericht über den Film “Blue Jasmine” – Tragikomödie von Woody Allen über den Neuanfang einer Unternehmer-Gattin mit Cate Blanchett

 

und hier einen Beitrag über den Film “Red Lights” – Parapsychologie-Thriller von Rodrigo Cortés mit Robert De Niro.

 

Cooper legt den Medienmogul Neil Walker als eine Art Donald Trump des Einkaufs-Fernsehens an. Mit theatralischen Gesten will er als Inbegriff größtmöglicher Souveränität erscheinen, degradiert sich aber zur lächerlichen Schießbudenfigur. Dagegen wirken Pappkameraden wie Édgar Ramírez als Latino, der im Keller spanische Liedchen trällert, und Robert De Niro als zerknitterte alte Nervensäge im dritten Frühling fast schon peinlich.

 

Vor sich hin hysterisieren

 

Damit vergeudet De Niro seine Fähigkeiten erneut unter Wert; wie in manchen Filmen der letzten Zeit wirkt er fehlbesetzt und unterfordert. Dagegen machen die beiden anderen Hauptdarsteller Jennifer Lawrence und Bradley Cooper, die bereits in den letzten beiden Filmen von Regisseur Russell mitspielten, abermals ihre Sache ausgesprochen gut. Insbesondere Lawrence nimmt man ihre Rolle einer willensstarken und durchsetzungsfähigen business woman jederzeit ab.

 

Sie hat aber nicht nur mit grotesken Familien-Verhältnissen zu kämpfen, sondern auch mit den Tücken eines unausgegorenen Drehbuchs. Dem gelingt es nur streckenweise, den all american dream vom Tellerwäscher zum Millionär plausibel und zeitgemäß zu erzählen. So wechseln vergnügliche Passagen mit solchen ab, in denen der Film im Leerlauf vor sich hin hysterisiert.


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