Peter Dörfler

The Big Eden

Er hat nichts gegen lange Haare, nur gepflegt müssen sie sein: Rolf Eden lässt sich bei Star-Coiffeur Udo Walz frisieren. Foto: Peter Dörfler

Für 6.000 D-Mark zurück nach Berlin 

 

En passant wird seine unorthodoxe Biographie enthüllt: 1933 wanderte Eden mit seinen Eltern nach Palästina aus. Später kämpfte er als Elite-Soldat in Israels Unabhängigkeits-Krieg. Anstatt im Kibbuz den neuen Staat aufzubauen, wollte er lieber als Musiker nach New York. Er kam bis Paris, las von 6.000 D-Mark Rückkehr-Prämie für Berliner Juden und fuhr in seine Geburtsstadt zurück. Der Rest ist Nightlife- und Entertainment-Geschichte.

 

Leider erfährt man wenig über den Privatmann – abgesehen von seinen Frauengeschichten, die bei ihm eher Teil seines Berufslebens sind. Dagegen kein Wort über den erfolgreichen Investor: Eden hat die stattlichen Gewinne aus seinen Etablissements in Immobilien angelegt. Man würde gern von einem seiner Mieter hören, wie er wohl als Hausherr auftritt.

 

Die Ein-Personen-Seifenoper

 

Doch hinter diese Kulissen gewährt der Strahlemann keinen Einblick. Stattdessen strickt er unermüdlich am Mythos vom Glückskind, das immer nur Fun, Frauen und Feeling für das Angesagte hatte. Psychologisch betrachtet, wäre er ein schwerer Fall von Realitätsverlust – würde er diese Happy-Go-Lucky-Attitüde wirklich ernst meinen.

 

Gottlob ist alles nur Schau-Geschäft: Auf der Bühne seines Lebens ist Eden sein eigener Intendant und Regisseur. In diesem endlosen Ein-Personen-Stück haben dramatische Einbrüche und Rückschläge keinen Platz. Wie jede anständige Seifenoper hangelt er sich von Episode zu Episode, mit ständig wechselnden Nebendarstellerinnen in stets ähnlichen Konstellationen: die ewige Wiederkehr des Gleichen.

 

Lebendiges Gesamt-Kunstwerk

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau bei Film-Zeit.

 

Lesen Sie hier das Interview „Harte Rollen liegen ihm“ mit Rolf Eden über Lust + Leid des Playboy-Daseins in Deutschland.

 


Damit erweist sich Rolf Eden als praktizierender Nietzscheaner: der Über-Mensch, dessen unerschöpfliche Energie seine kleinmütigen Zeitgenossen einfach beiseite fegt. Und dabei mehr Chuzpe, Charme und Witz beweist als all die Anzugträger, die sich ringsherum um ihren Platz in den Schlagzeilen balgen. Den hat Eden längst abonniert – als lebendiges Gesamtkunstwerk. Wir werden ihn sehr vermissen, wenn er einmal nicht mehr da ist.