Darren Aronofsky

Die Bibel zum Leben erwecken

Darren Aronofsky bei der US-Premiere von "Noah" in New York. Foto: Paramount

Seine Sintflut-Saga „Noah“ ist für Regisseur Darren Aronofsky unvergleichlich: optisch Fantasy, inhaltlich Philosophie. Im Interview erklärt er, warum Gott im Film nur Schöpfer genannt wird, und was er von Verboten in islamischen Ländern hält.

Mr. Aronofsky, mit „Noah“ führen Sie die Bibel ins Reich der Mythologie. War das von Ihnen so beabsichtigt?

 

Teilweise schon, denn alle Geschichten vor der Zeit der Sintflut haben Elemente des Phantastischen. Etwa, dass es vor der Sintflut keinen Regenbogen gab, dass gefallene Engel über die Erde wanderten und dass Menschen Jahrhunderte lang lebten. In jener Zeit war alles ganz anders als das, was wir heute gewohnt sind. Ich verstehe diese Geschichten als Metaphern und Mythen.

 

Lücken im Bibel-Text füllen

 

Wie genau haben Sie sich an die Bibel gehalten?

 

Info

 

Noah – Das Ende ist erst der Anfang

 

Regie: Darren Aronofsky,

138 Min., USA 2014;

mit: Russell Crowe, Jennifer Connelly, Anthony Hopkins, Emma Watson

 

Website zum Film

 

Ziemlich genau, denn wir wollen der Bibel nicht widersprechen. Die Genesis hat zu Noah und der Sintflut nur vier Kapitel, weshalb wir versuchten mussten, Lücken zu füllen und daraus eine menschliche Geschichte zu machen. Unsere Idee war, diesen mythologischen Rahmen mit Leben zu füllen, indem wir menschliche Emotionen einbauten.

 

Glauben Sie, der Papst kann sich für „Noah“ begeistern?

 

Keine Ahnung! Ich kenne seinen Geschmack nicht. In seinen Predigten hat er bereits über unsere Verantwortung für die Schöpfung gesprochen, was auch definitiv ein großes Thema unseres Films ist.


Offizieller Filmtrailer


 

Schöpfer wird von mehr Leuten verstanden

 

Sind Sie ein gläubiger Mensch?

 

Wie ich zu Religion stehe, ist gar nicht wichtig. Wichtig ist der Film, der sich mit dem beschäftigt, was in der Bibel steht. Er widerspricht nicht der Heiligen Schrift, sondern versucht, sie mit menschlicher Emotionalität zum Leben zu erwecken. Es geht also um den Film, und das ist meine Antwort auf Ihre Frage.

 

Im Film wird nie von Gott gesprochen. Warum ist immer die Rede vom Schöpfer?

 

Ich habe mir dabei nur gedacht, dass Schöpfer allgemeiner klingt und von mehr Leuten verstanden wird. Gott bedeutet für viele Menschen etwas anderes, während mit dem Wort Schöpfer direkt eine Verbindung dazu aufgebaut wird, was vor uns Menschen geschehen ist.

 

Unterhaltsames Erlebnis ür Nichtgläubige

 

In Ländern wie Pakistan und Malaysia wurde „Noah“ bereits verboten, weil man dort davon ausgeht, dass der Film im Widerspruch zum Bilderverbot des Islam steht.

 

Dabei kennt man auch im Islam die Geschichte von Noah; im Koran wird sie aber etwas anders erzählt. Wir haben uns an die Version des Alten Testaments gehalten, was sicherlich für jeden Gläubigen einen Unterschied macht. Aber ich denke, dass jeder Nichtgläubige oder jeder mit einer anderen Tradition den Film als unterhaltsames Erlebnis sieht. Das war zumindest unser Ziel.

 

Publikum für Bibel-Epen begeistern

 

Würden Sie „Noah“ eher in die Nähe von actionreichen Kinohits wie „Herr der Ringe“ oder doch lieber in die Ecke gottesfürchtiger Bibelfilme wie „Die zehn Gebote“ rücken?

 

Vom Genre her betrachtet, gehört „Noah“ wahrscheinlich eher zu „Herr der Ringe“. Gleichzeitig ist es aber auch ein biblisches Epos; es ist schon unsere Absicht, dieses Genre wieder neu zu erfinden.

 

„Herr der Ringe“ begeisterte durch seine großartige Mythologie, in der letztendlich der Kampf von Gut gegen Böse abgehandelt wird. In „Noah“ geht es um das gleiche Thema, wenn Schwäche und Vergebung, Gerechtigkeit und Gnade gegenübergestellt werden.

 

Unser Film ist ein Versuch, das Publikum des 21. Jahrhunderts für dieses Genre wieder begeistern zu können. Das tun wir, indem wir auch philosophische Fragen darüber stellen, wo sich der Mensch heute eigentlich befindet. Insofern lässt sich „Noah“ vielleicht mit gar keinem anderen Film vergleichen.

 

Freude auf Ridley Scotts Exodus-Film

 

Im Dezember kommt „Exodus“ von Ridley Scott ins Kino – ein weiteres Bibelepos über den Auszug der Israeliten aus Ägypten. Kann man da schon von einem neuen Trend sprechen?

 

Hintergrund

 

Lesen Sie hier eine Rezension des Films „Noah – Das Ende ist erst der Anfang“ von Darren Aronofsky

 

und hier ein Interview mit Darren Aronofsky: „Schwanensee als Halluzinogen-Trip“ über seinen Film „Black Swan

 

und hier einen Bericht über den Film „Pompeii“  – Antike-Action-Spektakel von Paul W.S. Anderson

 

und hier eine Besprechung der Ausstellung “Uruk: 5000 Jahre Megacity” – über eine der ältesten Städte der Welt in Berlin + Herne.

 

Ich denke, das ist Zufall. Denn ich habe mich 15 Jahre lang mit der Verfilmung von „Noah“ beschäftigt, und das sich nun ein Studio dazu bereit erklärt hat, ist einfach so passiert. Aber ich finde es großartig, denn Ridley ist einer meiner Lieblingsregisseure; er hat für seinen Film eine tolle Besetzung gefunden. Das wird bestimmt ein aufregender Film werden.

 

Jedes Mal die Frage, ob letztes Mal

 

„Noah“ soll mehr als 125 Mio. Dollar gekostet haben und ist damit der teuerste Film Ihrer Karriere. Stehen Sie jetzt unter Erfolgsdruck?

 

Ich kann nicht sagen, ob das diesmal so anders ist als zuvor, denn bei jedem Film spürt man enormen Druck. Du bist immer nervös, ängstlich und fragst dich, ob es das letzte Mal sein wird, dass du arbeiten konntest.

 

Deshalb spielt der Aufwand eines Films nicht unbedingt eine Rolle. Man hofft nur, dass das Geld, das man ausgegeben hat, wieder eingespielt wird. Ich kann mir über die finanzielle Seite aber auch nicht zu viele Gedanken machen, sonst würde mir der Kopf platzen.


Diesen Artikel drucken