Malik Vitthal

Body Cam – Unsichtbares Grauen

Renee (Mary J. Blige) hat eine beunruhigende Begegnung. Foto: Paramount Pictures Germany

(Kinostart: 6.8.) B-Movie-Horror statt sozialer Relevanz: Regisseur Malik Vitthal erzählt überraschungsfrei von einer Polizistin, die dem brutalen Tod eines Kollegen nachforscht – und verschenkt ein spannendes Thema: willkürliche Polizeigewalt.

Zum Auftakt von Malik Vitthals zweitem Spielfilm „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ wird man sogleich mit verstörenden Parallelen zur Wirklichkeit konfrontiert: In einer Nachrichtensendung wird vom Freispruch eines Polizeibeamten berichtet, dem die Ermordung eines unbewaffneten Afroamerikaners zur Last gelegt wird. Unweigerlich denkt man an die schrecklichen Bilder von George Floyd, der im Mai 2020 in Minneapolis bei einer brutalen Festnahme getötet wurde – ein Ereignis, das nicht nur in den USA, sondern weltweit wütende Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt provozierte.

 

Info

 

Body Cam – Unsichtbares Grauen

 

Regie: Malik Vitthal,

92 Min., USA 2019;

mit: Mary J. Blige, Nat Wolff, David Zayas, Anika Noni Rose

 

Website zum Film

 

Vitthals Film entstand bereits im Jahr 2018, bezieht sich aber auf dieses explosive Thema, das inbesondere in den Vereinigten Staaten schon lange gärt und immer wieder hochkocht. Allerdings gelingt es dem Regisseur und dem Autorengespann Richmond Riedel und Nicholas McCarthy nicht, dem etwas Sinnvolles abzuringen. „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ hätte durchaus ein Thriller werden können, der Zorn mit sozialer Relevanz verbindet. Stattdessen entpuppt sich der Film als unbeholfen konstruiertes Horror-B-Movie.

 

Beweis löst sich auf

 

Dass hinter dem brutalen Ableben eines Streifenkollegen eine übernatürliche Macht steckt, erkennt die gewissenhafte Polizistin Renee (Mary J. Blige) sofort, als sie am Ort des Geschehens eintrifft. Der auf Video gebannte Beweis seines gewaltsamen Todes löst sich allerdings in Luft auf. Renee, die bis vor kurzem suspendiert war, will eigentlich nur in Ruhe ihren Dienst tun; weil am Vortag der mordende Polizist freigesprochen worden ist, liegt jedoch eine besondere Anspannung in der Luft. Dazu kommt, dass sie mit Danny (Nat Wolff) einen unerfahrenen Partner an ihrer Seite hat.

Offizieller Filmtrailer


 

Halbherzig gezeichnete Figuren

 

Renee fühlt sich berufen, den seltsamen Ereignissen auf den Grund zu gehen. Schon bald stolpert sie über weitere grässlich zugerichtete Leichen. „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ versagt nicht nur als Kommentar zu Polizeigewalt und toxischem Korpsgeist. Der Horrorthriller wird zudem seinem Anspruch kaum gerecht, eine unheimliche Geschichte spannend zu erzählen. Der Hintergrund der äußerst blutig in Szene gesetzten Attacken zeichnet sich bereits im Mittelteil deutlich ab.

 

Bei ihren Ermittlungen fallen Renee die Erkenntnisse oft allzu leicht in den Schoß. Ganz allgemein fehlt es dem Film an mehrdimensionalen Figuren, die auch Kanten haben. Renee bekommt zwar eine tragische Hintergrundgeschichte verpasst; emotionales Kapital schlagen die Macher jedoch nicht daraus, dass die Polizistin durch den Unfalltod ihres Sohnes traumatisiert ist. Noch halbherziger ist die Zeichnung Dannys, dessen aufgewühltes Innenleben viel zu spät in den Fokus rückt.

 

Perspektivwechsel fehlen

 

Angesichts solcher inhaltlicher Schwächen hätte Vitthal zumindest Mühe darauf verwenden können, atmosphärische Akzente zu setzen. Doch abgesehen von einer ungemütlichen Konfrontation in einem kleinen Supermarkt bietet „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ auch in dieser Hinsicht wenig. Immer wieder stapft Renee gefühlte Ewigkeiten lang durch schummrige Gebäude, ohne dass jenseits formelhafter Geisterbahneffekte etwas Aufregendes passieren würde. Unfreiwillig demonstriert Vitthal vor allem, dass Dunkelheit, flackernde Lichter und ein plötzliches Anschwellen der Tonspur allein nicht für ein beklemmendes Kinoerlebnis sorgen.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „Stephen Kings Doctor Sleeps Erwachen“Horror-Thriller von Mike Flanagan

 

und hier einen Bericht über den Film „Midsommar“ – unkonventioneller Mystery-Horror-Thriller von Ari Aster

 

und hier einen Beitrag über den Film „Der Unsichtbare“subtiler Mystery-Horrorfilm von Leigh Whannell

 

Bei einem stimmigen Zusammenspiel von Gruselelementen kann dagegen sogar eine Mystery-Geschichte furchteinflößend wirken, die unter strahlend blauem Himmel spielt – wie unlängst der Regisseur Ari Aster mit seinem albtraumhaften Folklore-Schocker „Midsommar“ (2019) unter Beweis stellte. In das wenig überzeugende Bild passt, dass Vitthal es versäumt, mit Wahrnehmung und wechselnden Perspektiven auf reizvolle Weise zu spielen.

 

Verschenkte Aktualität

 

Immerhin darf man wohl froh sein, dass das Geschehen nicht durchgängig aus dem Sichtwinkel der titelgebenden Kameras gezeigt wird; die werden schließlich von Polizisten im Einsatz am Körper getragen. Zumindest ermüdendes Dauergewackel bleibt dem Zuschauer erspart. Vitthal hätte allerdings die zwischendurch immer wieder eingestreuten Body-Cam-Einstellungen durchaus wirkungsvoller einsetzen können. Das hingeschluderte Finale bestätigt einmal mehr den enttäuschenden Gesamteindruck: „Body Cam – Unsichtbares Grauen“ ist ein uninspiriert zusammengebastelter Möchtegern-Schocker, der ein hochaktuelles Thema – willkürliche Polizeigewalt – leichtfertig verschenkt.