Steve McQueen

Obama macht es möglich

Kommandeur im Raumschiff Dreharbeiten: Regisseur Steve McQueen. Foto: Tobis Film

Das richtige Thema für den US-Präsidenten: Seitdem ein Farbiger im Weißen Haus sitzt, haben Rassismus-Filme Konjunktur. Regisseur Steve McQueen erklärt, warum in „Twelve Years a Slave“ Stars die Nebenrollen und ein Newcomer die Hauptfigur spielen.

Mr. McQueen, was hat Sie veranlasst, diesen Film zu machen?

 

Es begann damit, dass ich mir einen Film über die Sklaverei vorstellte; ich hatte nur keine Geschichte. Dabei wusste ich, dass es um den Leidensweg eines Sklaven gehen soll, der am Ende als freier Mann dasteht.

 

Info

 

Twelve Years a Slave

 

Regie: Steve McQueen

135 Min., USA 2013

mit: Chiwetel Ejiofor, Brad Pitt, Michael Fassbender, Benedict Cumberbatch

 

Website zum Film

 

Da ich Schwierigkeiten mit dem Drehbuch hatte, fragte meine Frau, warum ich mir nicht wahre Geschichten von Sklaven zum Vorbild nehmen würde. Sie fand schließlich das Buch „Twelve Years a Slave“. Als ich es aufschlug, war mir klar: Ich hatte meine Geschichte gefunden.

 

Niemand kannte Northups Buch

 

Solomon Northup brachte seine eigenen Erfahrungen bereits 1853 zu Papier, doch sein Werk blieb relativ unbekannt.

 

Ich kam mir selbst wie ein Dummkopf vor, als ich das Buch durchgelesen hatte. Wie konnte ich so eine unglaubliche Story nicht kennen? Allmählich stellte ich bei meinen Recherchen fest, dass noch niemand von diesem Buch gehört hatte. Da stand für mich erst recht fest, daraus einen Film machen zu müssen.


Offizieller Filmtrailer


 

Film nicht auf Beschämung reduzieren

 

Die millionenfache Versklavung von Schwarzen muss jeden Weißen beschämen.

 

Das war aber nie mein Anliegen, und ich hoffe, dass mein Film mehr Komplexität bietet, um nicht darauf reduziert zu werden. Es geht nicht um persönliche Ansichten, sondern um historische Vorgänge, die vom Kino bisher schlichtweg ignoriert wurden. Ich bin sehr objektiv vorgegangen und überlasse es den Zuschauern, das Geschehen zu reflektieren, um darüber diskutieren zu können.

 

Vor Obama keine Sklaverei-Filme

 

Die Themen Sklaverei und Rassismus wurden in jüngster Zeit bereits in Filmen wie „Lincoln“ von Stephen Spielberg, „Django Unchained“ von Quentin Tarantino oder „Der Butler“ von Lee Daniels aufgegriffen. Woher kommt dieses aktuelle Interesse?

 

Wir dürfen nicht unterschätzen, dass mit Barack Obama der erste afroamerikanische US-Präsident im Weißen Haus regiert. Das hat einen gewissen Einfluss. Ansätze, über solche Themen Filme zu drehen, gab es schon zuvor, aber sie konnten nicht realisiert werden. Durch Obama ist es nun möglich. Fragt sich nur, was passiert, wenn er nicht mehr im Amt ist.

 

Schauspieler aufs Pferd heben

 

Mit „Twelve Years a Slave“ haben Sie Ihren ersten historischen Film gedreht. War das eine besondere Herausforderung für Sie?

 

Nicht wirklich; außer der Tatsache, dass ich diesmal mehr Zeit als sonst benötigte. Wir brauchten mit nur einer Kamera 35 Drehtage, was noch im Rahmen liegt. Ansonsten musste ich nur zusehen, dass meine Schauspieler aufs Pferd kamen (lacht).

 

Grandiose Schauspieler, keine Filmstars

 

Für Nebenrollen gewannen sie mehrere Stars, doch die Hauptrolle haben Sie dem relativ unbekannten Chiwetel Ejiofor anvertraut – warum?

 

Ich denke bei Brad Pitt, Michael Fassbender und Benedict Cumberbatch nicht an Filmstars, sondern schätze sie als grandiose Schauspieler, was sie wirklich sind. Sicherlich ist Chiwetel nicht so bekannt wie die anderen, aber ich hoffe, dass sich das schnell ändern wird.

 

Nur wer Mensch bleibt, überlebt

 

Aber warum Chiwetel Ejiofor und nicht Will Smith oder Jamie Foxx?

 

Chiwetel brachte für mich auf Anhieb diese charismatische Qualität mit, Menschlichkeit und Würde auszustrahlen. Genau das brauchte ich für die Rolle des Solomon Northup: Er wird in eine Welt verschleppt, die völlig unmenschlich ist. Nur weil er Mensch bleibt, ist ihm das Überleben möglich.

 

Mit Michael Fassbender verbindet Sie aber eine besonderes Verhältnis; er hat in jedem Ihrer drei Filme eine tragende Rolle.

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Golden-Globe-Gewinner-Films „Twelve Years a Slave“  von Steve McQueen

 

und hier eine Besprechung des Films Shame von Steve McQueen mit Michael Fassbender als Sex-Süchtigem

 

und hier einen Beitrag über den Film “Django Unchained” Italo-Western über Südstaaten-Sklaverei von Quentin Tarantino

 

und hier einen Bericht über die Doku BB King – The Life of Riley – Porträt der Blues-Legende, der einst Baumwoll-Pflücker war, von Jon Brewer.

 

Ich habe von Anfang an mit ihm gearbeitet; er zählt für meine Begriffe zu den besten Schauspielern, die man zurzeit finden kann. Das will ich natürlich nutzen und weiterhin mit ihm zusammenarbeiten.

 

Brad Pitt produzierte mit 

 

Wie kam es dazu, dass „Twelve Years a Slave“ auch von Brad Pitt mitproduziert wurde?

 

Er sah meinen ersten Film „Hunger“ (über einen Hungerstreik von IRA-Terroristen, A.d.R.) und nahm bereits 2008 Kontakt zu mir auf. Seitdem haben wir immer wieder über die Möglichkeit einer Zusammenarbeit gesprochen. Von „Twelve Years a Slave“ war Brad so angetan, dass er mir volle Unterstützung geben wollte.

 

Namensvetter stört nicht

 

Steve McQueen hieß auch ein großer Hollywood-Star: Er spielte in Klassikern wie „Die glorreichen Sieben“ und „Gesprengte Ketten“ mit und starb 1980 mit nur 50 Jahren. Was bedeutet es für Sie, den gleichen Namen zu tragen?

 

Ach, so merkwürdig ist das für mich gar nicht. Ich kann mich nicht mit ihm vergleichen, und er weilt ja auch nicht mehr unter uns. Insofern ist es nur ein Name, den mir meine Mutter gegeben hat (lacht).


Diesen Artikel drucken