Tetsuya Nakashima

Geständnisse – Confessions

Auslöschungs-Fantasie: Shuya träumt davon, sich an seinen Mitschülern zu rächen. Foto: Rapid Eye Movies
(Kinostart: 28.7.) Kein Amoklauf, nur eine Auslöschungs-Fantasie: Regisseur Nakashima stürzt eine japanische Schulklasse in ein Massaker. Mit den Ereignissen in Norwegen hat das nichts zu tun, aber wer will zurzeit einen solchen Film sehen?

Ein gepeinigter Lehrkörper schlägt zurück: Die Lehrerin Moriguchi erklärt ihrer siebten Klasse am letzten Schultag, dass sie ihren Job aufgibt. Vor vier Monaten sei ihre Tochter Manami gestorben, ermordet von zwei Mitschülern. Den Übeltätern habe sie HIV-verseuchtes Blut in die Pausenmilch gespritzt, setzt der Racheengel hinzu – und entlässt die verblüfften Sechstklässler in die Sommerferien.

 

Info

Geständnisse - Confessions

 

Regie: Tetsuya Nakashima, Japan 2010, 106 min.; mit: Takako Matsu, Masaki Okada, Yoshino Kimura

 

Weitere Informationen

Die verseuchte Milch war für Shuya und Naoki bestimmt. Für den hochbegabten Shuya wird jeder Gang ins Klassenzimmer zum Spießrutenlauf: Seine Klassenkameraden schneiden und mobben ihn. Er wehrt sich seiner Haut, indem er ihnen droht, sie mit AIDS anzustecken.

 

Naoki entzieht sich dem Mitschüler-Mob durch Cocooning: Er bleibt daheim und wäscht sich nicht mehr. Seine überfürsorgliche Mutter Yuko und der engagierte Junglehrer Terada sind ratlos. Yuko will mit ihrem Sohn Selbstmord begehen, doch sie bleibt allein auf der Strecke.

 

Lehrerin tötet Mutter

 

Obwohl es den Richtigen getroffen hätte: Naoki ertränkte Manami, um Shuya zu imponieren. Der hatte zuvor für die Lehrertochter einen raffinierten Tötungsplan ausgetüftelt, um in die Schlagzeilen zu kommen. Nun will er mit einer Bombe seine Mitschüler hinmetzeln. Doch Moriguchi arrangiert, dass die Bombe Shuyas Mutter tötet – ihre Rache ist perfekt.

 

Offizieller Video-Trailer

 



 

Japans Schulsystem gilt als hart: Sein Drill, Konformitäts- und Leistungsdruck sind aus europäischer Sicht für Kinderseelen unbekömmlich. Folgt man Regisseur Nakashima, muss es die Hölle sein. Damit trifft er offenbar bei seinen Landsleuten einen Nerv: «Confessions» gewann in Japan die vier wichtigsten Filmpreise und war für den Auslands-Oscar nominiert.

 

Durchgestylte Kaltfarben-Ästhetik

 

Schulabgänger, die auf eine halbwegs erträgliche Zeit zurückblicken, dürfte dieser Film aber befremden. Dem arg konstruierten Plot fehlt jede plausible psychologische Motivierung. Wer hier wen beeindrucken will, indem er andere abmurkst, wird bald unbegreiflich.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Zudem macht eine durchgestylte, auf Hochglanz polierte Kaltfarben-Ästhetik «Geständnisse» zum fast zweistündigen Werbespot für Selbstjustiz und Auslöschungs-Fantasien. Natürlich hat er mit den Ereignissen in Norwegen nichts zu tun, aber wer will das zurzeit im Kino sehen?


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