Ben Affleck

The Company Men

Sieht nicht so aus, ist aber der erste Schritt zum neuen Arbeitsplatz: Gene und Bobby besichtigen eine verlassene Schiffswerft; Foto: Senator

(Kinostart: 7.7.) Anleitung zum Selbstständigwerden: John Wells’ Leinwand-Debüt über Arbeitslosen-Frust gibt den Gefeuerten eine neue Chance. Ein großes Star-Aufgebot spielt honorig und motivierend, aber auch überraschungsarm.

Wie eine Sozialreportage aus der Wirtschaftswelt: Der Mischkonzern GTX feuert Bobby Walker, Abteilungsleiter im Vertrieb, und Hunderte seiner Kollegen. Mit Abfindung, Sozialplan und «Outplacement Center», aber sie sind draußen. GTX-Boss James Salinger schließt die unrentable Transport-Sparte, um den Aktienkurs nach oben zu treiben.

 

Info

The Company Men

 

Regie: John Wells, USA 2010, 104 Min.;
mit Ben Affleck, Tommy Lee Jones, Chris Cooper, Kevin Costner

 

Webseite zum Film

Die Entlassungswelle trifft auch große Fische: Vorstandsmitglied Gene McClary und seine rechte Hand Phil Woodward müssen gleichfalls gehen. Finanziell fallen sie weich, im Alltag dagegen in ein Loch: Sie waren mehr mit der Firma als ihrer Frau verheiratet. Nun wissen sie kaum, wie sie ihre freie Zeit totschlagen sollen.

 

Hilfsarbeiter beim Schwager

 

Anders bei Familienvater Bobby: Ihm geht bald das Geld aus. Erst muss er seinen Sportwagen verkaufen, dann das Haus – und mit Frau und Kindern zu seinen Eltern ziehen. Denn er findet partout keine neue Stelle: Mal ist er überqualifiziert, mal sind die Konditionen unannehmbar. Bis er zerknirscht in der Bau-Kolonne seines Schwagers als Hilfsarbeiter anheuert.

 

Baustellen werden aber nicht seine Bestimmung: McClary gründet mit Ex-GTX-Mitarbeitern ein neues Unternehmen und holt Bobby an Bord. Es geht wieder aufwärts! Nur Woodward ist nicht mit dabei: Er hat sich der Jobsuche für immer entzogen.

 

Offizieller Video-Trailer

 



 

Schematische Jobverlust-Reaktionen

 

Das Leinwand-Drama zum jobless growth: Die US-Wirtschaft hat sich von der Finanzkrise erholt, aber nicht der Arbeitsmarkt. Während Multis wieder Gewinne machen, verharrt die Arbeitslosenrate bei rund zehn Prozent – für Amerika eine skandalös hohe Quote.

 

Die Gründe – Konkurrenzdruck und Fixierung auf kurzfristige Profite – streift der Film nur am Rande. Ihn interessiert vor allem, wie Betroffene auf ihren Jobverlust reagieren. Das Spektrum von Pragmatismus über ohnmächtigen Protest bis zur Selbstzerstörung führt das Drehbuch plausibel, doch recht schematisch vor.

 

Motivation bei Jobverlust-Angst

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Autor und Regisseur John Wells ist ein routinierter TV-Produzent von Serien wie «The West Wing» und «Emergency Room». Fernseh-Ästhetik prägt auch sein Kino-Debüt mit großem Star-Aufgebot: Viele Dialoge, wenig Handlung. Mit grundvernünftigen Botschaften: Niederlagen akzeptieren, Hilfe annehmen, sich auf Vertraute stützen und sein Leben selbst in die Hand nehmen.

 

So überrascht am Ende kaum, dass der Do-it-yourself-Gedanke triumphiert: Bobby bekommt eine neue Chance. Das ist so honorig wie volkspädagogisch wertvoll. Wer um seinen Arbeitsplatz bangt, den mag dieser Film mehr erbauen als manches Motivations-Seminar.


Diesen Artikel drucken