Anthony Hopkins

Hitchcock (2012)

Alma Reville (Helen Mirren) und Alfred Hitchcock (Anthony Hopkins) beim Feinschnitt von "Psycho". Foto: Twentieth Century Fox

(Kinostart: 14.3.) Ein Psycho-Drama über «Psycho»: Der Horror-Klassiker wäre beinahe gescheitert – aus Geldmangel und Ehe-Streit. Regisseur Sacha Gervasi rehabilitiert Hitchcocks Frau in einem so spannenden wie amüsanten Film über den Film.

Ein Psycho-Drama über einen Psycho-Thriller: Alfred Hitchcocks «Psycho» ist der wohl berühmteste Horrorfilm aller Zeiten, und die spektakuläre Mord-Szene unter der Dusche in das visuelle Kollektiv-Gedächtnis eingegangen. Als virtuoses Bravourstück aus schrägen Perspektiven, schnellen Schnitten und schrillem Geigen-Stakkato, das den Schrecken mehr suggeriert als zeigt – und dadurch umso stärker wirkt.

 

Info

Hitchcock

 

Regie: Sacha Gervasi

98 min., USA,  2012; 

mit: Anthony Hopkins,
Helen Mirren, 
Scarlett Johansson

 

Englische Website zum Film

Dabei wollte Hitchcock (Anthony Hopkins) ursprünglich keine Musik. Doch seine Frau Alma Reville (Helen Mirren) empfahl ihm, mit scharfem Saiten-Kreischen das Publikum auf die Messerstiche von Anthony Perkins (James D’Arcy) einzustimmen. Sie entdeckte auch, dass in der Endfassung die tote Janet Leigh (Scarlett Johansson) auf dem Badezimmer-Boden blinzelt – was rasch herausgeschnitten wurde.

 

Hitchcocks Gattin in der Kino-Geschichte

 

Vordergründig handelt «Hitchcock» von der dramatischen und nervenaufreibenden Entstehungs-Geschichte von «Psycho». Tatsächlich geht es um die Rehabilitation von Alma Reville in der Kino-Geschichte.


Offizieller Filmtrailer


 

Für „Psycho“ verpfändet Hitchcock seine Villa

 

Sie war mit dem master of suspense 54 Jahre verheiratet und wirkte an sämtlichen Filmen mit: bei der Stoff-Entwicklung, als Ko-Autorin von Drehbüchern, in der Schnitt-Kontrolle und als guter Geist bei Schwierigkeiten aller Art. Hitchcock-Filme sind Gemeinschaftswerke eines Ehe-Paars; zurecht spielt Reville hier die zweite Hauptrolle.

 

Bis hin zum Einsatz ihres gesamten Hab und Guts: 1959 will Paramount die Produktion von «Psycho» nicht übernehmen. Hitchcock verpfändet seine Villa, um das Budget selbst zu finanzieren, und dreht den Film mit kleinem Team in nur 30 Tagen. Er spielt volles Risiko, seine Frau unterstützt ihn bedingungslos – und wenn er krank im Bett liegt, sieht sie am Set nach dem Rechten.

 

Hopkins verkörpert Hitchcock perfekt

 

Filme über das Filmemachen gibt es viele. Meist sind sie mäßig interessant; wie stets für Außenstehende, wenn Spezialisten Mühsal und Unbill ihres Berufsalltags ausbreiten. In «Hitchcock» ist das anders: Scherereien mit Studiobossen, Dreh-Probleme und Ärger mit der Zensurbehörde werden zu aufregend prickelnden Szenen.

 

Dank des lakonischen Witzes des Titelhelden, die Anthony Hopkins formvollendet verkörpert. Mit Fettanzug und reichlich kosmetischer Gesichts-Plastik gleicht er nicht nur Hitchcocks unverwechselbarer Erscheinung; auch dessen seltsam schnalzende Sprechweise ahmt Hopkins perfekt nach. Nur Helen Mirren kann er damit nicht beeindrucken: Schlagfertig weist sie sein selbstherrliches Gebaren in die Schranken.

 

Voyeurismus und Gewalt-Obsessionen

 

Hintergrund

Weitere Rezensionen finden Sie in der Presseschau
bei Film-Zeit.


Lesen Sie hier einen Beitrag zum Regisseur-Biopic
Roman Polanski: 
A Film Memoir
” von Laurent Bouzerau
mit Roman Polanski


sowie hier eine Rezension des Films “My Week With Marilyn” von Simon Curtis über die Hollywood-Ikone Marilyn Monroe

 

und hier einen Beitrag zur Schau „Unheimliche Wirklichkeiten: Duane Hanson und Gregory Crewdson“ 
über den alltäglichen Alptraum Amerikas im Museum Frieder Burda, Baden-Baden.

Denn «Hitchcock» ist vor allem ein Ehe-Drama. Ohne seine Hauptfigur zu denunzieren, stellt Regisseur Sacha Gervasi ihre Abgründe deutlich heraus: die demonstrativ ausgelebte Neigung zu unnahbaren Blondinen und hemmungslosem Voyeurismus – Hitchcock beobachtete seine Schauspielerinnen in ihren Garderoben durch Löcher in der Wand.

 

Und er war von Gewalt-Fantasien besessen: Was Gervasi anschaulich umsetzt, indem er den realen Serienmörder Ed Gein – Vorbild für Norman Bates in «Psycho» – durch Hitchcocks (Tag-)Träume geistern lässt. Gedemütigt und als Frau missachtet, lässt sich seine Gattin auf den Flirt mit einem erfolglosen Drehbuch-Schreiber ein. Erst das drohende Scheitern des Filmprojekts führt beide wieder zusammen: «Mit Dir zusammen zu leben ist nicht einfach, aber niemand kann Filme besser schneiden als Du».

 

Größter Kassenschlager

 

«Psycho» wurde Hitchcocks größter Kassenschlager. Er spielte 13 Millionen Dollar ein und machte beide Eheleute zu Multimillionären: Sie kassierten 40 Prozent des Gesamterlöses. Doch Revilles Beitrag zum Erfolg geriet in Vergessenheit. Den zu würdigen, gelingt diesem Film so so leichthändig wie amüsant – und natürlich spannend.


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