Roman Polanski

Der Gott des Gemetzels

Auf dem glatten Parkett der Komödie ist Nancy (Kate Winslet) ausgerutscht. Foto: Constantin Film
(Kinostart: 24.11.) Ein Anstandsbesuch mutiert zum Tohuwabohu: In «Carnage» lässt Erfolgs-Dramatikerin Yasmina Reza zwei Ehepaare aufeinander los. Seine Verfilmung inszeniert Altmeister Polanski als temporeiches Dialog-Feuerwerk.

Auf seinen Edel-Thriller «The Ghostwriter» lässt Regie-Veteran Roman Polanski eine Komödie folgen: In «Der Gott des Gemetzels» verfilmt er das Theaterstück «Carnage». Darin wirft Erfolgs-Autorin Yasmina Reza einen bitterbösen Blick hinter menschliche Fassaden. In ihrem Kammerspiel prallen zwei Familien in einer Wohnung aufeinander: die Cowens und die Longstreets.

 

Info

Der Gott des Gemetzels

 

Regie: Roman Polanski, 79 min., Deutschland/ Frankreich/ Polen/ Spanien 2011;
mit: Kate Winslet, Jodie Foster, Christoph Waltz, John C. Reilly

 

Website zum Film

Der Anlass für den Besuch von Nancy (Kate Winslet) und Alan Cowen (Christoph Waltz) bei Penelope (Jodie Foster) und Michael Longstreet (John C. Reilly) ist ein Streit ihrer Sprösslinge: Bei einer Rauferei im Park hat der junge Cowen den jungen Longstreet mit einem Ast vermöbelt und ihm zwei Zähne ausgeschlagen. Die Elternpaare wollen diese Scharte auswetzen.

 

Beide Seiten sind an einer gütlichen Lösung interessiert – doch die verhindern ihre Charaktere, die Polanski wunderbar überspitzt inszeniert. Die Eigenheiten der Protagonisten verschärfen sich im Lauf des Konflikts: Alle Beteiligten werden allmählich einander spinnefeind.

 

Offizieller Video-Trailer

 



 

Angekotzte Ehefrau

 

Für den zynischen Anwalt Alan lohnt das Tohuwabohu um die Rangelei seines Sohnes den Aufwand nicht. Er muss sich dringend um einen Mandanten aus der Pharma-Industrie kümmern, mit dem er im Laufe des Treffens mehrfach telefoniert. Das kotzt seine Frau Nancy wortwörtlich an: Hysterisch erbricht sie sich ins Wohnzimmer der Longstreets, wobei sie ein Sammlerstück der politisch äußerst korrekten Penelope ruiniert.

 

Dieser Zwischenfall bringt die verhinderte Autorin ebenso aus der Fassung wie ihr selbstgerechter Ehemann Michael, der den Proleten in sich nur mit Mühe zügeln kann. Aus dieser Konstellation entwickelt Polanski ein temporeiches Dialog-Feuerwerk, das an klassische Screwball-Komödien erinnert.

 

Hausarrest als Inspiration?

 

Herausragend agiert vor allem Christoph Waltz: Der österreichische Schauspieler, der für seine Nebenrolle in Quentin Tarantinos «Inglourious Basterds» einen Oscar erhielt, treibt die Handlung mit jeder winzigen Geste und sarkastischen Spitze voran. Eine wundervolle Leistung.

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

Ob Polanski sein monatelanger Hausarrest in der Schweiz zu diesem Kammerspiel inspiriert hat, bleibe dahingestellt. Doch zeigt er abermals seine Klasse als Regisseur aller Genres, indem er seiner mehr als fünfzig Jahre währenden Laufbahn ein weiteres Meisterwerk hinzufügt.


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