
Deutlicher kann man kaum sagen, worum es geht: Auf dem Filmplakat prangt in Balkenlettern ganz oben „FASSBENDER“, darunter „CRUZ“, „DIAZ“, „BARDEM“ und „PITT“. In der unteren Hälfte steht viel kleiner der Titel, und darüber ganz klein der Name des Regisseurs. Als sei Ridley Scott ein Hollywood-Handlanger für Action-Dutzendware.
Info
The Counselor
Regie: Ridley Scott
117 Min., USA 2013
mit: Michael Fassbender, Javier Bardem, Brad Pitt, Cameron Diaz, Penélope Cruz
Vier Oscars für „No Country for Old Men“
Was erstaunlich ist: Das Drehbuch schrieb Cormac McCarthy, einer der berühmtesten Schriftsteller des zeitgenössischen US-Literaturbetriebs. Mehrere seiner düsteren, von Gewalt und Endzeit-Stimmung getränkten Romane sind verfilmt worden: „No Country for Old Men“ (2007) von den Coen-Brüdern gewann vier Oscars, „The Road“ (2009) von John Hillcoat malte den Zusammenbruch jeder Zivilisation in Amerika aus.
Offizieller Filmtrailer
Prompt geht alles schief
In „The Counselor“ geht nicht die Welt zugrunde, sondern nur das Leben des namenlosen Titelhelden (Michael Fassbender); das aber gründlich. Da er seiner vergötterten Geliebten Laura (Penélope Cruz) noch mehr Luxus bieten will, lässt er sich auf einen Drogen-Deal ein. Den fädelt sein dubioser Freund Reiner (Javier Bardem) ein; der Nachtclub-Besitzer ist seiner skrupellosen Gespielin Malkina (Cameron Diaz) verfallen.
Nur der mysteriöse Mittelsmann Westray (Brad Pitt) bewahrt kühlen Kopf und warnt den Anwalt, die Sache könne eine Nummer zu groß für ihn sein. Prompt geht alles schief: Aus dem Nichts auftauchende Schurken reißen den Kokain-Transport an sich, ein mexikanisches Kartell will 20 Millionen Dollar wiederhaben und bringt alle Beteiligten zur Strecke.
Pitt als Paradiesvogel, Bardem als Karikatur
Ein schnörkellos fader Plot, dessen achtlos hingeschluderte Details verraten, wie wenig der 80-jährige Romancier über Rauschgift-Handel weiß. Oder über das Auftreten von Profi-Dealern: Brad Pitt prahlt zwar, jederzeit spurlos verschwinden zu können, stolziert aber wie ein Paradiesvogel im showbiz cowboy outfit herum.
Hintergrund
Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit
Lesen Sie hier eine Besprechung des Films "Prometheus - Dunkle Zeichen" - Science-Fiction-Epos von Ridley Scott mit Michael Fassbender
und hier einen Beitrag über den Film “Savages” von Oliver Stone über Drogenbanden-Kriege in Südkalifornien
und hier eine kultiversum-Rezension des Films "The Road" von John Hillcoat nach dem Endzeit-Roman von Cormac McCarthy
Taten haben Konsequenzen
Solche albernen, willkürlich eingestreuten Episoden sollen das zähe Einerlei etwas auflockern. Denn dieser Pseudo-Thriller entpuppt sich als langatmiges Konversations-Drama: Fast zwei Stunden lang seifen sich die Protagonisten gegenseitig mit Plattitüden ein, die ihnen Pulitzer-Preisträger McCormack in den Mund legt.
Das klingt dann so: „Taten haben Konsequenzen, und es entstehen neue Welten, und jede ist anders.“ Oder, noch existentieller: „Sie sind die Welt, die Sie erschaffen haben, und wenn Sie aufhören zu existieren, wird die Welt, die Sie erschaffen haben, auch aufhören zu existieren.“
Neues Blockbuster-Genre
Dieses bedeutungsschwangere Geraune kleidet Regisseur Ridley Scott in die von ihm gewohnte Hochglanz-Politur – und kreiert damit ein bisher unbekanntes Genre. Schlechte Krimis gibt es viele; ebenso Milieu- und Charakter-Studien, deren Macher wenig Ahnung von den Porträtierten und ihrem Umfeld haben. Aber Blockbuster-Kino mit Megastars, die im Multimillionärs-Ambiente nur Kalenderblatt-Weisheiten von sich geben: Das ist neu.